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© Kupplung: JackF / Fotolia
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Ingenieurin sucht Herausforderungen
Im Porträt: Dr. Michele Zimmermann
Als die heute 45-Jährige 2006 zur BorgWarner Transmission Systems GmbH ins thüringische Arnstadt kam, gab es in dem Werk 130 Beschäftigte, die in zwei Schichten arbeiteten und pro Schicht rund 350 Kupplungen für die Automobil-Industrie produzierten. "Man war damals der festen Überzeugung“, erinnert sich Michele Zimmermann, "dass mehr nicht gehen würde." Damit wollte sich die Ingenieurin nicht zufrieden geben. Im Gegenteil: "Es war mir geradezu eine Herzensangelegenheit, die Mitarbeiter zu motivieren und die Produktion voranzubringen."
Gesamtergebnis im Blick
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Neben der neuen Halle und der Erweiterung des Maschinenparks wurde die Belegschaft auf 420 Leute erweitert und, was fast noch wichtiger ist, die Produktivität dramatisch erhöht. Statt 350, wie vor fünf Jahren, werden heute an einer Produktionslinie 700 Kupplungen hergestellt - mit derselben Mannschaftsstärke und Taktzeit. Entsprechend stieg der Umsatz von 40 auf 150 Millionen Euro. Um das zu erreichen, musste an vielen Stellschrauben gedreht werden, vom Bestandsmanagement über die Organisations-strukturen bis zu den Kontrollmechanismen. "Letztlich haben wir es geschafft", so Zimmermann, "weil das Team richtig gut war." Alle, auch sie selbst, hätten dazugelernt und am Ende stets das Gesamtkonstrukt im Blick gehabt. "Das heißt, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben."
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Seit September 2011 ist Dr. Michele Zimmermann im Programm-Management des Konzerns tätig
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Ob das jetzt eine typisch weibliche Herangehensweise gewesen ist, kann die Ingenieurin nicht sagen. Das Ergebnis sei, in all seinen Facetten, allerdings keine Selbstverständlichkeit. So habe es sich mittlerweile bis in die BorgWarner-Konzernleitung in den USA herumgesprochen, dass das Arnstädter Werk etwas Besonderes ist. "Hier herrscht kein Besitzdenken. Zudem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man sich verändert - das bringt auch immer neue Chancen."
Ständiger Fortschritt
Vor diesem Hintergrund scheut Michele Zimmermann Veränderungen nicht, sie sucht sie geradezu. "Es sind vor allem die großen Veränderungsprozesse und die damit verbundenen Fortschritte in Unternehmen, die mich reizen - danach bin ich geradezu ein wenig süchtig. Das Kleinteilige, wenn alles läuft, das liegt mir nicht, das überlasse ich gerne anderen." Erfahrung damit konnte sie bereits vor ihrer Zeit bei BorgWarner sammeln. Vier Jahre lang hatte sie erst als Fertigungstechnik-Ingenieurin, später als Produktionsleiterin den Getriebehersteller New Venture Gear bei Leipzig aufgebaut. Als sie das Unternehmen verließ, hatte sich die Belegschaft von 20 auf 200 Mitarbeiter verzehnfacht, die, mit ähnlichen Steigerungsraten, täglich 800 Getriebe produzierten. "Diese Aufbauarbeit", sagt Zimmermann, "hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, und mir wurde stets sehr großer Respekt für meine Arbeit entgegengebracht."
Veränderungen und die stete Suche nach Herausforderungen sind so etwas wie die Grundprinzipien ihres Lebens. Die treiben sie an und geben ihr Kraft. "Rund alle fünf Jahre", sagt die Mutter einer sechsjährigen Tochter, "muss ich etwas Neues machen." Dementsprechend hat sie bei BorgWarner seit September andere Aufgaben übernommen. War sie bisher stets im operativen Geschäft tätig, wird sie sich künftig mehr um strategische Dinge kümmern. Es ist eine Position im Programm-Management des Konzerns. Während die Familie in Arnstadt wohnen bleibt, ist sie werktags in der Niederlassung im baden-württembergischen Ketsch tätig. Sie ist verantwortlich für eine Produktlinie, bei der sie mehr als ein halbes Dutzend Werke weltweit koordinieren muss. "Ich habe da eine globale Verantwortung, und das ist etwas, was ich mir gewünscht habe." Wie es weiter gehen wird? "Mein Wunsch wäre schon, irgendwann ins internationale Management einzusteigen - vielleicht auch im Ausland."
In einem technischen Beruf eine derartige Karriere zu machen, war bei Michele Zimmermann keinesfalls vorgezeichnet. In England geboren, kam sie mit neun Jahren nach Deutschland, in die Nähe von Bremen. Nach dem Abitur hatte sie im Grunde genommen keinerlei Vorstellungen, was sie einmal werden sollte. "Eigentlich hatte ich bis dahin nur Reiten und Pferde im Kopf" - eine Leidenschaft, die sie bis heute hat. Eher zufällig und in Ermangelung von Alternativen, fing sie eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin bei Airbus in Bremen an. Zusammen mit mehreren anderen jungen Frauen aus ihrem Ausbildungsjahrgang entschloss sie sich dann in einer Art kollektiver Entscheidungsfindung zum Ingenieurstudium der Produktionstechnik.
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© JackF / Fotolia
Ein komplexes Produkt: Im Werk in Arnstadt werden Kupplungen gefertigt
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Die Unternehmen in Deutschland fordert sie auf, "noch viel intensiver in die Schulen zu gehen, um Kinder und Jugendliche, vor allem auch Mädchen, zu motivieren, sich für technische Berufe zu interessieren". Darüber hinaus sollten viel mehr Lehrer Praktika in Unternehmen absolvieren. "Außerdem kommt es nicht in erster Linie darauf an, den Jugendlichen zu zeigen, was sie alles lernen und studieren können, sondern was sie später damit machen können - was der jeweilige Beruf ganz konkret bedeutet." Ihre Erfahrung zeige immer wieder, vor allem wenn es um Mädchen in technischen Berufen gehe, dass es genauso wichtig ist, Eltern und Großeltern zu informieren, die einen großen Einfluss auf die Berufswahl haben. In ihrer Zeit als Werkleiterin bei BorgWarner hat sie daher regelmäßig Seniorengruppen ins Unternehmen eingeladen.
Herausforderung und Verantwortung
Wann immer es geht, versucht sie jungen Frauen zu vermitteln, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten für Absolventinnen eines technischen Studiums sein können. Von der Spezialistin in der Entwicklung bis zur Generalistin in den Management-Etagen sei für Ingenieurinnen alles möglich. "Zukünftig wird die Frage nicht mehr Mann oder Frau heißen", sagt Michele Zimmermann, "sondern: Wer ist bereit, sich der Herausforderung zu stellen, wer hat Spaß daran, sich mit technischen Dingen auseinanderzusetzen, wer möchte aktiv Verantwortung übernehmen?"
Was der Beruf für sie bedeutet, lässt sich erahnen, als sie mit ihrem Gast das Werk in Arnstadt verlässt: "Irgendwie ist es ein unbeschreibliches Gefühl", sagt sie auch mit etwas Wehmut in der Stimme, "so etwas mit aufgebaut zu haben, und dann auch noch als Frau in der industriellen Männerwelt – das möchte ich niemals missen."
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Top25 Ingenieurinnen
Dr. Michele Zimmermann gehört zu den 25 einflussreichsten Ingenieurinnen, die eine unabhängige Jury im Auftrag des Deutschen Ingenieurinnenbundes ausgezeichnet hat. Die Liste zeigt, wie vielfältig mittlerweile die Arbeitsgebiete von Frauen in der Industrie sind.

