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THINK ING. kompakt
Interview
Berufsbezeichnung:

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Personal- und Unternehmensberater

Inhaber

Dr.-Ing. Michael Winter

Dortmund

Dr. Winter Unternehmensberatung

Personal- und Unternehmensberatung

Dortmund
„Vor dem Studium über den Berufsalltag informieren!“
Personal- und Unternehmensberater Dr.-Ing. Michael Winter ist selbst Bauingenieur und berät seit zehn Jahren überwiegend mittelständische Industrieunternehmen.


Herr Dr. Winter, wie beurteilen Sie die Qualität der heutigen Ingenieurausbildung?

Die Wissensvermittlung im Studium ist wirklich gut. Allerdings werden die Studierenden nicht adäquat auf ihr Berufsleben vorbereitet. Sie lernen viele Dinge nicht, die in der Arbeitswelt überlebenswichtig sind: die Soft Skills. Sie gehören oft nicht zum Lehrplan. Das ist den Absolventen leider nicht bewusst. Größtenteils fehlt den Studierenden andererseits die Eigeninitiative, sich um eventuelle Lücken in diesem Bereich selbst zu kümmern.

Viele Absolventen sind nicht in der Lage, das gelernte Wissen auch wirklich im Berufsalltag anzuwenden. Hier wird nicht einfach nur abgefragt, sondern hier geht es um die konkrete Anwendung. Sie haben Schwierigkeiten, sich in dem System Unternehmen zurechtzufinden. Sie haben zu wenig Ahnung von Kostenkontrolle, Projektmanagement oder Preiskalkulation.


Wie beurteilen Sie die Ausbildung im Ausland im Vergleich zur deutschen?

Betrachtet man zum Beispiel Frankreich, die Niederlande, England oder die USA sind dort die Studierenden allgemein offener gegenüber fächerübergreifenden Themen. In den USA wird sehr viel Wert auf Teamfähigkeit gelegt. In Frankreich sind Soft Skills ein fester Bestandteil im Studium.

Blickt man auf die osteuropäischen Länder, finden sich dort Absolventen, die exzellente Kenntnisse in den Naturwissenschaften mitbringen. Dort hat der technische Unterricht einen sehr hohen Stellenwert.


Welche Anforderungen stellen Unternehmen im Allgemeinen an ihre Bewerber?

  • Fachkenntnisse werden vorausgesetzt

  • Fähigkeit, fachübergreifend zu denken

  • Fähigkeit, in Prozessen zu denken

  • elementare kaufmännische Kenntnisse

  • Teamfähigkeit

  • Fremdsprachen

  • Präsentationstechniken

  • Kommunikationsfähigkeit

  • Mobilität

  • Internationalität = Bereitschaft, mit Kunden weltweit zu kommunizieren und diese auch zu besuchen

Welchen Stellenwert haben Fremdsprachenkenntnisse?

Fremdsprachenkenntnisse haben einen sehr hohen Stellenwert. Es ist erschreckend, wie viele Studierende kein oder ein unzureichendes Englisch sprechen. Sie sind oft auch nicht bereit, an diesem Defizit zu arbeiten. Dabei ist dieser Mangel ein k. o.-Kriterium.


Was macht ein Unternehmen für einen Bewerber interessant?
  • soziale Absicherung

  • Fortsetzung dessen, was er im Studium kennen gelernt hat

  • gutes Arbeitsklima (wird zum Beispiel an der Fluktuation sichtbar)

Allgemein haben Bewerber wenig konkrete Vorstellungen von dem, was sie möchten und sie erwarten könnte. Sie sprechen gerne nebulös von einer verantwortungsvollen Aufgabe.


Wie häufig greifen nach Ihrer Erfahrung Unternehmen bei der Suche nach Mitarbeitern auf die Unterstützung eines Personalberaters zurück?

Eine Zeit lang war das Interesse rückläufig. Mittlerweile greifen Unternehmen wieder häufiger auf diese Dienstleistung zurück, weil sie sehen, dass dieser Weg einfach Erfolg versprechender ist. Wir sind spezialisiert auf bestimmte Branchen und sprechen mögliche Kandidaten direkt an. Damit ist die Trefferquote höher als bei einer Stellenausschreibung in den Medien.


Für welche Fachrichtungen suchen Sie als Personalberater überwiegend Mitarbeiter?

Maschinen- und Anlagebau, Elektrotechnik, Bauwesen, Kunststoffindustrie und Automobil-Zulieferindustrie. Besonders schwer sind Positionen zu besetzen, in denen Spezialisten gesucht werden, z.B. mit Schwerpunkt Metallurgie, Fertigungstechnik oder Anwendungstechnik.


Wie hoch ist der Anteil der Absolventen unter den Bewerbern gegenüber berufserfahrenen Kandidaten?

Etwa 10 %. Sie kommen zum Teil durch Initiativbewerbung zu mir und zum Teil werden sie empfohlen.


Welche ist für Sie die heraus ragendste Ingenieurleistung der Menschheit?

Das lässt sich gar nicht in einem Satz beantworten. Für mich gibt es nicht d i e herausragende Leistung, sondern mehrere Schübe.

Der erste Schub war die Fähigkeit, Brücken zu bauen. Das führte die Menschen zusammen.
Der zweite Schub kam mit dem Buchdruck. Er half, Informationen zu verbreiten.
Der dritte Schub war die Energie, wie die Dampfmaschine und die Elektrizität.
Der vierte Schub kam mit den Erkenntnissen der modernen Physik, wie die Quantenphysik und die Relativitätstheorie.
An fünfter Stelle steht die Vernetzung der Welt durch das Internet.


Was möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die sich für Ingenieurwissenschaften interessieren?

Der Markt ist die Welt. Die Welt braucht unsere Qualität, aber nicht nur vor der eigenen Haustür. Mobilität ist gefragt. Zweitens dürfen Ingenieure ihr Wissen nicht nur theoretisch aufnehmen, sie müssen es auch praktisch anwenden können. Ebenso wichtig ist das lebenslange Lernen. Die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen darf nicht zu kurz kommen.

Jeder Studieninteressierte sollte sich vor dem Studium über den Berufsalltag informieren, der ihn erwartet. Damit kann schon im Vorfeld viel Frust vermieden werden.
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