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Porträt einer Maschinenbaustudentin

Christine Blesinger studiert im zehnten Semester Maschinenbau in der Vertiefungsrichtung Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen. Dies ist ein Ausschnitt aus dem Studiprofil der 24-Jährigen.
Was war der Grund, die Hochschule auszuwählen, an der du heute studierst?
Neben der RWTH Aachen habe ich mich für die TU München, die TU Darmstadt und die TU Karlsruhe interessiert, die alle einen hervorragenden Ruf im Maschinenbau genießen. Der ausschlaggebende Grund für die RWTH Aachen war, dass sie 2005 noch Maschinenbau als Diplomstudiengang angeboten hat und keine Auswahlverfahren und keinen NC auf Maschinenbau hatte, sondern ich mich mit Praktikum einfach einschreiben konnte. Leider hat der Maschinenbau in Aachen heute einen Orts-NC.

Welches war für dich bisher das herausragende Seminar/Ereignis/Projekt an deiner Hochschule?
Aus fachlicher Sicht würde ich sagen „Chemical Product Design“ oder „Ausgewählte Gebiete der Mechanischen Verfahrenstechnik“. Beide Veranstaltungen hatten zwar einen Vorlesungsteil, aber das Hauptaugenmerk lag auf unserer selbstständigen Arbeit. Es wurden Präsentationen vorbereitet, Berichte geschrieben, Produkte entwickelt und vorgestellt, bei „Chemical Product Design“ im Team und bei „Ausgewählten Gebieten der Mechanischen Verfahrenstechnik“ alleine oder zu zweit. Ein halbes Jahr konsequent an einem Projekt zu arbeiten und es zu dokumentieren, und dabei Gelerntes anzuwenden war sehr spannend und noch mal ganz anders als beispielsweise eine Studienarbeit.
Aus persönlicher Sicht war das herausragende Projekt an meiner Hochschule der Wettbewerb „Exzellente Hochschullehre“. Als Gruppensprecherin der studentischen Mitglieder des Senats hatte ich die Möglichkeit in der Arbeitsgruppe mitzuarbeiten, die den Antrag der RWTH Aachen erarbeitet, ausformuliert und in Berlin vorgestellt hat. Ich habe die gleichberechtigte Zusammenarbeit mit unseren Profs, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Verwaltungsangestellten sehr genossen. Die Präsentation in Berlin beispielsweise haben Prof. Nacken (Studiendekan der Bauingenieure), Prof. Schmachtenberg (unser Rektor) und ich gemeinsam gehalten, nachdem vorher die Details demokratisch mit allen Arbeitsgruppenmitgliedern abgestimmt wurden. Der krönende Erfolg war, dass unser Konzept vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz ausgezeichnet wurde.

Wann stand für dich fest, dass du Ingenieurin werden willst?
Nach meinem Schülerpraktikum in der 11. Klasse, als ich unbedingt Physikerin werden wollte, aber die Abteilung im Forschungsinstitut, wo ich das Schülerpraktikum absolviert habe, geschlossen wurde. Ich habe gedacht, wenn ich mit Physik irgendwo in der Industrie lande, kann ich auch gleich mit dem Studium beeinflussen, wohin die Reise geht. Und dann stand ganz schnell fest, dass mich nach Physik Maschinenbau mit Abstand am meisten interessiert. Dass ich jetzt Maschinenbau und nicht Physik studiere, bedaure ich nicht.

Was war ausschlaggebend, dass du dich für ein Ingenieurstudium dieser speziellen Fachrichtung entschieden hast?
Am Maschinenbau in Aachen hat mich die Vielseitigkeit fasziniert. Es gibt hier Luft- und Raumfahrttechnik, wovon bestimmt jeder schon Mal geträumt hat, Verkehrstechnik, Verfahrenstechnik, Produktionstechnik, Kunststoff- und Textiltechnik und noch viel mehr. Das eigene Auto bauen zu können oder die Raffinerie, aus der hinterher Benzin kommt, das hat doch was!

Wo lagen die größten Schwierigkeiten zu Beginn deines Studiums?
Große Schwierigkeiten hatte ich damit, Übungen zu machen, obwohl keiner kontrolliert, ob sie gemacht sind oder nicht. Ich war im Abi auch eher ein Mensch, der alleine lernt. Und ich stelle regelmäßig fest, dass die Prüfungsvorbereitung nie so intensiv ist wie in den letzten Tagen vor der Klausur. Insbesondere im ersten Semester war die Verlockung nicht die ganze Zeit zu lernen, sondern auch häufiger mal im Internet zu surfen, wegzugehen etc. sehr groß. Dann kommt dazu, dass man keine festen Termine hat und der Tagesrythmus etwas durcheinander gerät. Der Spruch, ein Student in Aachen steht um 19.30 Uhr auf, weil um 20 Uhr der Supermarkt zu macht, kommt nicht von ungefähr.

Wie und wodurch hast du diese Probleme gemeistert?
Ich habe zusammen mit Freunden in Lerngruppen gelernt und abends sind wir zusammen weggegangen. Wir hatten feste Uhrzeiten fürs Mittagessen und fürs Lernen und wenn man dann doch für eine Klausur besonders früh aufstehen muss, habe ich mir mehrere Wecker gestellt und Freunde gebeten mich anzurufen. Insgesamt war es eher eine Frage der Selbstdisziplin.

Studiert man eher gemeinsam mit anderen Kommilitonen oder kocht letztlich doch jeder sein eigenes Süppchen?
Ich glaube, das ist eine Besonderheit der Ingenieure. Es gibt zwar in einem gewissen Maße Konkurrenzdenken. Klar möchte jeder die guten Noten haben, aber das ist noch lange kein Grund, anderen Informationen vorzuenthalten. Ganz im Gegenteil, die meisten Leute, die erfolgreich durch das Studium kommen, haben sich in mehr oder weniger stark organisierten Lerngruppen organisiert. Die Lerngruppe kann auch von Fach zu Fach schon mal wechseln, hilft aber auf jeden Fall. Ein Dozent hat mal gesagt, man sollte mit gleich guten Leuten lernen. Das würde ich so nicht unterstreichen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jemand, der ein Thema schon einigermaßen beherrscht, erst merkt, wo er selbst noch Fragen und Lücken hat, wenn er es jemandem erklärt.

Wie wichtig sind in deinem Studienfach Fremdsprachenkenntnisse, Auslandsaufenthalte und Praktika?
Fremdsprachenkenntnisse, in meinem Fall Englisch, habe ich während des Studiums nur in zwei Fächern gebraucht. Ich glaube aber, dass sie aus dem Maschinenbau als Berufsbild nicht wegzudenken sind. Spätestens während der Abschlussarbeit wird man auf englischsprachige Publikationen treffen. Auch später sind viele Unternehmen international aufgestellt. Da sind Fremdsprachenkenntnisse unerlässlich und Auslandsaufenthalte auch nicht zu verachten, aber nicht ganz so wichtig. Das sagt eher etwas über die Persönlichkeitsbildung, Neugier etc. aus.

Wie sieht das Studentenleben heute aus? „Lange schlafen“, Party-Programm und Freiheit zu jeder Zeit? Oder ist das ein Klischee von gestern?
Das kommt drauf an. Nach einer Klausur oder guten Klausurergebnissen gehen wir auf jeden Fall feiern. Auch die ersten zwei Wochen des Semesters bieten sich in Aachen zum Feiern an, mit Ersti-Party, Shuttle-Party, Semesteranfangsparty und was sonst noch dazu gehört. Karneval in Aachen wird da schon schwieriger, weil die Klausuren Höhere Mathematik oder Wärme- und Stoffübertragung häufig mitten in dieser Zeit liegen. Die letzen Klausurphasen sahen eher so aus, dass ich morgens gegen 10 angefangen habe zu lernen, irgendwann eine Stunde Mittagspause gemacht habe, abends vom Lernraum nach Hause bin und dann je nach Fach, Motivation und Semester bis 24 Uhr weitergelernt habe. Das Klischee vom Studentenleben als großer Party stimmt im Maschinebau wie ich ihn kenne nicht. Aber zu sagen, dass wir keinen Spaß hätten, ist auch falsch. Ein Geburtstag im Freundeskreis ist beispielsweise ein guter Grund, abends auch Mal um 18 Uhr mit dem Lernen aufzuhören und am nächsten Tag etwas später aufzustehen.

Was machst du in den Semesterferien?
In Aachen gibt es keine Semesterferien im Sinne des Wortes Schulferien. Wir haben vorlesungsfreie Zeit. In dieser Zeit finden unsere Klausuren statt und wenn man es mit dem Studium etwas eiliger hat, macht man in dieser Zeit auch Praktika etc., da die Klausuren stochastisch über die vorlesungsfreie Zeit verteilt sind, hat man höchstens Mal zwei Wochen am Stück Ruhe. Aber insbesondere bei Fächern wie Thermodynamik, Maschinengestaltung 2 und 3, Mechanik, Mess- und Regelungstechnik, Strömungslehre und Wärme- und Stoffübertragung sollte man darüber nachdenken, vielleicht doch lieber früher als später mit dem Lernen anzufangen.

Denke mal ganz fiktional! Welche nicht für möglich gehaltene Technik- oder Ingenieurleistung wird uns die Zukunft wohl noch bringen?
Irgendwann kommt bestimmt Benzin aus CO2 als Speicher für Lichtenergie. Brennstoffzellen, E-Motoren und Stromspeicher sowie regenerative Energien sind ja heute schon auf dem Vormarsch.

18.05.2013 | 15:10:57

Maschinenbauingenieur/in • Maschinenbau

Thema: Tragvorrichtung für große Lasten/kleine Aufnahmepunkte

Text: Hallo zusammen, Zuerst ein paar Fakten: Wir (4 Maschinenbaustudenten) müssen im Rahmen einer konstruktiven Projektarbeit eine Vorrichtung bauen, bei...

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