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ExpertenCHAT
think ING.- ExpertenCHAT zum Thema Zukunftsaussichten für Ingenieure in der Energiebranche am Dienstag, 20. Juli 2010
Herzlich Willkommen im think ING.-ExpertenCHAT.

Das aktuelle Wissenschaftsjahr befasst sich mit dem Thema "Zukunft der Energie". Doch was bietet die Energiebranche für die Karriere junger Ingenieurinnen und Ingenieure? Gibt es bevorzugte Fachrichtungen für den Bereich Energie und welcher Abschluss ist ratsam?

Dr. Björn Krämer, verantwortlich bei der RWE Power AG für die akademische Nachwuchssicherung, beantwortet Fragen rund um das Thema Berufseinstieg in der Energiebranche.

Dies ist ein moderierter Chat, think ING. behält sich vor, Fragen auszuwählen, zu verändern und zu veröffentlichen.

Moderator: Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, herzlich willkommen zum think ING. ExpertenCHAT. Wir eröffnen um 16 Uhr diese Chatrunde. Ganz herzlich begrüßen wir heute unseren Experten Dr. Björn Krämer, der Fragen rund um die Energiebranche beantwortet.

BKraemer: Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ich freue mich sehr auf den Chat mit Ihnen und bin gespannt auf Ihre Fragen rund um den Berufseinstieg in der Energiewirtschaft.

Moderator: Zu Beginn eine Frage, die Andreas vorab über die Website unter
www.think-ing.de/expertenchat gestellt hat:

Moderator: Wo bzw. für welche Stelle sollte man sich in der Energiebranche bewerben, wenn man bald seinen Bachelorabschluss hat? Vom Gefühl her wäre mir etwas lieb, wo man einen breiten Einblick in die Branche erhält und vielleicht später ein viel spezielleres Themengebiet übernimmt.

BKraemer: Letztlich wird zumindest bei RWE in den Ausschreibungen in der Regel nicht zwischen verschiedenen Abschlüssen differenziert. Die sehr generalistisch angelegten Stellen sind aber oft auch die sehr beliebten, so dass es hier einige Konkurrenz gibt. Oft werde diese Stellen dann eher an Masterabsolventen vergeben, auch wenn Bachelorstudierende hier Chancen haben.

MPE: Guten Tag Herr Krämer, meine Frage: Wie kann man sich die Vertriebsarbeit als Ingenieur bei RWE Power bzw. RWE Innogy vorstellen?

BKraemer: Bei RWE Power gibt es nach meinem Wissen nur sehr wenig Vertriebsarbeit. Bei der RWE Innogy gibt es zum Beispiel die Aufgabe im Bereich Biomasse für das Unternehmen zu werben, um auf dem engen Markt für Biomasse diese überhaupt zu bekommen. Die hauptsächlichen Vertriebsaufgaben liegen aber bei der RWE Vertrieb und den Regionalgesellschaften (z.B. SÜWAG).

Pikachu: : Hallo. Kann man eigentlich auch in einem AKW sein Praktikum vor Studienbeginn machen?

BKraemer: Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher. Das Grundpraktikum ist im besten Fall auch angeschlossen an eine Ausbildungswerkstatt. Ob alle unsere Kraftwerksstandorte eine Ausbildungswerkstatt haben, um das auch wirklich leisten zu können, müsste ich in Erfahrung bringen. Sie können mir gerne eine Email zu diesem Thema im Anschluss an den Chat senden, damit ich die Antwort auf diese Frage recherchieren kann.

BKraemer: Ein Schnupperpraktikum ist aber sicher auch vor Studienbeginn in einem AKW möglich nach einer Bewerbung dafür.

Moderator: Spezielle Nachfragen zum Chat können im think ING. Forum gestellt werden
Lulu19: Welche Absolventen sind bei Energienkonzernen besonders gefragt?

BKraemer: Hier geht es RWE wie vermutlich auch den anderen Konzernen nicht anders, wie vielen anderen technisch geprägten Unternehmen. Wir haben vor allem Rekrutierungsengpässe im Bereich der Ingenieurwissenschaften. Hier sind es klassisch vor allem die Maschinenbauer und Elektrotechniker, die wir suchen.

grillpit: Guten Tag Herr Krämer, meine Frage: Wie sind die Entwicklungs- bzw. Einstellungschancen bei RWE nach der Promotion, wenn diese an der Uni erfolgte?

BKraemer: In der F&E ist eine Promotion ein wirklicher Vorteil. Hier hat sich in den anderen Bereichen nach meiner Einschätzung die Situation in den letzten Jahren etwas geändert. Früher war es noch ein gewisses Plus mit einer Promotion zu starten als formaler Titel. Mittlerweile zählen deutlich stärker die reinen Leistungen, auch in unseren Beurteilungssystemen. Man kann bei uns auch ins Top-Management kommen, ohne einen Doktortitel.

MPE: Wie kann man sich das Mentorenprogramm von RWE Power Engineers vorstellen? Wie viel Zeit nimmt sich der Mentor für einen Power Engineer?

BKraemer: Das ist sowohl vom Mentor als auch vom Mentee abhängig. Jede mentorielle Beziehung ist einzigartig. In der Regel wird gemeinsam abgestimmt, was beide Seiten jeweils wollen. Als Minimalanforderung sehen wir aber in rund 4 Treffen im Jahr. Das liegt aber in vielen Fällen, auch durch die Einbindung in Projekte, darüber.

Heinrich: Gibt es bei RWE auch Nebentätigkeits-Möglichkeiten für mich als älteren, langjährig berufserfahrenen Ingenieur? (Dr.-Ing.; ...z.B. in der Entwicklung, für CFD-Studien o.ä.)

BKraemer: Bei Nebentätigkeiten bin ich mir nicht sicher, wie das Format aussehen sollte. Für Studierende gibt es die Möglichkeit, in den Semesterferien aktiv zu werden. Ansonsten gibt es auch einzelne Stellen, die in Teilzeit bewältigt werden können. Darüber hinaus arbeiten wir mit verschiedenen Beratern zusammen.

michael_v: Sehr geehrter Herr Dr. Krämer, ich interessiere mich (langfristig) sehr für das Portfoliomanagement. Können Sie mir sagen, was für Qualifikationen von RWE erwartet werden bzw. gern gesehen werden, um hier einsteigen zu können? In welchen Bereichen sollte man möglichst vorher tätig gewesen sein?

BKraemer: Eine Ausbildung als Wirtschaftsingenieur wäre hier meines Wissens nach eine gute Ausrichtung mit einigen Kenntnissen im Bereich des Maschinenbaus mit einem Fokus auf die Energietechnik. Es gibt hier Möglichkeiten, auch als Hochschulabsolvent einzusteigen. Allerdings sind vorherige Erfahrungen sowohl stärker in Abteilungen rund um die Unternehmensstrategie als auch in operativeren Kraftwerksbereichen sicher hilfreich.

Odysseus: Was sollte/könnte man studieren, wenn man sich für alternative Energien interessiert?

BKraemer: Grundsätzlich stellt zumindest RWE im Moment eher generalistisch ein. Die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich bei RWE in der Regel sehr wohl, was unsere relativ geringe Fluktuation zeigt. Daher ist es nicht wahrscheinlich, sein ganzes Berufsleben an einer Stelle zu verbringen. Daher ist auch hier eine allgemeinere Ausrichtung im Maschinenbau und in der Elektrotechnik interessant. Einige sehr spezialisierte Studienrichtung im Bereich der regenerativen Energien sind natürlich auch sehr spannend. Trotzdem ist gerade beim Einstieg für viele Fachabteilungen auch zukünftig Breite ein deutliches Plus.

Lux: Ich überlege Maschinenbau zu studieren. Ist es sinnvoll, wenn man sich für erneuerbare Energien interessiert?

BKraemer: Der Maschinenbau ist hier eine sehr passende Richtung. Sowohl bei den zukünftig sehr zahlreichen Windparks, im Bereich der Biomasse oder auch in den anderen Richtungen gibt es Anlagentechnik, die es zu betreuen oder weiterzuentwickeln gilt. Da ist man als Maschinenbauer mit einer entsprechenden Ausrichtung gut aufgestellt. Allerdings ist eine Ausrichtung auf klassische Produktionstechnik oder den Automobilbau dann wiederum selbst als Maschinenbauer keine optimale Ausgangsbedingung.

Moderator: Auch Michael.81 kann heute nicht dabei sein und hat das Fragenformular genutzt, um folgende Frage zu stellen:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich begeistere mich für die Kerntechnische Energiebranche. Speziell interessiert mich (Absolvent) der Beruf eines Schichtleiters im KKW. Da der Atomausstieg in Deutschland politisch beschlossen ist, würde ich gerne wissen, wie die Zukunftsaussichten für diesen Beruf national sowie international aussehen?

BKraemer: Hier gibt es unterschiedliche zukünftige Richtungen. Aktuell wird eine Laufzeitverlängerung diskutiert. Der Umfang dieser Verlängerung hat natürlich einen Einfluss auf die Zukunftsaussichten im Inland. Selbst bei einer ausbleibenden Verlängerung ist auch bei den umfangreichen Aufgaben bei Rückbaumaßnahmen eine Schichtleiterausbildung eine Voraussetzung, um bei kerntechnischen Anlagen verschiedene Aufgaben wahrnehmen zu dürfen. Mindestens international gibt es auf jeden Fall exzellente Möglichkeiten, denn abgesehen von Deutschland wird in zahlreichen europäischen Ländern in die Kernenergie durch neue Kraftwerke investiert. Hier kann man dann auch die eigentliche Rolle des Schichtleiters auch wirklich langfristig wahrnehmen.

Sascha: Guten Tag. Wie ist Ihre Einstellung zu Uni- und FH-Absolventen? Stellen Sie Uni- oder FH-Absolventen bevorzugt ein (generell oder für verschiedene Abteilungen)?

BKraemer: Hier gibt es keine einfache Antwort. Grundsätzlich ist es so, dass FH-Absolventen bei uns stärker im eigentlichen Kraftwerksbereich oder Anlagenbereich zum Einsatz kommen. Uni-Absolventen findet man dort auch, zusätzlich stehen Uniabsolventen auch die Stabsabteilungen offen. Hier gibt es aber von Standort zu Standort und Fachabteilung zu Fachabteilung unterschiedliche Präferenzen. Einzelne Kraftwerksstandorte präfieren deutlich Fachhochschüler, anderen ist das nicht so wichtig. Für viele Stabsabteilungen gibt es aber in den Fachabteilungen eher den Wunsch, hier Uniabsolventen zu finden.

pokpokpok: Als Franzose möchte ich gern wissen, ob zweisprachige Berufseinsteiger besonders gesucht werden? Stellt es einen Vorteil dar, mehrere Sprachen zu können? Oder werden internationale Beziehungen sowieso auf Englisch geführt? Arbeiten Sie z.B. oft in Zusammenarbeit mit französischen Partnern? Danke.

BKraemer: Grundsätzlich sind Sprachen natürlich ein Plus. Die meisten Fachabteilungen sehen das aber ganz unromantisch. Gibt es internationale Aufgaben in der jeweiligen Sprache, ist es sehr gut, diese Sprache zu können. Ansonsten spielt es eine eher untergeordnete Rolle. Bei RWE haben wir relativ wenig echte Geschäftsbeziehungen nach Frankreich. Hier sind osteuropäische Länder besser. Für EnBW sieht das natürlich anders aus. Davon unabhängig ist aber Englisch unbbedingt notwendig, denn das ist der Mindeststandard, auf den man sich einigt, wenn man die jeweilige Landessprache nicht vernünftig spricht.

Gutsman: Was würden Sie sagen, sollte ein guter Ingenieur mitbringen?

BKraemer: Wahrscheinlich hört sich das etwas abgedroschen an, in den Assessment Centern, in denen ich mitauswähle, spielt das komplette Konzert der Kompetenzen eine Rolle: Fachkompetenz, Sozialkompetenzen, Unternehmerkompetenzen, Persönliche Kompetenzen. Auf der Internetseite von RWE ist unser Kompetenzmodell, welches wir auch in unseren Auswahlverfahren nutzen, zu finden. Besonders achten wir im Moment auf Ingenieure, die wirklich die Fähigkeit und auch den Willen haben, Veränderungen voranzutreiben und zu gestalten. Das hört sich vielleicht im ersten Moment einfach an: In Wirklichkeit findet sich das aber in dem Umfang, wie wir uns das wünschen würden, nicht so häufig.

Moderator: Brel: hat über das Formular diese Frage gesendet:

Sie haben in der Türkei eine Partnerschaft mit TURCAS zum Bau eines Gaskraftwerkes. Gibt es Möglichkeiten für Berufseinsteiger bei RWE Turkey zu arbeiten? Was wird dann besonders gefordert?

BKraemer: Ehrlich gesagt ist RWE Turkey im Verhältnis zum Gesamtkonzern noch nicht sehr groß. Entsprechend weniger offene Stellen gibt es dort insgesamt. Grundsätzlich gelten aber die gleichen Kriterien dort wie für alle Einsteigerstellen im RWE-Konzern. Sollten sich dort sehr gute Maschinenbauingenieure als Absolventen bewerben, die dort bereits Praktika gemacht haben und den Markt kennen sowie die Landessprache sprechen/die Landeskultur kennen, ist das sicher ein Wettbewerbsvorteil.

MPE: Gibt es eine Möglichkeit die Vorteile von Power Engineers zu nutzen, ohne die finanzielle Förderung? Falls ja, welche Vorraussetzungen muss man hierfür liefern?

Moderator: Man muss das Geld natürlich nicht nehmen, allerdings gibt es für unser Stipendium keine Rückzahlungsverpflichtung, so dass es in meinen Augen nicht sehr rational wäre, das zu tun. Man hat im Auswahlprozess keinerlei Vorteile dadurch zu sagen, man möchte das Geld nicht. Es gibt bis zu 12 Stipendien pro Wintersemester im Rahmen der Power Engineers-Studienförderung.

Meine_Frage: Muss man unbedingt was im Bereich Energie studiert haben. Oder kommt man auch mit anderen Fächern in der Branche unter?

BKraemer: Man muss nicht unbedingt etwas im Bereich der Energie studiert habe. Bei BWLern, die im Controlling einsteigen wollen, reicht natürlich eine entsprechende Ausrichtung. Vorherige Erfahrungen im Energiesektor sind nicht notwendig. Bei den ingenieurwissenschaftlichen Fächern ist eine Ausrichtung auf den Energiebereich schon sehr sinnvoll, denn es gibt um jede Stelle einen Wettbewerb. Die Bewerberin/der Bewerber mit der höchsten Passung kriegt den Job und entsprechend sind vorherige Ausrichtungen auf die Energiewirtschaft vorteilhaft, wenn auch nicht einen unbedingte Voraussetzung.

Sascha: Bezüglich Power Engineers: Muss man das Geld auch nicht zurückzahlen, wenn man in den Projekten/Praktika feststellt, dass die Energiebranche doch nicht das richtige ist und man nicht bei RWE bleiben möchte?

BKraemer: Wir haben sehr viele Bewerberinnen und Bewerber und wählen in unseren Assessment Centern sehr deutlich vor diesem Hintergrund aus. Die Kriterien in Bezug auf die Deutlichkeit der energiewirtschaftlichen Ausrichtung sind sehr hart. Bislang hat entsprechend noch kein einziger unserer Stipendiaten das Feld (z.B. Automobilbau) gewechselt. Eine Rückzahlungsverpflichtung gibt es aber nicht. Das Geld muss, selbst wenn der Berufseinstieg woanders erfolgt, nicht zurückgezahlt werden.

Moderator: Hier kommt die letzte Frage für heute:

Bella: Hallo Herr Krämer. Wie sieht es bei Ihnen mit Ingenieurinnen aus? Stimmt es, dass man als Frau in der Branche eher benachteiligt ist?

BKraemer: Das ist eine wirklich nicht ganz einfache Frage, denn öffentlich äußert das niemand konkret. Ich habe auch keine konkreten Beispiele vor Augen, bei denen ich sagen müsste, dass es bei uns ein Nachteil gewesen ist, eine Frau zu sein. Im Gegensatz dazu habe ich aber Beispiele vor Augen, in denen Ingenieurinnen eine besondere Aufmerksamkeit genossen haben. Man muss aber auch sagen, gerade hier gibt es wirklich nicht sehr viele Frauen, da schon die Zahlen an Absolventinnen sehr gering sind. Vielleicht mag es einzelne Bereiche geben, in denen es ein Nachteil ist, eine Frau zu sein. Allerdings ist das sicher nicht hoffähig bei uns und gibt Probleme, wenn das rauskommt.

Moderator: Liebe Chatter, das war’s für heute.

Moderator: Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme an unserem Live-Chat. Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei unserem Experten Dr. Björn Krämer. Weitere Fragen können auch gerne im think ING. FORUM (www.think-ing.de/forum) gestellt werden. Das neue think ING. Special greift ebenfalls das aktuelle Thema auf und bietet unter www.think-ing.de/specials/energie-special-2010 eine Landkarte der Energie.
Moderator: Der gesamte Chat wird dokumentiert und bleibt auf der Website jederzeit abrufbar.

Moderator: Über die nächste Chat-Runde informieren wir Sie über die Website www.think-ing.de und über den Newsletter.

BKraemer: Vielen Dank für die spannenden Fragen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank für die Einladung. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Abend!

wgollub: Herzlichen Dank und beste Grüße von think ING. aus Berlin an Dr. Krämer, dem bei den aktuellen Temperaturen bei seinen ausführlichen Antworten nun die Finger glühen müssten ;-)

17.06.2013 | 11:46:07

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