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© Linde AG
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Eine Ingenieurin auf Welttournee
Im Porträt: Chemieingenieurin Anika Bischoff
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Von der Curry- zur Weißwurst
Mit dem Bewusstsein, auf keinen Fall einen reinen Bürojob machen zu wollen, suchte Anika Bischoff nach ihrem Chemietechnikdiplom an der TU Dortmund im Jahr 2005 gezielt nach einer abwechslungsreichen Tätigkeit. Sieben Bewerbungen später durchschritt sie dann für ein Vorstellungsgespräch zum ersten Mal die Pforten der Linde Engineering Division. „Nach dem Gespräch hatte ich direkt ein gutes Gefühl“, erzählt die heute 29-Jährige, „kein Assessment Center, hier interessierte man sich ernsthaft für meine Persönlichkeit.“ Ihr Gespür täuschte sie nicht, denn nur kurze Zeit später unterschrieb sie ihren Arbeitsvertrag und trat die erste Reise als Ingenieurin an: Ruhrpott ade, servus Bayern!
Kaum im Münchener Büro des international aufgestellten Unternehmens angelangt, erwartete Bischoff gleich jede Menge Arbeit: „Vom ersten Tag an arbeitete ich an realen Projekten mit, wie z.B. dem Bau von Gas- und Olefin-Anlagen, die aus Erdöl oder Erdgas Chemiegrundprodukte wie zum Beispiel Ethylen produzieren“, erzählt die Ingenieurin. Zusammen mit einem Team von Ingenieuren unterschiedlichster Fachrichtungen sorgt sie seitdem für die Bestückung der Großanlagen mit den passenden technischen Apparaten. Aufgrund der Komplexität und Fülle der notwendigen Apparate arbeiten in jedem Projektteam verschiedene Spezialisten für die jeweiligen Apparatetypen. „Ob Wärmetauscher, Kolonnen oder Behälter - jeder ist selbstständig für die Betreuung seines Equipments verantwortlich.“ Während der Planungsphase im Münchener Büro erstellen die Ingenieure Datenblätter und umfangreiche technische Spezifikationen zu ihren Apparaten, in welchen beispielsweise Größe, Funktion, Material und viele weitere Anforderungen genau festgelegt sind. Technische Vergabe- und Klärungsgespräche mit Herstellern aus Korea, Indien und diversen anderen Ländern erfordern immer wieder aufs Neue ein Eingehen auf die jeweilige Mentalität. „Ist das eigentliche Engineering abgeschlossen und ein Hersteller beauftragt, geht es für uns raus“, berichtet Bischoff, „Jetzt beginnt der aufregendste Teil unserer Arbeit: Wir überwachen zunächst die Fertigung bei den Herstellern und dann die Installation direkt auf der Baustelle.“
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Nach getaner Arbeit geht’s zum fernöstlichen Geschäftsessen. Anika Bischoff mit koreanischen Kunden
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(K)eine Frauensache?
Und die Baustellen und Fertigungsstandorte liegen auf der ganzen Welt. So verbrachte Bischoff 2008 beispielsweise fast vier Monate im muslimischen Malaysia, nicht immer einfach für eine Frau: „Erstmal muss man sich Respekt verschaffen, denn der ist dort einer Frau gegenüber nicht selbstverständlich“, weiß die Chemietechnikerin aus eigener Erfahrung. „Es kann passieren, dass man schlichtweg übergangen wird. Die Arbeit funktioniert nur, wenn man den Mut aufbringt, Entscheidungen bewusst zu treffen und dann auch voll dahinter zu stehen. Selbstzweifel brechen einem das Genick.“ Mit Konsequenz und Rückendeckung aus München verschaffte sich Anika Bischoff Gehör. Leider gibt es auch Länder, in denen der Einsatz von Ingenieurinnen größere Schwierigkeiten macht. „In meinem zweiten Jahr habe ich an einem Großprojekt im Emirat Abu Dhabi gearbeitet, musste die Überwachung der Baustelle vor Ort jedoch aus Rücksicht auf das dort vorherrschende Rollenverständnis an einen männlichen Kollegen übergeben.“ Derzeit arbeitet die Chemieingenieurin an einer Kopie eben dieses Projektes und freut sich über eine kleine Besonderheit: „Die zweite Projektphase unserer Tochtergesellschaft Linde Engineering India bearbeiten und unterstützen Münchner Ingenieure.“ Ab März 2010 wird die Ingenieurin dann für zunächst vier Monate in einer indischen Großstadt nahe Mumbai (ehemals Bombay) zwischen zwei Millionen Einwohnern leben und arbeiten.
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Werkstattbesichtigung in Korea: Im Hintergrund sieht man eine Kolonne während der Fertigung. Eine Kolonne ist ein stehender Behälter, in dem thermisch- oder chemisch angetriebene Stoffaustauschvorgänge oder Trennprozesse ablaufen
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„Wer sich für diesen Beruf entscheidet, muss auf jeden Fall Flexibilität und Spaß am Reisen mitbringen“, rät die Weltenbummlerin, „und Englisch sollte einem auch keine Angst einjagen.“ Denn obwohl Linde Engineering Division ein deutsches Unternehmen ist, spricht man bei der Arbeit Englisch. „Gerade wegen der internationalen Arbeit und der ausländischen Kollegen und Kunden muss man sich daran gewöhnen, was auch für mich anfangs nicht leicht war“, gesteht die Diplomingenieurin. „Englisch war in der Schule gar nicht mein Ding. Mein Vater ist Maschinenbauer und schon immer habe ich seine Leidenschaft für die Naturwissenschaften geteilt. Dafür ist aber mein Bruder Englischlehrer geworden.“ Verkehrte Welt und doch so richtig – nicht immer halten sich Talente auch an Klischees.


