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Häkeln + Technik = Textilingenieurin
Im Porträt: Dipl.-Textilingenieurin Gabi Schmeer-Lioe
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Schon in der Schule war Gabi Schmeer-Lioe ein Fan der Naturwissenschaften, und eigentlich wäre sie gerne Mathematiklehrerin geworden. Da sie aber keine Lust auf das zweite Studienfach Physik hatte und in ihrer Freizeit lieber die eigene Garderobe schneiderte oder Pullover strickte, kam alles anders als gedacht. Der Zufall kam ihr zur Hilfe als sie erfuhr, dass es an der Fachhochschule Reutlingen einen Studiengang namens „Textilingenieurwesen“ gibt.
1979 an dieser Fachhochschule endlich eingeschrieben, durfte die gebürtige Saarbrückerin dann erstmal in einem Praxissemester erproben, ob dieser Beruf denn wirklich was für sie war: „Mein erstes Praktikum machte ich in einer Weberei für hochwertige Wolldecken. Ich fand es total spannend, meine Leidenschaft für Textilien mit der Begeisterung für Technik verbinden zu können“, erinnert sich die Ingenieurin. Obwohl das Grundstudium trockene, naturwissenschaftliche Theorie wie in der Oberstufe enthielt, gab Schmeer-Lioe nicht auf. Ab dem vierten Semester wurde es dann spannender: Textiltechnologien wie Weben, Stricken, Spinnen und Konfektionieren standen fortan auf dem Plan. Ihr Diplom erarbeitete sich die zukünftige Textilingenieurin dann schließlich durch praktische Untersuchungen an Webmaschinen. Auf Anraten ihres damaligen Professors landete sie schließlich in Denkendorf.
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Die Natur im Visier
Heute leitet sie öffentliche Forschungsprojekte, aber auch diverse industriell unterstützte Entwicklungsarbeiten. „Der Beruf wird nie langweilig“, schwärmt die heute 50-Jährige, „auch wenn wir viele administrative Arbeiten durchführen, so sind wir doch in erster Linie Erfinder.“ Folgerichtig forschte Schmeer-Lioe kürzlich noch an Schlafzimmertextilien mit Abschirmwirkung gegen Elektrosmog. Dank feinster Silberfäden zwischen den Fasern, können viele, auf Strahlungen sensibel reagierende Menschen, heute ruhiger schlafen: „Spannend sind bei den Projekten immer die Randgebiete – so wie in diesem Fall die ergänzenden Studien im Schlaflabor“. Noch abenteuerlicher geht es in der Bionik zu, einem weiteren interessanten Aspekt der textiltechnischen Arbeit. Hier lassen sich Ingenieure zusammen mit Biologen von der Natur inspirieren: In diesem Sinne entwickelt man derzeit in Denkendorf nach Vorbild des Eisbärfells Systeme zur transparenten Wärmedämmung. Farblose, hohlfaserähnliche Haare bilden isolierte Luftpolster im dichten Fell des arktischen Bären und leiten einfallendes Licht optimal an die schwarze Haut weiter, auf der dann Wärmeenergie erzeugt wird. Da die meisten heute genutzten Wärmedämmsysteme und Absorber inflexibel und spröde sind, bieten textile, also formbare Materialien, hier einen großen praktischen Nutzen. „Unsere Aufgabe hierbei ist es zum Beispiel, das Haar eines Eisbären in Form einer Textilfaser nachzubilden“, erklärt Diplomingenieurin Gabi Schmeer-Lioe.
Wer sich also auch schon mal Gedanken darüber gemacht hat, die Wunder der Natur technisch nutzbar zu machen und eventuell sogar mit Mode in Verbindung zu bringen, ist in diesem Bereich der Ingenieurwissenschaften goldrichtig.


