Wahrnehmenserziehung und Sinnesschulung
Reflexionen zur Berliner Konferenz des THINK ING. - Projekts: "Physik im Kindergarten?
Als Teilnehmer der überaus interessanten und anregenden Veranstaltung im Rahmen des THINK ING. - Projekts "Physik im Kindergarten" möchten wir zunächst Herrn Stetzenbach für die geschickte Organisation mit einem effizienten Zeitmanagement danken. Skeptisch machten wir, Herr Dr. Torsten Skorubski aus Cottbus und Helmut Staff aus Erfurt, uns auf die Reise nach Berlin. Dabei wurden wir zur Unterstützung von unseren aktivsten Schülerinnen bei diesem Projekt begleitet. Aus Cottbus kam Caroline Fongern aus der Klasse 12 und aus Erfurt die Schülerin Helena Ballasus, die bereits in der Klasse 9 Feuer und Flamme für diese Idee ist. Selbst eine Menge von Ideen im Kopf und noch mehr Fragen und unformulierte Probleme im Bauch wurden wir gleich von dem konstruktiven und sehr freundschaftlichen Auftakt eingenommen. Das aufrichtige Interesse an einer gemeinsamen und wichtigen Pioniertat, das wir bei allen Teilnehmern, mit denen wir sprachen verspürten, verband uns von Anfang an. Nach der gegenseitigen Vorstellung ging es gleich zur Sache. In der einführenden Präsentation zeigte Herr Stetzenbach die wichtigen Fragen auf:
- Wo haben die Kinder ihre Motivation verloren, sich mit Nawi-Fragen auseinander zusetzen?
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen Deutschlands wirtschaftlicher Situation und den geistigen Potenzen unserer Kinder?
- Warum wollen wir zusätzlich zu unserer Arbeit physikalische Experimente in den Kindergarten tragen?
Die Folgerungen sind so schlüssig wie eine deduktive Herleitung:
1. Erfahrungen sammeln
2. Orientierungshilfen für die Kinder in einer technisierten Umwelt geben
3. Unterstützung von Integrationsbemühungen
4. Möglichst zwei Ziele bei jedem Experiment: Wahrnehmungserziehung und Sinnesschulung bei unseren Jüngsten zu erreichen
5. eigene Beiträge der Kinder müssen unbedingt wahrgenommen werden
6. Keine Weiterbildung für Kindergärtnerinnen
7. Erklärungsmuster müssen kindgerecht sein, sollen sich auf die Erlebniswelt beziehen und dürfen keine Fachtermini enthalten
8. den Kindern etwas Gegenständliches mitgeben
9. Die Kinder müssen aktiv sein und sollen selbst spielerisch agieren, nicht nur andere beobachten
10. Die Kinder brauchen Anerkennung für kleine Erfolge, ob in Beobachtung, Planung, Ausführung oder Kreativität.
Die zwei sich bei uns aufdrängenden Fragen wurden allerdings unterschiedlich befriedigend beantwortet. Auf die Frage nach den Kriterien für die Auswahl des Kindergartens hat die Antwort ?spielt eine untergeordnete Rolle? auch sofort überzeugt, nur muss es der Wunsch des Kiga nach dem Angebot sein, nicht etwa eine Duldung. Die zweite Frage nach der als Ziel anvisierten Systematik wurde bereits hinsichtlich der Alternative unterschiedlich beantwortet und löste weitere Diskussionen aus. Den Argumenten des "Keine-Systematik-Lagers" , die sich wie folgt zusammenfassen lassen:
- Flash back für später ist auch ganz wichtig
- Eine fachinterne Systematik ist unverständlich
- Verletzung des Prinzips einer altersgerechten Fasslichkeit
- Materielle Voraussetzungen sind zu unterschiedlich
standen die anderen mehr oder weniger heftig entgegen:
· Die Zielsetzung/Systematik bestimmt die Organisationsform, z.B. welche Schüler wie oft mit welchen Experimenten an welchen Kiga gehen.
· Eine physikalische Systematik kann freilich alles zerstören, aber irgend ein Band müssen die Kinder ja spüren, dem wir dann auch folgen.
· Letztlich stellen ja Themen wie ?Luft", ?Wasser" oder ?Magnete" als Leitlinien auch eine Systematik dar.
Nach diesen grundlegenden Diskussionen stellte Herr B. Zinn aus Alsfeld seine bereits durchgeführten Veranstaltungen mit Schülern und Vorschulkindern anhand von Wort und Bild vor. Interesse fanden vor allem auch seine Auswertungen wie auch die unterschiedliche und vielfältige Möglichkeit der Bewertung der Schülerleistungen in diesem Zusammenhang. (Vgl. Beiträge von Herrn B. Zinn im Forum
www.Think-ing.de/ting_forum). Zusammenfassend ist sein Ziel, einerseits bei den Kindern das Interesse zu wecken, das Beobachten und Staunen zu trainieren und andererseits mit den Schülern eine Möglichkeit des fachübergreifenden Unterrichts zu nutzen und gleichzeitig auch andere Bewertungsmöglichkeiten als nur die sachliche Richtigkeit zu nutzen, offenbar zwar mit sehr viel Aufwand, aber klar erreicht worden.
Während und nach dem Abendessen am Alex wurden die bereits aufgeworfenen Fragen weiter in kleinen Gruppen diskutiert und so auch neue Bekanntschaften geschlossen.
Am Morgen des nächsten Tages (20.04.2005) trafen wir uns wieder, um einige Materialien vorgestellt zu bekommen. Dabei entstand der einhellige Wunsch, den Film von Kon Te Xis als Werbeträger einzusetzen, um vor allem die anderen Kollegen an den Heimatschulen für dieses Projekt zu sensibilisieren. Anschließend machte uns Herr Stetzenbach mit den Schwerpunkten der folgenden Vorstellung der tatsächlichen Arbeit mit einem Kindergarten vertraut. Was sich nun ereignete überzeugte auch den letzten Skeptiker. Selbst einmal in die leuchtenden Kinderaugen zu sehen, wenn die Erkenntnis anhand eines einfachen, von einem Vierjährigen durchgeführten Experiments, dass Luft nicht nix ist, ist schon ein überzeugendes Argument. Die Vielzahl der durchgeführten Experimente lässt sich hier nicht auflisten. Bedeutsam waren aber auch die Hinweise zum Umgang mit dem Kindergarten, um das Erlebnis nachhaltig zu machen:
· Man sollte den Kontakt möglichst zu zwei Kindergärten pflegen.
· Pro Schüler sollten sich sechs bis sieben Kinder einfinden und die Stationen durchlaufen. Unser Meinung nach sind das allerdings zu viele, wir haben die Beobachtung gemacht, dass dann ein oder zwei weniger aktive Kinder abseits stehen, deshalb werde ich versuchen, nicht mehr als vier Kinder in einer Gruppe mit einem Schüler experimentieren zu lassen.
· Es sollte ein gesunder Wechsel von Vorführung und selber machen organisiert werden.
· Die dabei zu erstellenden Fotos müssen anschließend an den Kindergarten gegeben werden, damit ein nachhaltiges Erlebnis für die Kinder wie aber auch eine breite Unterstützung der Eltern erfolgt.
· Mit den Kindergärtnerinnen ist der Tag spätestens eine Woche danach auszuwerten, damit man die wertvollen Anregungen auch gezielt in die weitere Arbeit einbauen kann.
· Es ist klug zu entscheiden, ob man die Gruppen nach Altersunterschieden oder nach Leistungsvermögen einteilt, damit die gleichmäßige Einbeziehung aller gegeben ist.
· Die Methode ?Alle Stationen der Reiher nach? oder ? Auswahl nach Schwerpunkten? setzt aber wieder die Beantwortung der oben genannten Frage nach einer Systematik voraus.
Wenn hier allerdings im wesentlichen auf die Arbeit mit den Kindern abgehoben wurde darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der enorme Zusatzaufwand für die Lehrer doch hauptsächlich deswegen aufgebracht wird, weil sie in diesem Projekt eine Chance der besonderen Ausbildung ihrer Schüler sehen. Dabei werden nicht nur Selbständigkeit und eine Sensibilisierung hinsichtlich des Umgangs und des Einfühlungsvermögens mit den Kindern gefördert. Auch der Zuwachs an physikalischen Kenntnissen durch die Überprüfung eigener Kenntnisse durch ein außergewöhnliches Kriterium wie auch der Förderung der Kreativität spielen eine besondere Rolle. Deshalb sind die Erfahrungen, die Herr Zinn mit einer kompletten Klasse machte von besonderem Interesse. Diesem Aspekt, nämlich der5 Anleitung der Schüler bei diesem Projekt sollte verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet sein.
In der anschließenden Lernwerkstatt von Kon Te Xis wurden uns weitere Experimente, auch für die Grundschule, von Herrn Bisanz und seinem Kollegen vorgestellt, auf die Methodenmesse am 15./16.Juni hingewiesen und das Versprechen abgegeben, weitere Fachtagungen von außen zu unterstützen.
Für diese überaus anregende und gelungene Veranstaltung möchten wir uns herzlich bei Herrn Stetzenbach und seinem Team, Herrn Gollub vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall und den Kollegen von Kon Te Xis bedanken.
Dr. Torsten Skorubski , Helmut Staff