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Interview
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Arbeitsort:
Professor, Dr. rer. nat., Dipl.-Physiker, Diplom-Ingenieur

Stv. Bundesvorsitzender Fachbereichstag InformatikStv. Vorsitzender Akkreditierungskommission

Prof. Dr. Dieter Hannemann

Gelsenkirchen

Fachhochschule Gelsenkirchen

Wissenschaft

Gelsenkirchen
„Was ist mein Ziel?“
Prof. Dr. Dieter Hannemann ist stellvertretender Vorsitzender der Akkreditierungskommission ASIIN und stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichstages Informatik. Außerdem ist er studierter Ingenieur der Kernverfahrenstechnik und promovierter Physiker der Weltraumforschung. Die Informatik hat sich aus seiner Arbeit heraus ergänzend dazu ergeben.

Seine drei Schwerpunkte erklärt Professor Hannemann so: „Ein Kollege hat mal gesagt: Ein Tisch auf zwei Beinen fällt um. Ein Tisch auf vier Beinen wackelt. Aber ein Tisch auf drei Beinen hat einen festen Stand.“

Herr Professor, welche Veränderungen haben sich in der Studienlandschaft bei der Umstellung von Diplom auf Bachelor und Master ergeben?

Die Veränderungen muss man für Fachhochschulen und Universitäten getrennt betrachten.
Für die Fachhochschulen ist der Bologna-Prozess eindeutig ein Gewinn. Das bisherige Diplom-Studium war inhaltlich sehr nah am heutigen Bachelor. Je nach Bundesland beinhaltete das Diplom ein oder zwei Praxissemester. Diese Praxissemester sind auf zwölf Wochen bzw. ein Semester gekürzt worden. Oft hatten diese Praxisphasen bisher wenig Bezug zum theoretischen Teil des Studiums. Jetzt ist die Verzahnung durch eine Betreuung seitens der FH gesichert. Durch diese Kombination von Theorie und Praxis verdient der Bachelor auch die Bezeichnung „Berufsbefähigender Abschluss“.
Neu ist die Möglichkeit, auch hier einen Master zu erwerben. Mit dem Master einer Fachhochschule erwirbt man die gleichen Berechtigungen wie mit dem Master einer Universität.

Die Universitäten haben teilweise versucht zunächst ihr Vordiplom einfach in einen Bachelor umzuwandeln. Ihr Bestreben ist es, die Studierenden bis zum Master zu führen, der mit dem früheren Uni-Diplom vergleichbar ist.

Welche Hochschulart eignet sich für welchen Studieninteressierten?

Wer eher praxisorientiert arbeiten möchte und schnell fertig werden möchte, ist an einer Fachhochschule richtig.
Wer definitiv eine Promotion anstrebt, geht zu einer Universität.

Kann ich denn nur mit einem Uni-Master promovieren?

Nein. Generell dürfen Studenten mit beiden Master-Abschlüssen promovieren. In der Praxis ist es nur so, dass eine Fachhochschule aktuell noch kein Promotionsrecht besitzt. Also geht der FH-Student mit seinem FH-Master entweder zur Uni oder er findet an der FH einen Professor der zusammen mit einem Uni-Kollegen eine so genannte kooperative Promotion durchführt. Das bedeutet, dass der FH-Absolvent während seiner Promotionszeit von einem Universitätsprofessor und einem FH-Professor betreut wird und die Universität ihn am Ende promoviert. Diese Bereitschaft zur Kooperation findet sich eher im internationalen Umfeld als innerhalb der Bundesrepublik. Der Absolvent erhält so den Doktortitel von der kooperierenden Universität. Das hat den Vorteil, dass automatisch seine Soft Skills (z.B. Sprachkenntnisse und Organisationstalent) gefördert werden. Innerhalb unseres Landes sind die ostdeutschen Universitäten gegenüber FH-Absolventen aufgeschlossener als die westdeutschen.

Der Bologna-Prozess ist auch ins Leben gerufen worden, um den Studenten die Wechselmöglichkeiten zwischen den Hochschulen zu erleichtern. Welche Erfahrungen haben Sie bis jetzt damit gemacht?

Über die Wechselwilligkeit innerhalb Deutschlands gibt es noch keine Zahlen. Wir haben an unserer Fachhochschule Studierende aus China und Brasilien. Allgemein haben ausländische Studenten erst einmal Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Sie brauchen in der Regel ein Semester, bis sie mit ihren Deutschkenntnissen dem Studium folgen können. Inhaltlich lässt sich der Bachelor der jeweiligen Staaten oft nicht mit dem deutschen Bachelor vergleichen. Einem Wechsel innerhalb Deutschlands steht entgegen, dass es inzwischen viele Spezialisierungen innerhalb der einzelnen Fachrichtungen gibt. Das ist wichtig für die Wirtschaft, die eher einen Spezialisten in einem Fachbereich sucht als einen Generalisten.

Welchen Rat geben Sie jungen Leuten, die noch unschlüssig sind in Bezug auf ihr
Studium?


Zunächst einmal sollen sie sich die Frage stellen: Was ist mein Ziel? Was will ich eigentlich?
Sie sollen in sich gehen und den für sich richtigen Studiengang auswählen. Bezüglich der Hochschulart stellt sich die Frage: Möchte ich eher anwendungsorientiert arbeiten und möglichst schon mit dem Bachelor in den Beruf gehen? Dann kommt eher ein Bachelor an der Fachhochschule in Betracht. Oder möchte ich lieber theoretisch arbeiten? Dann bietet sich der Master an einer Universität an.

Es war noch nie so einfach, eine einmal getroffene Entscheidung zu revidieren. Durch den modularen Aufbau der Studiengänge kann ich sowohl das Fach als auch die Hochschule wechseln.

Wie beurteilen Sie die Studierfähigkeit der heutigen Schüler?

Über alle Studienrichtungen hinweg sind sich die Lehrenden einig: Die Studenten sind nicht adäquat auf das Studieren vorbereitet.

Im Bereich der Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften gibt es beispielsweise mathematische Vorkurse, die Defizite ausgleichen. Diese Kurse werden leider meistens nur von denen besucht die es eigentlich nicht nötig hätten. Denn die informieren sich vorher über das Studium und wissen um die Möglichkeiten. Diejenigen, die Hilfe notwendig hätten, nehmen diese Angebote häufig gar nicht wahr, entweder weil sie sich um diese Möglichkeiten nicht kümmern oder eine zu geringe Leistungsbereitschaft mitbringen

Mein Vorschlag an dieser Stelle ist, einen Teil der Studiengebühren in Vorkurse und Tutorenprogramme zu investieren. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass mehr Studenten, die bisher ihr Studium aufgrund von Lernschwierigkeiten haben abbrechen müssen, die Möglichkeit bekommen, ihr Studium erfolgreich zu beenden. Denn Studiengebühren sind eingeführt worden, um die Qualität der Lehre zu verbessern.

15.05.2012 | 14:21:42

Mai Dang-Goy • Experten-Foren

Thema: Berufsbild Facility Manager

Text: Hallo Frau Dang-Goy, ist Facility Management eigentlich eine sehr gefragte Ingenieursdisziplin? In welchen Branchen kann man nach dem Studium...

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