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Zeit für Plan B

Wenn die zweite Wahl die richtige ist

Da heißt es genau hinsehen, um böse Überraschungen zu vermeiden: Stefanie Freye wiegt Blondierpulver ab.

Überbelegte Hörsäle kennt Stefanie Freye nicht. Wie auch: Gerade einmal 16 Kommilitonen bestritten mit ihr gemeinsam den Studiengang Technologie der Kosmetika und Waschmittel (TKW) des Fachbereiches Life Science Technologies. „Im ersten Moment fragt man sich schon, warum dieses Studium so unbeliebt ist“, erzählt die Ingenieurin. Aber das war gar nicht das Problem: Die Fachrichtung scheint so ungewöhnlich und fremd zu sein, dass die meisten Abiturienten einfach nicht wissen, dass es sie gibt. Auch die 27-jährige Wahl-Hamburgerin stieß nur durch großen Zufall darauf. Als frischgebackene Abiturientin sollte es direkt ins Medizinstudium gehen. War aber nicht so.

Keine Haarspalterei: Bei der Entwicklung von Haarprodukten ist neben Teamwork eine Menge Wissen aus Chemie und Technik gefragt. Stefanie Freye eignete sich die Kenntnisse im Studiengang Technologie der Kosmetika und Waschmittel an.

Zu hoher NC und sechs Wartesemester ließen Plan B in Kraft treten: Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin (MTA). Freye nutzte die Ausbildung, um medizinische Eindrücke zu sammeln, doch der Beruf war nicht der richtige. Beim Stöbern in einem Studienführer schlug dann ein positives Bauchgefühl Alarm, denn es gab etwas, das vollkommen ihren Interessen entsprach: Der deutschlandweit einzige Bachelor-Studiengang Technologie der Kosmetika und Waschmittel (TKW) an der Hochschule Ostwestfalen Lippe. Heute ist sie bei Henkel in der Basisentwicklung Haarpflege tätig und schreibt in Kooperation mit der University of Manchester an ihrer Doktorarbeit. Wie der Zufall so will...

Wenn der Ehrgeiz siegt

Ohne Teamwork geht es nicht. Stefanie Freye (links) bespricht gemeinsam mit Kollegin Katharina Redeke die Testergebnisse

Stefanie Freye, Technologin der Kosmetika und Waschmittel, hat große Ziele: Nach der Doktorarbeit will sie hoch hinaus. Am liebsten in eine führende Position in der Kosmetikindustrie.

Was hat Sie am Studiengang Technologie der Kosmetika und Waschmittel besonders überzeugt?

Es ist sehr chemieorientiert, genau was mich interessiert. Neben naturwissenschaftlichen Fächern wie allgemeiner, organischer oder Biochemie, Physik und Mathe stehen auch andere Fächer wie Verfahrenstechnik, Mikrobiologie und Präparate- und Wirkstofftechnik auf dem Stundenplan. Der Mix aus allem überzeugte mich sofort.

Klingt sehr theoretisch. Haben Sie denn auch praktisch gearbeitet?

Ja, das gehört dazu. Die Hochschule Ostwestfalen Lippe bot dafür alles Notwendige an. Wir hatten verschiedene Labore mit allem, was man braucht, um Grundlagen zu erlernen.

Damit die Haare nach dem Waschen besonders schön glänzen, entwickelt Stefanie Freye kleine Testmengen eines Shampoos
Die da wären?

Bei der Kosmetikaherstellung lernten wir z.B. welche Substanzen in welchem Verhältnis gemischt werden, um beispielsweise ein Shampoo oder eine Creme herzustellen.

Nun sind Sie im Unternehmen Henkel in der Basisentwicklung tätig und schreiben hauptsächlich an ihrer Doktorarbeit. Bekommen Sie so überhaupt den Alltag richtig mit?

Priorität hat natürlich die Promotion. Aber ich lerne auch Abläufe im Unternehmen kennen und bin im Labor praktisch tätig.

Und nach beendeter Promotion?

... wünsche ich mir eine Führungsposition in der Kosmetikindustrie.

Kosmetik-Ingenieurin: Studium und Berufseinstieg

Der Studiengang Technologie der Kosmetika und Waschmittel (TKW) ist ein möglicher Weg in die Kosmetikbranche

21.02.2012 | 14:05:13

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