|
|
|
© fotolia / Anthony Gawron
|
Sicherer ist sicher
Im Porträt: Dipl.-Sportingenieurin Juliane Jung
Es muss wohl in der Natur der Deutschen liegen, dass es für ALLES feste Regeln, Gesetze und Normen gibt. Es ist unglaublich, was allein dem Deutschen Institut für Normung (DIN) täglich für Anträge auf den Tisch kommen: Es geht um Fitnessstudios, Golfanlagen, Fahrradbeleuchtungseinrichtungen, Karts oder Mini-Motorbikes. „Sogar die Normen sind genormt“, verrät Sportingenieurin Juliane Jung. Sie gehört seit Februar 2007 zum DIN-Team in Berlin. Genauer gesagt zum Normenausschuss für Sport- und Freizeitgerät, bei denen es vor allem um die Sicherheitsnormung geht. Dabei liegt ihre Leidenschaft eigentlich darin, selbst Sport zu treiben. Ein Widerspruch? Ganz und gar nicht. „Ich habe nach dem Abi gewusst, dass ich etwas mit Sport studieren will. Mathe machte mir auch Spaß. Die Möglichkeiten, beides zu kombinieren, sind allerdings begrenzt“, erfuhr die 25-Jährige. Auf der Suche stieß ein Studienführer sie auf den Studiengang Sport und Technik. „Davon hatte ich noch nie gehört, aber die Informationen darüber sagten mir, dass es das richtige für mich ist!“
|
|
|
Juliane Jung an ihrem Arbeitsplatz im Deutschen Institut für Normung. Die meiste Zeit verbringt sie am PC, wenn sie nicht gerade zu Kollegen in ganz Europa reist
|
Fremdsprachen sind die Norm
Die Entscheidung für die Kombination aus Sport- und Ingenieurwissenschaften führte die gebürtige Erfurterin an die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Fünf Jahre verbrachte sie dort. Bei nur 40 Plätzen jedes Jahr ist der Kontakt zu den Professoren und Studenten eng und die Arbeit in Kleingruppen intensiver. Projekte funktionieren nur, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. „Heute führe ich hauptsächlich nationale und internationale Normungssitzungen durch. Erfahrung im Projektmanagement ist dabei sehr wichtig und ich bin froh, dass ich das Handwerkszeug dafür während verschiedener Projekte innerhalb des Studiums mit auf den Weg bekam.“ Was Jung aber etwas vermisste, waren Fremdsprachen, welche Sie in Eigenregie vertiefte. „Ohne Englisch geht in diesem Beruf gar nichts“, weiß sie ganz besonders seit dem Einstieg beim DIN. „Vielen ist nicht bewusst, dass Fremdsprachenkenntnisse gerade im Ingenieurwesen von großer Bedeutung sind, weil die Arbeit immer internationaler wird.“
Nicht von der Bahn abkommen
Im Berliner Haus der Normung hat die Sportingenieurin ihr eigenes kleines Büro. Von dort bearbeitet sie eigenverantwortlich eingehende Normungsanträge, die in Deutschland jeder Bürger stellen kann. Wenn es dabei um Sport- oder Freizeitgeräte geht, landet er bei Juliane Jung. Vor gut einem Jahr war es zum Beispiel ein Antrag zur Normung von Sommerrodelbahnen. An einem runden Tisch diskutieren alle interessierten Kreise, wie etwa Hersteller, Prüfstellen, Anwender und Verbrauchervertreter, wie die Norm später auszusehen hat. Innerhalb eines Arbeitsdokuments legten sie zum Beispiel Formeln zur Berechnung des Bremsweges und der Bahnauslegung fest. „Die Formeln wurden nicht neu erarbeitet, sondern basieren in diesem Fall auf Berechnungen, die bereits für Achterbahnen zum Tragen kamen“, erklärt Jung. Es fällt in ihre Hand, die aufgestellten Formeln durchzurechnen und zu überprüfen. „Die sind zum Teil sehr lang und kompliziert. Es muss sich nur ein Kommafehler einschleichen, dann sind sie unbrauchbar und führen zu allem, aber nicht zu mehr Sicherheit.“ Der Schwerpunkt Maschinenbau, für den sie sich während des Studiums entschied, kommt ihr dafür zugute. Mathematik gehörte vom ersten Semester an zu den Grundlagen, festigt sich in den jeweiligen Schwerpunkten jedoch unterschiedlich.
|
|
|
Juliane Jung hat ihren Traumberuf gefunden, wenn sie auch nur in der Theorie mit dem Sport zu tun hat
|
Prüfen und prüfen lassen
Der Norm-Entwurf für Sommerrodelbahnen gehört zu einer von 48 Normen und Norm-Entwürfen im Sport- und Freizeitbereich, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden. Das klingt wenig. Hinzu kommen aber bereits bestehende Normen, die alle fünf Jahre auf den aktuellen Stand der Technik hin überprüft werden. Die Technik allein bei Fahrrädern verändert sich laufend. Zurzeit erobern elektromotorisch unterstützte Fahrräder den Markt.
Juliane Jung prüft selbst nicht. Könnte sie aber, denn Sportingenieure sind auch bei Prüfstellen wie dem TÜV gefragt. Dort testen sie Produkte und entscheiden dann, ob diese sicher sind oder angepasst werden müssen. Die Seiten zu wechseln, kommt für die Ingenieurin aber nicht infrage. „Ich komme in meinem Job viel herum, bin regelmäßig im europäischen Ausland unterwegs. Das ist in Summe ein Plus, das ich nicht überall habe.“ Am meisten Spaß bereitet Jung jedoch die Vielseitigkeit ihres Berufs und die Verantwortung, die sie dabei trägt. „Bei uns ist jeder Tag anders. Das mag ich.“


