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Einfach mal abschalten!

Mit dem internationalen Wettbewerb „Innovative Technologien bewegen Europa“ lernen acht Elftklässler der Heinrich-Böll-Gesamtschule Oberhausen, wie Unternehmen ticken.
ITEB
Grafiken, die für Durchblick sorgen: Harun Gümüs und Lisa Neuwirth klären das Publikum über Energiespitzen und ihre Folgen auf

An der Heinrich-Böll-Gesamtschule pfeift Physiklehrer Thomas Bujack auf den Lehrplan. Er hat seine eigenen Vorstellungen davon, was er den Schülern mit auf den Lebensweg geben will. Seine Idee: „Wir spielen Unternehmen. Das besteht aus einer Managementabteilung, jeweils einer für Soft- und Hardwaresysteme und einer Forschungsabteilung“, erklärt der 52-Jährige. Der Name der Firma: e-off, das Pendant zum ähnlich klingenden Energielieferanten.

Acht Elftklässler haben sich dafür zusammengefunden, in Zweierteams aufgeteilt und lernen so die Kommunikationsstrukturen eines Unternehmens kennen. Warum das während des Physikunterrichts passiert, hat einen besonderen Hintergrund: Mit dieser eigenwilligen Strategie rechnen sich die Oberhausener gute Erfolgschancen beim internationalen Technikwettbewerb „Innovative Technologien bewegen Europa“ (ITBE) aus. 16 weitere Teams wollen die Nachwuchstechniker hinter sich lassen, um am Ende selbst auf dem Siegertreppchen zu stehen. „Bis dahin kommt aber noch einiges auf uns zu“, weiß Bujack aus Erfahrung.

ITEB
Leonard Laux ist Teil des Forschungsteams und erkundet die Temperaturverläufe in Kühlgeräten

Die These
Das Oberhausener Team ließ sich von folgendem Szenario inspirieren: Der Wecker bricht mindestens fünf Mal die Woche gnadenlos den Schlaf. Kaffee soll dafür sorgen, halbwegs fit in den Tag zu starten. Also: Kaffeemaschine an, um sich mit ausreichend Koffein zu versorgen. Millionen Menschen aber haben dasselbe Verlangen zur selben Zeit. Deswegen erreicht der Strompreis am Morgen eine sogenannte Energiespitze und ist höher als in der Nacht oder am späten Vormittag. Grund für e-off, Lösungen für dieses Problem zu suchen.

Dazu hat das Forschungsteam (Leonard Laux und Benedikt Hüttemann) Temperaturmessungen an Kühlschränken vorgenommen. Laux: „Wenn die Strompreise steigen, weil der Bedarf hoch ist, kann an anderer Stelle Strom eingespart werden. Zum Beispiel, indem der Kühlschrank ausgeschaltet wird.“ Das ist zumindest die These, an der die Jungs derzeit arbeiten. Ob aber ein Kühlgerät ausgeschaltet werden kann, ohne dass die Lebensmittel leiden, zeigen Temperaturverläufe. Die standen bereits unter Beobachtung der 16-Jährigen, die sich außerdem mit Energiezählern und den Leitungen in einem Kühlgerät auseinandersetzten. Im nächsten Schritt errechnen sie, wie viel Energie eingespart werden kann, wenn das Gerät sich für einen gewissen Zeitraum abschaltet. „Wenn wir Pech haben, rechnet sich unser Projekt gar nicht. Dann muss uns schnell etwas Neues einfallen“, erklärt Laux. Aber zu diesem Zeitpunkt ist noch alles offen.

ITEB
Das Team „e-off“: Dipl. Ing. Thomas Bujack (52), Leonard Laux (17), Harun Gümüs (16), Marc Dittebrand (17), Dominik Dawiedeit (16), Lisa Neuwirth (16), Sabrina Brockmann (17), Enzo Meriwa (17)

Steuerungs-Software
Thomas Bujack nutzt den Wettbewerb, um seinem Kurs noch einmal etwas Besonderes zu bieten. Da es im kommenden Schuljahr keinen Physikkurs mehr geben wird, muss der Lehrer auf keine Oberstufenlehrpläne Rücksicht nehmen. Und da die Schule schon einmal ein Team bei ITBE ins Rennen schickte, möchte er seinen jetzigen Schülern die positiven Erfahrungen nicht vorenthalten. Die Auftaktveranstaltung im Dezember gehörte sicherlich dazu, denn die Einsicht, dass „alle anderen auch nur mit Wasser kochen“ motivierte das achtköpfige Team.

Derzeit entwickeln die Elftklässler eine Software, die den Verbrauchern auf einer Internetseite anzeigt, zu welchem Zeitpunkt der Strom teuer ist, sodass sie einzelne Elektrogeräte abstellen können. Wenn sich Energiespitzen jedoch voraussehen lassen, soll dies automatisch geschehen. Dafür experimentieren die sechs Jungs und zwei Mädels mit fs-20-Steckdosen, die den Energieverbrauch regeln. Bei so viel Ideenreichtum und Einsatz bleibt zu hoffen, dass statt der anderen Teams nicht die Zeit zum größten Gegner wird.

08.02.2012 | 10:43:13

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