20.09. // DAS RENNEN !!!
25. September 2008Für ein paar Foto-Impressionen vom Rennen, klicke auf die Collage oder folge dem LINK
Von Klappcontainerkarossen, unsichtbaren Autos und Transpholterdipolter …
Das war’s. Aus. Wir werden sie vermissen, unsere Ingenieure, die in nächtelanger Fummelarbeit aus dem Nichts ein mit Wasserstoff angetriebenes Gefährt bauen, das sich sogar bewegt und in manchen Nächten vor einer Hinterhofwerkstatt in Bochum-Hamme für Getöse sorgt. Nein, nicht vor irgendeiner Hinterhofwerkstatt in Bochum-Hamme, sondern vor DER Hinterhofwerkstatt in Bochum Hamme. Ja, am Ende sieht das Fahrzeug ein bisschen aus, wie der Dienstwagen von Mad Max oder wie ein weißer „Hummer“. Dabei soll eigentlich eine High Tech Karosserie aus GFK, eigens dafür gegossen, die teure Mechanik zieren. Klappt aber nicht, weil der „Spezialbetrieb für GFK Beschichtungen“ aus dem nördlichen Ruhrgebiet vergisst, Wachs zwischen die Holzform und den Kunststoff zu schmieren. Und so gehen Form und Kunststoff eine unglückliche, dafür aber lebenslange Ehe ein, die dafür sorgt, dass das Team sich etwas Neues überlegen muss.
Karnevalswagen und Wasserstoff-Flitzer
Wer war schon mal beim Kölner Karneval? Irgendwer aus dem Team jedenfalls schon, denn er erinnert sich, dass dort die Wagen alle aus Pappmache gemacht sind. Also los. Alte Zeitung und Pampe her. Am Ende entsteht etwas, das irgendwie bedrohlich aussieht – und das am letzten Abend vorm Rennen (wir berichteten).
Samstag, 05.30 Uhr. Das Team trifft sich völlig verpennt in DER Hinterhofwerkstatt von Markus Lingemann. Sachen packen und los. Gegen 08.00 Uhr trifft die think ING.-Combo in Frankfurt auf der Messe ein. Heidewitzka, bis man hier mal den korrekten Eingang findet. Als endlich die richtige Halle entdeckt wird, wundert man sich über die etwas merkwürdige Location. Soll hier nicht ein unheimlich innovativer Wettbewerb stattfinden? Statt Zuschauerströmen, Cateringständen und Boxenludern findet die etwas müde Kleingruppe eine riesenhafte Messehalle vor, in deren Mitte sich, einer Oase gleich, ein grüner Flecken ausbreitet: Die Rennstrecke. Schön, die ist schon mal da. Und auch die Teams sind offenbar reichhaltig vertreten mit völlig aberwitzigen Konstruktionen, darunter ebenso absolute HighTech-Renner wie durchaus liebenswerte aber chancenlose Exoten.
Lötzinn und Weingummi
Jedes Team erhält einen Platz an einer Anhäufung von Tischen, um sich vorzubereiten, zu basteln, zu kitten und Gummibärchen zu essen. Natürlich hat das Team think ING. nichts Essbares dabei, nur technische Ausrüstung. Aber man nascht gern vom freundlichen Nachbarn, der uns so großzügig wie leichtsinnig seine Haribo-Colorado-Trommel anbietet. Oder besser: Zum Fraß vorwirft. Wie auch immer, irgendwann nähert sich der Zeitpunkt, wo unser weißer Bolide zeigen muss, was in ihm steckt. Insgesamt gibt es vier Vorläufe a acht Minuten. Wer die meisten Runden schafft, ist vorne. Vor jedem Lauf muss das Geschoss zur technischen Abnahme, wo es noch einen Transponder erhält, um bei der Start-Ziel-Durchquerung über eine Schleife zu fahren und dem Computer mitzuteilen, wann er eine neue Runde zählen darf. So kann nichts schiefgehen in der Wertung.
Startschuss … unser Team hätte sich gefreut, wenn es zumindest einmal über die Start/Ziel-Schleife gefahren wäre. Vom Start weg ging der Hobel immer wieder aus. Besser gesagt, die Brennstoffzelle. Das hat sie im Training nie getan. Seltsam. Stimmen werden laut, dass Herr Lingemann als Pilot einen nervösen Zeigefinger hat und dem Vehikel zu viel Schwung mit auf den Weg gibt. Und wenn man dies der Brennstoffzelle antut, wird aus Schwung ganz schnell Schwund und die Karre macht keinen Mucks. Für diesen Fall hat man in der think ING.-Bastelstube aber was Tolles eingebaut: Einen
Mechanismus, der die ausgeschaltete Zelle selbständig wiederbelebt und eine Lampe in der Antenne, die diese frohe Kunde durch grelles Leuchten kundtut.
Leider folgen unserem – nur selten leuchtenden – Stern nur wenige, denn wer ganz hinten fährt, kann schlecht verfolgt werden. Immer und immer wieder landet der Wagen am Rand. Und so bekommt zunächst der arme Markus, der allerdings in gewissen Kreisen für sein Ungestüm gerade bei technischem Spielzeug bekannt ist, ständig einen klugen Spruch gedrückt.
Doch das Malheur muss eine andere Usache haben. Fiebhafte Fehlersuche.
Das dreiköpfige Team beginnt sich allmählich in drei Lager zu spalten. Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Wenngleich es unterschiedliche Meinungen zu der Frage gibt, was denn nun schuld daran ist, dass die Brennstoffzelle immer wieder im Rennen ausgeht, während sie auf glattem Boden ausgezeichnet läuft und man den think ING.-Blitz beinahe mit einem startenden Jet gleichsetzen könnte. Es scheint hierfür diesmal wirklich keine Erklärung zu geben. Im Folgenden einige der Spekulationen:
Theorie 1: Es liegt am Teppich. Während auf Asphalt der Rollwiderstand relativ gering ist, erhöht sich dieser auf Teppichboden ungemein, was die Grenze der Belastbarkeit für die Zelle bedeuten könnte.
Theorie 2: Der Elektronik-Freak im Bochumer Wunderland (s. Eintrag v. 17.09.) hat uns mit seinen Technik-Tipps auf die Schippe genommen und lacht sich jetzt, angesichts des streikenden Autos, zu Hause kaputt.
Theorie 3: Der Transponder stört irgendeine elektronische Schaltung
Konkurrenzlos schnell …
Immerhin kommt man noch in eine Art Hoffnungslauf – nicht ohne dass uns der Veranstalter vorher genau erklärt, dass wir dort eigentlich nichts verloren hätten, da das think ING.-Team ja außer Konkurrenz startet. Der gnädige Vorschlag lautet: Wir sollen ein paar Solorunden drehen während sich die anderen Teams heiße Runs im Hauptlauf liefern dürfen. Schöne Idee, nur leider sehr unergiebig. Dann eine super-Lösung: Alle Teilnehmer unseres Laufs werden befragt, ob sie einverstanden sind, dass wir in „ihrem“ Rennen dabei sind. Unverständnis bei den Befragten. Worum geht’s? Und natürlich hat keiner etwas dagegen. Warum auch? Immerhin ist unser Hobel nicht gerade angsteinflößend und wir fahren sogar jedes Mal brav an den Rand, wenn die Zelle wieder temporär den Geist aufgibt. Und dann, im Rennen geschieht das Wunder: Unser Wagen wird unsichtbar. Während er nämlich Runde um Runde dreht – vorne im Feld, wohlgemerkt - wird er vom Sprecher mit keiner Silbe erwähnt. Er übersieht ihn einfach, weil er ja unsichtbar ist. Stattdessen benennt der Mikrofonjongleur andere Teams als Führende, was beim Publikum Verwunderung und Spekulationen auslöst. Doch auch dieser Lauf geht für uns vorbei indem eine Lenkungsstrebe bricht. Die war extra aus einer Mountain-Bike-Speiche konstruiert und versprach Haltbarkeit bis zur nächsten Jahrtausendwende. Nun ist es aber ganz rum für die think ING.-Ingenieure. Der Wagen wird vom Parcours gehoben und eingepackt. Gleichzeitig wird es zur Gewissheit: Das ständige Abschalten rührt daher, dass der vorm Rennen eingebaute Transponder eine Platine zu stören scheint. Das gleiche Schicksal ereilte nämlich noch andere Teams. Auf Asphalt ohne Transponder top – im Rennen flop. Egal, unsere Platzierung spielt ohnehin keine Rolle, weil wir a) sowieso nicht aufs Treppchen kommen und b) als „außer Konkurrenz“ fahrendes Team keine Wertung bekommen – ja sogar von Beginn an wertungstechnisch ignoriert werden. Na gut, der Veranstalter will es so, weil wir kein Schüler- oder Studententeam sind. Die mitgebrachten Geschenke – think ING.-T-Shirts, -Kappen und -Schlüsselanhänger – werden noch unters Hybrid-Volk gebracht und dabei ein paar interessante Gespräche geführt. Wasserstoffherz, was willst du mehr?
Nun heißt es für uns: Sachen packen, ab an die frische Luft, ein Bier und ein Bett. Wir resümieren: Was hat der Tag gebracht? Nun, wir haben ein paar neue Freunde und Anregungen erhalten. Wir wissen, dass Schüler manchmal
(oder oft) besser sind als Ingenieure. Wir wissen, dass wir das einzige unsichtbare Wasserstoffauto der Welt haben, das noch dazu in der Lage ist, 23 km/h zu erreichen und damit die fünftschnellste Geschwindigkeit erzielt. Leider wissen wir auch, dass bei einem Wasserstoff-Modellauto-Rennen allenfalls mit Boxenludern von Playmobil zu rechnen ist. Aber nein, wir sind noch nicht ganz am Ende. Es gibt zwar keine Boxenluder aber ein Mädchengymnasium. Und diese Mädels haben unserer Meinung nach das interessanteste Auto gebaut. Äußerst pragmatisch wie die Damen nun mal sind, wird über das Chassis einfach eine silbern lackierte Klappkiste aus dem Baumarkt gestülpt. Das Ganze ähnelt mehr einem Alu-Schminkkoffer als einem renntauglichen Modell. Vor allem aber hält die Optik, was sie verspricht: Das Gehäuse hindert die gesamte Konstruktion offenbar ein wenig daran, sich überhaupt fortzubewegen. Und so streckt das Vehikel auf dem Weg zur Startlinie in jedem Renndurchgang die Flügel. Diese Nicht-Funktionieren funktioniert aber zuverlässig. Und die Mädels? Bleiben gelassen, haben Spaß und feilen sich die Nägel. Und da machen wir uns wegen so einem Transponder verrückt? Weibliche Ingenieure sind eben eine ganze Ecke cooler …
Also, in diesem Sinne, bleibt cool beim Thema Wasserstoff, denn diese Technik wird in den nächsten Jahren noch verdammt heiß werden! Und dann werden sich vielleicht alle nachfolgenden Generationen an die Pioniere der Wasserstoff-Modellautos erinnern. Im September 2008 war’s. Auf der Automechanika in Frankfurt.
WIR BEDANKEN UNS BEI ALLEN, DIE DIESEN BLOG ÜBER MONATE AUFMERKSAM VERFOLGT HABEN, BEI ALLEN BETEILIGTEN UND NATÜRLICH GANZ BESONDERS BEI UNSEREN DREI INGENIEUREN MARKUS LINGEMANN, JÖRG BRENNECKE UND MICHAEL DIETRICH. SIE HABEN NEBEN IHREN ANSTRENGENDEN JOBS IHRE FREIZEIT GEOPFERT UND VIELE STUNDEN IN DAS PROJEKT GESTECKT.
WIR HOFFEN, IHR HATTET SPASS UND VERABSCHIEDEN UNS BIS ZUR NÄCHSTEN HERAUSFORDERUNG.
EURE think ING.-REDAKTION





