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Mrs. Robotik

Im Porträt: Dipl.-Roboter-Ingenieurin Friederike Dietzel

Zielstrebig und selbstbewusst geht Diplomingenieurin Friederike Dietzel ihren Weg. Offenheit, Köpfchen und vielseitiges Interesse öffneten ihr die Tür zu Bosch und in die Welt – wenn sie auch einen Traum auf Eis legen musste: Einen Roboter bauen, der zum Mars fliegen kann.

Ihre Lieblingsserie „Coupling“ verschaffte ihr den Zugang zur englischen Sprache. Diskussionen über Goethes Faust findet sie spannend. Ein Großteil ihrer Kollegen verwickelt sie allerdings lieber in Gespräche über technische Lösungswege. Auch kein Problem, denn Friederike Dietzel ist Diplomingenieurin im Fachbereich Maschinenbau. Vor einem Jahr schaffte es die 27-Jährige in das Junior Managers Program des weltweit agierenden Technologie- und Dienstleistungsunternehmens Bosch. Eine Frau im Maschinenbau? Für viele ungewöhnlich: „Wenn ich erkläre, was ich mache, höre ich häufig bewundernde Kommentare. Dabei ist das doch nichts Besonderes“, erzählt das Ruhrgebietskind. Aber interessant ist es schon.
Friederike Dietzel heute: auf dem Weg nach ganz oben

„Ich wollte immer Roboter bauen. Am liebsten welche, die zum Mars fliegen können“. Eine Vorstellung, die kurz vor dem Abitur 2001 konkreter werden wollte. Als hervorragende Schülerin standen ihr viele Möglichkeiten offen, sie entschied sich für den Klassiker unter den Ingenieurstudiengängen: Maschinenbau. Vielseitig, technisch und kreativ. Und so wurde das Studentenwohnheim der RWTH Aachen für sechs Jahre ihr Zuhause. Von Beginn an engagierte sie sich nebenbei für den Roboterclub Aachen e.V. Mit weiteren Maschinenbaustudenten entwarf, verwarf, schraubte und tüftelte sie dort regelmäßig an ihrer Vorstellung vom perfekten Roboter, stieß jedoch immer wieder auf Probleme: „Wir wussten damals zum Beispiel noch nicht, dass man keine langen ungeschirmten Kabel verwenden darf, wenn man einen Motor mit einer Pulsweitenmodulation betreibt“. Die Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen war also unumgänglich und kommt der Bosch-Mitarbeiterin heute zugute. Außerdem schaffte sie einige Kommunikationshürden früh aus dem Weg. Ein einfaches Beispiel: „Die E-Techniker rechnen in Zoll, Maschinenbauer in Millimeter. Das muss man wissen.“

Allein unter Männern: Friederike Dietzel mit dem Roboterclub Aachen auf einem Eurobot-Wettkampf

Auf nach Robot-Kingdom

Die Arbeit mit und für den Roboterclub hat das Studium nicht schneller gemacht, aber der Wahl-Stuttgarterin einige Türen geöffnet. Jedes Jahr nahm sie mit dem Verein am internationalen Wettbewerb Eurobot teil, einige Male erfolgreich. Meist war Frankreich der Gastgeber für knapp 2.000 Roboterbegeisterte aus der ganzen Welt. Mit einigen stand sie in engem Kontakt, wodurch Hemmschwellen schnell sanken und der Mut stieg, sich immer weiter in die Technikwelt hinaus zu trauen. Bis nach Japan, dem Robot-Kingdom. Als Praktikantin verschlug es Dietzel während des Studiums für vier Monate ins Land der aufgehenden Sonne, wo sie ein neuartiges Getriebe entwickelte und anschließend einen humanoiden Roboter zusammenbaute – trotz Verständigungsprobleme. „Einer unserer Professoren sagte einmal, die Zeichnung sei die internationale Sprache der Ingenieure“, erinnert sie sich. „Das kann ich nur bestätigen, denn obwohl ich Englisch und die Japaner Japanisch sprachen, montierten wir erfolgreich einen der technisch anspruchvollsten Roboter der Welt.“

Roboterbau
Konzentriert schraubt Friederike Dietzel an einem Roboter für den nächsten Wettkampf
Zukunft gestalten

Das Junior Managers Program der Robert Bosch GmbH in Stuttgart ebnet den Weg frisch gebackener Ingenieure in eine Führungsposition. Die 27-Jährige durchläuft innerhalb von 24 Monaten Stationen in verschiedenen Abteilungen, die sie auf eine spätere Führungsaufgabe vorbereiten. Begonnen hat sie in der zentralen Forschung und Vorausentwicklung. „Ich finde es total faszinierend, wie man als Ingenieurin durch Innovationen und Erfindungen die Zukunft gestalten kann.“ Die direkte Arbeit an Robotern vermisst sie nicht: „Das Wort Roboter war für mich schon immer ein Synonym für neue Technik, und damit beschäftige ich mich auch weiterhin.“ Neben dem Entwickeln neuer Produkte überlegt sie vor allem, wie das Produkt sich später am Markt profiliert. Aktuell beschäftigt sie sich außerdem mit der weltweiten Standardisierung von Fertigungsprozessen. „Das war für mich eine völlig neue Herausforderung. Ich entwickle jetzt Konzepte und arbeite eng mit Kollegen aus Malaysia zusammen, und hatte sogar die Möglichkeit, das Land zu besuchen.“

Zurzeit ist die Maschinenbauerin abermals unterwegs. Das Ziel: Amerika. Sechs Monate wird sie in den USA leben und arbeiten. Die Auslandsstation ist ein integraler Bestandteil des Junior Managers Program. Die Reisen und wechselnden Stationen bereiten Dietzel keine Schwierigkeiten. Im Gegenteil: Sie schätzt das Feedback der Menschen unterschiedlicher Bereiche. „So lerne ich, alle Seiten zu verstehen und unternehmerisch zu handeln.“ Vor allem aber hat sie in den USA wieder die Gelegenheit, innerhalb verschiedener Entwicklungsprojekte Prototypen zu bauen und Versuche durchzuführen. Somit hält das Land für Friederike Dietzel nicht nur unbegrenzte Möglichkeiten, sondern vor allem jede Menge Arbeit und haufenweise Eindrücke bereit.

08.02.2012 | 10:43:13

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