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Spezialist oder Generalist? Die Wahl zwischen dem Bau- und dem Wirtschaftsingenieurwesen

Unser RecherchING.-Auftrag:

"Ich interessiere mich sehr für Mathematik und Naturwissenschaften und mir gefällt der Gedanke als Bauingenieur zu arbeiten und Gebäude zu berechnen, planen usw... Allerdings muss ich sagen, dass ich kein ,Technik-Freak' bin. Ich habe also die Sorge, dass dieses reine Ingenieurstudium doch nicht ganz meine Sache ist. Da wäre das Studium des Wirtschaftsingenieurs vielleicht eine gute Wahl aufgrund der Mischung aus Ingenieur- und Wirtschaftsthemen. Welches Studium hat mehr Vorteile (Nachfrage am Arbeitsmarkt, Gehälter)?"

Wer einen Ingenieurstudiengang mit einem wirtschaftlichen Schwerpunkt belegen möchte, für den ist das Wirtschaftsingenieurwesen natürlich eine gute Kombination. Es gibt aber auch Studiengänge im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Bau beschäftigen. Insofern lassen sich die Interessensgebiete Wirtschafts- und Bauingenieurwesen sogar gut miteinander verbinden.
Mai Dang-Goy

Expertenmeinung Mai Dang-Goy, Geschäftsführerin/Leitung Projektmanagement bei der Dussmann-Gruppe
Mai Dang-Goy studierte Bauingenieurwesen an der FH in Kaiserslautern. Bei der Dussmann Gruppe arbeitet sie als Geschäftsführerin und leitet das Projektmanagement. Ihre Antwort auf die Frage "Bau- oder Wirtschaftsingenieur?" lautet:

"Zu der Frage, ob die Wahl auf eine Ingenieurwissenschaft oder auf die Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen fällt, gebe ich zwei Blickpunkte:
Bei einer Begeisterung für Technik mit Schwerpunkt für Konstruktion oder Entwicklung ist ein Ingenieursstudium zu empfehlen.
Geht der Schwerpunkt mehr in Richtung Projektmanagement, rate ich zu Wirtschaftsingenieurwesen, da die kaufmännische Steuerung und die gesamtheitliche Betrachtung eines Projektes relevant sind. Für die Berufslaufbahn bleibt einem/r Ingenieur/in auch später der Schritt in das Projektmanagement nicht verwehrt, aber umgekehrt ist das schwieriger, da beim Wirtschaftsingenieurwesen der Schwerpunkt auf der Wirtschaft liegt und nicht auf ingenieurwissenschaftlichem Know-how. Wirtschaftswissen kann man sich auch später angeeignen, vor allem beim beruflichen Aufstieg bis zur Geschäftsführung oder zum Vorstand."

Prof. Adami
Prof. Dr. Wilfried Adami

Expertenmeinung Prof. Dr. Wilfried Adami
Prof. Dr. Wilfried Adami unterrichtet in den Studiengängen "Angewandte Automatisierungstechnik" und "Wirtschaftsingenieur" an der Leuphana-Universität in Lüneburg. Seine Antwort auf die Frage "Bau- oder Wirtschaftsingenieur?" lautet:

Einen Ingenieur, auch einen Wirtschaftsingenieur, ohne Technik-Bezug kann und wird es nicht geben. Das Berechnen von Gebäuden ist eine sehr intensive Ingenieurtätigkeit und hat ausgesprochen viel mit Statik, Dynamik, Baustoffkunde und anderen Ingenieur-Inhalten zu tun. Wenn Sie den all zu großen technischen Bezug meiden wollen, empfehle ich Ihnen ein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit technischem Schwerpukt, Abschluss z.B.
"Technischer Betriebswirt"!

Die Arbeitsmarkt-Situation im Vergleich

Stellenangebote (deutschlandweit), Stand: Januar 2011

 

Architekten, Bauingenieure

Sonstige Ingenieure
(darunter Wirtschaftsingenieure)

Insgesamt

12.000

14.400

Veränderung zum Vormonat

0,8%

0%

Veränderung zum Vorjahresmonat

16,5%

75,6%

Arbeitslosigkeit (deutschlandweit), Stand: Januar 2011

Insgesamt

6.727

7.216

Veränderung zum Vormonat

7,8%

4,4%

Veränderung zum Vorjahresmonat

-10,2%

-13,2%

Fachkräftemangel (deutschlandweit), Stand: Januar 2011

Insgesamt

5.900

7.700

Veränderung zum Vormonat

-4,8%

-1,3%

Veränderung zum Vorjahresmonat

63,9%

755,6%

Quelle: VDI-Ingenieurmonitor (Der Arbeitsmarkt für Ingenieure im Januar 2011)

Statistiken der Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit über die Arbeitsmarktsituation der Bauingenieure: „Im 1. Halbjahr 2010 setzte sich die rückläufige Entwicklung der Stellenanzeigen in Printmedien fort. Auch die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Arbeitsstellen sank, verglichen mit dem 1. Halbjahr 2009, um 6% (Bauingenieurwesen) bzw. 9% (Architektur). Insgesamt kehrte damit die Anzahl der gemeldeten Stellen für Bauingenieure/innen und Architekt/inn/en – nach einem Hoch im Jahr 2009 durch die Ausweitung der öffentlichen Bautätigkeit – auf das Vorkrisenniveau zurück.“

Die Agentur für Arbeit über die Arbeitsmarktsituation der Wirtschaftsingenieure: Wirtschaftsingenieure zählen „zu den gefragtesten Fachkräften am Arbeitsmarkt. Trotz deutlich gewachsener Absolventenzahlen und Wirtschaftskrise stieg die Zahl der arbeitslosen Wirtschaftsingenieure 2009 lediglich um knapp 800 Personen und bewegte sich im Vergleich zu den Jahren vor 2008 auf sehr niedrigem Stand. Insgesamt waren jahresdurchschnittlich 2.600 Wirtschaftsingenieure arbeitslos gemeldet."

Gehaltsvergleich

Berufsanfänger und Einkommensentwicklung in €

  bis 1 Jahr 2-5 Jahre 6 und mehr Jahre
Wirtschaftsingenieur 3.538 4.108 5.082
Bauingenieur 2.894 3.211 4.000
Quelle: WSI-Lohnspiegel-Datenbank – www.lohnspiegel.de.
Man sollte die Studienwahl natürlich nicht nur von der aktuellen Arbeitsmarkt-Situation abhängig machen, denn wie sich der Markt in fünf Jahren entwickelt hat, kann wohl niemand voraussagen. Aber wenn persönliche Interessen und aktuelle Trends zusammen passen, ist dies die beste Voraussetzung.

Weiterführende Links

15.05.2012 | 14:21:42

Mai Dang-Goy • Experten-Foren

Thema: Berufsbild Facility Manager

Text: Hallo Frau Dang-Goy, ist Facility Management eigentlich eine sehr gefragte Ingenieursdisziplin? In welchen Branchen kann man nach dem Studium...

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