|
|
|
© Fotolia
|
Mitten im Hochdruckgebiet
Im Porträt: Diplomingenieurin für Verlagsherstellung Franziska Knolle
|
|
|
© Franziska Knolle
Die handwerkliche Arbeit liegt Franziska Knolle am Herzen. Hier bereitet sie die Präsentation eines neuen Buchlayouts vor.
|
Franziska Knolle stand nach dem Abitur vor einem Problem: Etwas Kreatives wollte sie machen, das frische Ideen verlangt. Idee 1: Medien- und Kulturwissenschaften. Irgendwie war ihr dies aber zu theoretisch und die Hörsäle zu voll. Geduldig suchte sie weiter und stieß auf Idee 2: den Studiengang Polygrafische Technik der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig. Damit stand das berufliche Ziel fest: Ingenieurin für Verlagsherstellung.
Im Grundstudium kämpfte sie dann aber gegen die Zweifel an, die falsche Wahl getroffen zu haben. „Anfangs wurden die üblichen Grundlagen für das Ingenieurwesen gelegt, und ich bin ehrlich – diese theorielastigen Facetten des Berufes interessieren mich nur bedingt.“ Dennoch bestimmten Mathe, Physik, Chemie und Informatik ihre ersten Semester. Dann endlich ging es weiter in Richtung Verlagswesen. Kurse über Druck- und Bedruckstoff-
verarbeitung sowie Satztechnik standen auf dem Lehrplan und sagten ihr weitaus mehr zu, sodass sie den gestalterischen Bereich zum Schwerpunkt des Studiums machte. „Auf die Fächer Layout, Entwurf und Typografie habe ich ja von Anfang an gewartet. Auch die Einblicke in Marketing, Management und Unternehmensprozesse haben mir geholfen, mich schnell im Beruf zurechtzufinden.“
1999 war der Studiengang noch nicht ausreichend auf die neuen Medien eingestellt. Für die Studierenden war es demnach unabdingbar, sich in ihrer Freizeit mit Softwareprogrammen und digitalen Technologien vertraut zu machen. Diese Kenntnisse sind heute Voraussetzung für den Beruf. „In den vergangenen Jahren hat sich einiges verändert. Vor allem die Parallelen zum Mediengestalter werden größer und erhöhen so den Konkurrenzdruck untereinander.“
|
|
|
© Franziska Knolle
Mithilfe von Projektmanagementsoftware behält Franziska Knolle den Überblick über die Heft- und Terminplanung.
|
Perfekt organisiert
Franziska Knolle arbeitet unter anderem mit dem Mainzer Kirchheim-Verlag zusammen, in dem das breite Spektrum ihres Studiums Verwendung findet. „Ich bilde dort die Schnittstelle zwischen Redaktion und Druckerei“, erklärt die 29-Jährige. Klingt einfach, doch da sie mehrere unterschiedliche Prozesse verantwortet, ist jede Menge Koordination gefragt. „Nehmen wir beispielsweise einen Roman. Sobald der Autor sein Manuskript eingereicht hat, durchläuft dieses mehrere Stufen, über die ich den Überblick behalten muss.“ So macht sie sich zunächst Gedanken über Format, Papier, Auflagenhöhe und Druckart. Dazu holt die Verlagsherstellerin Angebote bei externen Dienstleistern ein. Mit der Marketingabteilung bespricht sie ihre Vorstellung vom Umfang des Buches, damit der kalkulierte Ladenpreis auch wirtschaftlich ist. Der Vertrieb wiederum hilft Franziska Knolle bei der Covergestaltung, damit sich der Roman auch optisch gegen eine Vielzahl von Konkurrenzprodukten behauptet.
„Außerdem beauftrage ich Grafiker oder Illustratoren, die Bilder und Zeichnungen erstellen. Buchgestaltung und Layout nehme ich auch mal selbst in die Hand. Ebenso wie Korrekturen, Qualitätskontrollen und Druckabnahme.“ Die Zeit darf sie dabei nie außer Acht lassen, denn wenn ein Drucktermin steht, müssen alle Vorbereitungen pünktlich abgeschlossen sein. Die Arbeit der Verlagsherstellerin endet, sobald der Versand das Buch übernimmt. Ein langer Weg, der Selbstdisziplin und Organisationstalent verlangt. „Verlagshersteller stehen extrem unter Druck, damit muss man umgehen können. Gibt es an einer Stelle Verzögerungen, schrumpft das Zeitfenster für alle weiteren Schritte, die ich dann neu koordinieren muss.“
|
|
|
© Franziska Knolle
Terminabsprachen mit der Redaktion und Layoutabsprachen müssen akribisch dokumentiert werden – sonst droht Chaos
|
Seitenwechsel
Franziska Knolle trägt gerne eine hohe Verantwortung. Gleichzeitig schätzt sie die Abwechslung des Berufs und die enge Zusammenarbeit mit sehr unterschiedlichen Menschen. Trotzdem sieht sie die Arbeit im Verlag kritisch: „Vieles hängt von der Zuverlässigkeit anderer ab. Außerdem bin ich in der Wahl meiner Arbeitsplätze nicht sehr flexibel, denn die Verlagslandschaft ist überschaubar und konzentriert sich auf bestimmte Regionen wie Hamburg oder Berlin“, erklärt sie. Vor drei Jahren schaffte sie sich deswegen ein zweites Standbein. Als selbstständige Anwendungsberaterin schult die 29-Jährige Mitarbeiter in Unternehmen und Redaktionen im Umgang mit Redaktionssystemen. Die Schulungen finden im Unternehmen statt, die fortgeschrittene Technik ermöglicht es ihr aber auch, von zu Hause zu arbeiten. „In die Verlagssysteme kann ich mich von meinem Rechner einwählen und bin jederzeit über alles informiert. So muss ich nicht mehr ständig vor Ort sein.“ Und doch richtet sich ihre komplette Freizeit und jeder Tag Urlaub danach, wann der Roman, die Zeitschrift oder Broschüre auf den Weg geschickt wird. Bei so viel Nähe zum Buch erscheint es kaum noch verwunderlich, dass die Ingenieurin, wenn sie abends entspannt auf der Couch liegt, am liebsten genau danach greift.


