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ExpertenCHAT
THINK ING.- ExpertenCHAT zum Thema Vielfalt der Ingenieurstudiengänge am Dienstag, 23. März 2010
Herzlich Willkommen im THINK ING.-ExpertenCHAT.

Aus den klassischen Ingenieurdisziplinen entwickeln sich immer neue Fachrichtungen, die gezielt auf die Entwicklungen in Technik und Wirtschaft zugeschnitten sind. Für Übersicht in der Vielfalt der wachsenden Ingenieurwissenschaften sorgen drei Professoren der Hochschule Heilbronn. Mit von der Partie sind Herr Prof. Dr. Balve, der sich um das Fachgebiet Technisches Logistikmanagement kümmert, Herr Prof. Dr. Elmendorf, der sich mit Maschinenbau auskennt, und Herr Dipl.-Ing. Utz aus dem Studiengang Robotik und Automation. Sie werden sich den Fragen rund um ihr Fachgebiet und die Ingenieurwissenschaften im Allgemeinen stellen.

Dies ist ein moderierter Chat, THINK ING. behält sich vor, Fragen auszuwählen, zu verändern und zu veröffentlichen.

Moderator: Liebe Teilnehmer, herzlich willkommen zum THINK ING. ExpertenCHAT. Wir eröffnen nun die nächste Chatrunde. Ganz herzlich begrüßen wir heute unsere Experten Prof. Balve, Prof. Elmendorf und Dipl.-Ing. Utz von der Hochschule Heilbronn.

Crusher: @Balve: Ich kann mir unter dem Studiengang Technisches Logistikmanagememt nicht so richtig was vorstellen. Was wären denn beispielsweise Themen und Fragestellungen, die behandelt werden?

Prof.Balve: Technisches Logistikmanagement beschäftigt sich mit typischen Fragestellungen aus der innerbetrieblichen Logistik (sogenannte "Intralogistik") wie bspw. Materialbereitstellung vom Lager für die Produktion oder auch die Kommissionierung von Handelswaren in einem Distributionszentrum für einen ausgehenden Lkw. Daneben sind uns insbesondere an der Hochschule Heilbronn die Themenfelder Sozial- und Methodenkompetenz wichtig; ferner befähigen wir die Studierenden dazu, später einen leitende Rolle in Veränderungsprojekten einzunehmen.

Spiegelberg: Wie gut muss man in Mathe sein,damit man in einem Ingenieur Studium erfolgreich ist?

Prof.Elmendorf: Natürlich ist Mathematik wichtig. Wir knüpfen an die schulische Ausbildung, am wichtigsten ist Interesse! Überdies bieten wir Brückenkurse in Mathematik an, die einen reibungslosen Übergang von Schule zu Studium gewährleisten sollen.

Dipl.-Ing.Utz: Ich kann auch nur betonen, dass bei vorhandenem Interesse auch die Mathematik, die in ingenieurwissenschaftlichen Studien vorhanden ist, bewältigt werden kann; auch dann, wenn man das Gefühl hat, nie "gut in Mathe" gewesen zu sein!

lemmi:Hallo Herr Elmendorf, warum haben Sie ausgerechnet Maschinenbau studiert? Was finden Sie daran so interessant?

Prof.Elmendorf: Ich hatte von jeher ein ausgeprägtes Interesse an Technik und habe mich in der Schule gleichzeitig auch mit Mathe und Physik sehr wohlgefühlt. Entscheidend war sicher ein Praktikum in einem Ingenieurbüro, in dem ich die Arbeit des Maschinenbauingenieurs kennenlernen konnte. Ich war begeistert und habe mich dann zum MB-Studium entschieden. Ich würde dies heute wieder so tun!

Grimm: Gibt es genügend Kapazitäten für alle, die sich anmelden? Oder muss man sich einem Auswahlverfahren unterziehen? Gibt’s nen NC?

Prof.Elmendorf: FAZIT: Die Anzahl der Bewerber überschreitet vor allem zum Wintersemester die Anzahl der Studienplätze deutlich. Die Zulassungen werden nach Maßgabe einer Zulassungssatzung ausgesprochen, die im wesentlichen die Note der Hochschulzugangsberechtigung und einer eventuellen Berufsausbildung berücksichtigt. Details finden Sie unter dem Link, den Ihnen mein Kollege sofort übermittelt.

Prof.Balve: Infos über das Zulassungsverfahren an der Hochschule Heilbronn finden Sie unter folgendem Link:
gandalf: Guten Tag Herr Utz, muss man sich später im Studium zwischen Robotik und Automation entscheiden?

Dipl.-Ing.Utz: Nein, muss man nicht. Beide Themen ziehen sich durch's Studium, aber man kann Schwerpunkte setzen.

Razmann: Fallen viele bei den Prüfungen durch?

Prof.Elmendorf: Erfahrungsgemäß sind die Durchfallquoten in Grundlagenfächern höher als in den Fächern des Hauptstudiums. Wir an der HS Heilbronn bieten intensiv Tutorien zur Unterstützung - insbesondere im Grundlagenbereich - an. Falls es mal nicht klappt: Sie haben Wiederholmöglichkeit, in Ausnahmefällen sogar zwei Mal (abhängig von der Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule)

Jörg: @Prof. Dr. Elmendorf: Warum sollte man gerade klassisch Maschinenbau studieren? Ist ein spezialisierter Studiengang nicht besser?

Prof.Elmendorf: Je früher Sie sich spezialisieren, um so enger wird die Auswahlmöglichkeit für Ihre Zukunft!. Wir in MB vertreten gezielt den Ansatz, eine breite Grundlagenausbildung anzubieten. Auf der Basís dieser Grundlagen spezialisieren Sie sich im Verlauf des Studiums entsprechend Ihrer Neigungen, Stärken und Interessen. Hierfür stehen Vertiefungsfächer, Projektlabore, Studienarbeiten uns insbesondere die Bachelor Thesis zur Verfügung.

Prof.Balve: Auf der anderen Seite ist auch nichts dagegen einzuwenden, sich bereits vom ersten Tag an für eine fachliche Spezialisierung zu entscheiden. In vielen Fällen beobachten wir bei den Studierenden hier einen höhere Motivation, die sich dann durch das gesamte Studium durchzieht. Mit einem festen Ziel vor Augen studiert es sich dann für viele etwas einfacher. Dies soll sich jedoch nicht ausdrücklich gegen eine breite Grundausbildung wenden (war bei mir selbst auch der Fall). Jeder hat hier halt seine eigenen Vorlieben.

Deluxe: @Herr Utz: Was genau versteht man unter Robotik und Automation, wo sind Unterschiede?

Dipl.-Ing.Utz: Robotik beschäftigt sich mit frei programmierbaren, mechatronischen Systemen. die Zielsetzung der Automation hingegen ist es, Aufgaben automatisch, also ohne oder nur mit geringer Mitwirkung von Menschen durchzuführen. Beide Bereiche greifen jedoch auch oft ineinander; so sind Roboter häufig Elemente von automatisierten Anlagen.

Lokistiker: @Balve: Der Studiengang ist ja noch relativ neu... Wird da nicht noch viel geändert, während man schon studiert?

Prof.Balve: Wir sind gerade dabei die zweite Fassung der Studien- und Prüfungsordnung zu erarbeiten. Größere Änderungen befinden sich auf der Ebene von "bringen wir Projektmanagement im dritten oder vierten Semester". Grundsätzlich steht der Studiengang also (die erste Kohorte an Studierenden befindet sich jetzt im vierten Semester) und wird gerade auch von der Industrie extrem gut angenommen.

chatter: Wie viele Frauen entscheiden sich denn im Schnitt für einen Ingenieuerstudiengang? Kommt man sich da als Frau nicht "verloren" vor?

Prof.Elmendorf: Leider entscheiden sich nach wie vor viel zu wenig Damen für die technischen Studiengänge. Der Anteil beträgt - abhängig von dem jeweiligen Studiengang - zwischen weniger als 10% bis max. ca 20% .

Prof.Balve: Wenn ich an dieser Stelle für unsere Studiengänge "Produktion und Logistik" sowie "Technisches Logistikmanagement" sprechen kann: ebenfalls viel zu wenig, jedoch liegen wir im Vergleich eher im oberen Bereich zwischen 10% und 20%.

curamaja: Braucht man ein Vorpraktikum?

Prof.Elmendorf: Grundsätzlich ja, Dauer typischerweise zwischen 8 und 12 Wochen (studiengangspezifisch). Dieses Vorpraktikum kann ggf. während der ersten Semester des Grundstudiums nachgeholt werden. In vielen Fällen (ebenfalls studiengangspezifisch) wird bei abgeschlossener Berufsausbildung oder Abitur auf dem Technischen Gymnasium das Vorpraktikum aber erlassen! Hier muss man sich im Detail bei den Zulassungsbedingungen der jeweiligen Studiengängen schlau machen.

MissVerständlich: Was für Fächer muss man denn bei den einzelnen Studiengängen belegen? Gibt es auch Auswahl- und Spezialisierungsmöglichkeiten?

Dipl.-Ing.Utz: In den meisten Studiengängen ist das Grundstudium festgelegt, im Hauptstudium kann man jedoch aus verschiedenen Fächer-Katalogen Vorlesungen und Praktika auswählen und sich so spezialisieren beziehungsweise seinen Interessen nachgehen.

Prof.Elmendorf: Sie haben vielfältige Wahlmöglichkeiten in den höheren Semestern. Typische Pflichtfächer: Mathe, Physik, Elektrotechnik, Informatik, Strömunsglehre, Messtechnik, Regelungstechnik und insbesondere als Herzstück natürlich Konstruktion. Typische Wahlfächer: Verbrennungsmotoren, CAD, FEM, Strömungsmaschinen, Werkzeugmaschinen, Elektr. Maschinen, Roboter etc. Bei näherem Interesse werfen Sie doch mal einen Blick auf die Studienbeschreibung von MB:
Prof.Balve: Ich spreche hier mal für Produktions- und Logistikstudiengänge in Heilbronn: im Grundstudium, also in den ersten zwei Semestern, sind wir ziemlich festgelegt auf Grundlagen im Bereich Mathe, Physik, Mechanik, Werkstoffkunde, Elektrotechnik, Software/Programmierung sowie Produktions- und Logistikmanagement. Diese wären dann alle Pflicht. Eine Differenzierung in Form von Wahlmöglichkeiten besteht dann erst im Hauptstudium. Von Materialflusssimulation bis hin zum Qualitätsmanagement ist hier einiges möglich.

babsi: @Balve: Was für Positionen kann man mit einem Bachelor im technischen Logistikmanagement besetzen? Welche Jobs kommen in Frage?

Dipl.-Ing.Utz: Hier noch die Links zu den Studien- und Prüfungsordnungen der Studiengänge Robotik und Automation sowie Mechatronik und Mikrosystemtechnik (was ich selbst studiert habe):
Prof.Balve: Wir denken typischerweise an Fach- und Führungskräfte im Bereich Logistikplanung sowie dem operativen Betrieb eines Lagers ("Lagerleiter"). Manche unserer Studierenden zieht es auch in den Bereich Consulting (wozu Sie bei uns auch eine sehr gute Grundausbildung erhalten). Von den Branchen her ist es möglich beim Automobilhersteller, beim Automobilzulieferer oder auch bei einer Handelskette einzusteigen. Alle diese Wege lassen sich gut argumentieren.
Graf_von_Moor: @Elmendorf Welche Vertiefungsmöglichkeiten gibt es in Heilbronn im Fach Maschinenbau?

Prof.Elmendorf: Vertiefungsmöglichkeiten (siehe teilweise oben): Steuerungstechnik, CAD, Computational Fluid Dynamics (CFD), Elektrische Antriebe, FEM (Finite Element Methoden), Verbrennungsmotoren, Roboter, Strömungsmaschinen, Werkzeugmaschinen

HannibalSmith: Hallo Herr Balve, ist der Studiengang eher technisch oder wirtschaftswissenschaftlich ausgerichtet?

Prof.Balve: Das hält sich insbesondere im Hautpstudium so ziemlich die Waage. Es gibt eine klare Ausrichtung auf den technischen Teil der Logistik, trotzdem sind typische betriebswirtschaftliche Fächer (Kosten- und Leistungsrechnung, Investition und Finanzierun, Wirtschaftsrecht, Betriebsorganisation sowie ERP-Systeme) ebenfalls Teile des Studiengangs. Sie lernen also alles, was Sie für die wirtschaftliche Beurteilung von logistischen und produktionstechnischen Sachverhalten benötigen.

Lacrimose: Guten Tag Herr Utz, wenn ich Maschinenbau studiere, kann ich dann später noch in Ihren Studiengang wechseln?

Prof.Elmendorf: In Heilbronn sind innerhalb der Fakultät für Mechanik und Elektronik fünf Bachelor- und 3 Masterstudiengänge beheimatet (Automotive Systems, Robotik und Automation, Elektronik, Maschinenbau und Mechatronik/Mikrosystemtechnik). Nach bestandener Bachelorvorprüfung können Sie zwischen den fünf Bachelorstudiengängen wechseln bei Anerkennung der gesamten Bachelorvorprüfung. Trotz allem empfehlen wir bei solchen Wechseln das Nachholen spezifischer Inhalte.

Moderator: Hier kommt die letzte Frage für heute:

Hanni_Kohl: Ist ein Auslandssemester in den jeweiligen Studiengängen vorgesehen bzw. möglich?

Dipl.-Ing.Utz: Ein Auslandssemester ist definitiv möglich, Sie müssen jedoch selbst den Kontakt zu einer Firma bzw. einem Standort im Ausland knüpfen und von dieser auch einen Praxissemesterplatz bekommen.

Dipl.-Ing.Utz: Die Firma wäre nur im Falle eines Praxissemesters erforderlich, nicht jedoch bei einem Auslandssemester.

Prof.Elmendorf: Verpflichtend ist ein praktisches Studiensemester. Dieses Semester im Ausland durchzuführen ist in hohem Maße erwünscht und empfohlen, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Unser Akademisches Auslandsamt und die Praktikantenämter leisten Hilfestellung beim Auffinden von Praktikantenstellen (im In- und Ausland).
Sie können auch an Partnerhochschulen Auslandsemester durchführen. Hier gilt ebenfalls: in hohem Maße erwünscht und empfohlen, aber nicht verpflichtend.
Vielen Dank für Ihr Interesse!

Prof.Balve: Zwangsweise vorgesehen nicht, gewünscht auf jeden Fall, Unterstützung wird durch das akademische Auslandsbüro in Verbindung mit den zahlreichen Partnerhochschulen angeboten. Soviel zur formalen Seite. Jeder Studierende, der ins Ausland möchte, muss jedoch ein gehöriges Maß an Eigeninitiative an den Tag legen, um diesen Traum auch Wirklichkeit werden zu lassen - und das ist auch gut so. Aus Sicht der Professoren bekommen Sie jede erforderliche Unterstützung (bspw. bei der Anerkennung von Studienleistungen, die an ausländischen Hochschulen erworben wurden). Genauso gut möglich ist aber auch ein Praxissemester im Ausland bei einer Firma.

Moderator: Liebe Teilnehmer, das war’s für heute.
Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme an unserem Live-Chat. Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei den drei Experten Prof. Balve, Prof. Elmendorf und Dipl.-Ing. Utz von der Hochschule Heilbronn.
Der gesamte Chat wird dokumentiert und bleibt auf der Website jederzeit abrufbar.
Über die nächste Chat-Runde informieren wir Sie über die Website www.think-ing.de und über den Newsletter.

15.05.2012 | 14:21:42

Mai Dang-Goy • Experten-Foren

Thema: Berufsbild Facility Manager

Text: Hallo Frau Dang-Goy, ist Facility Management eigentlich eine sehr gefragte Ingenieursdisziplin? In welchen Branchen kann man nach dem Studium...

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