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Interview
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Ort:
Öffentlichkeitsarbeit im Projekt „Übergang Schule – Hochschule“

Universität Duisburg – Essen

Beratung

Duisburg
Informationen sind das A und O
Michaela Christoph arbeitet in der Öffentlichkeitsarbeit an der Schnittstelle „Übergang Schule-Hochschule“. Schüler haben vor Beginn eines Studiums viele Fragen, die durch verschiedene Angebote wie den Schülerinfotag, Vorlesungen für Schülerinnen und Schüler oder ein duales Orientierungspraktikum beantwortet werden sollen. Frau Christoph geht in die Schulen und informiert die Schüler vor Ort. Genauso ist sie am Schülerinfotag Ansprechpartnerin in der Uni.

Frau Christoph, wie beurteilen Sie den Informationsstand von Schülern und Schülerinnen zum Thema Studium?

Eigentlich stehen alle relevanten Informationen zum Thema Studium im Internet. Aber die Schüler und Schülerinnen finden sie nicht. Sie finden nicht die richtige Hochschule, nicht den richtigen Studiengang, nicht die Quelle, die Antworten auf offene Fragen bietet. Sie kommen mit einem Stapel Zettel, für den sie aufwändig recherchiert haben. Aber sie finden nicht das Wesentliche. Sie haben nicht den methodischen Umgang mit dem Internet gelernt und sind gefrustet, weil sie nicht finden, was sie suchen.

Mit welchen Hilfsmitteln informieren Sie die angehenden Studierenden?

Im Januar gibt es jedes Jahr einen Schülerinfotag an der Uni Duisburg-Essen. Darüber hinaus gibt es Vorlesungen für Schülerinnen und Schüler, ein Probestudium, Schülerseminare, ein duales Orientierungspraktikum (2 Wochen in Jahrgangsstufe 11), eine Sommeruni und die persönliche Beratung in der Allgemeinen Studienberatung.

Wann beginnen die Jugendlichen nach Ihren Erfahrungen, sich mit ihrer Zukunft zu beschäftigen?

Etwa ein Drittel der Jugendlichen weiß genau, was es will, und hat dies bereits durch die Wahl der Leistungskurse in der Jahrgangsstufe 11 dokumentiert. Die Hälfte entscheidet sich in der 13. Und die Übrigen kommen nach dem Abitur und informieren sich darüber, was sie denn mal studieren könnten. Manche haben eine Absage auf eine Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz bekommen und orientieren sich jetzt neu. Andere haben einfach zu viele Interessen und können sich nicht entscheiden.

Wer beeinflusst die Schülerinnen und Schüler bei ihrer beruflichen Orientierung?

Ganz oft sind es die Eltern oder Freunde und Bekannte. Da ist zum Beispiel ein Bekannter aus dem Sportverein Elektro-Ingenieur und rät dem Schüler: „Mach das mal. Das macht Spaß.“ Oder ein Elternteil übt einen bestimmten Beruf aus, der den Nachwuchs interessiert. Generell bekommen sie Impulse von außen.

Was beeinflusst die Reihenfolge der Wahl von Studienfach, Hochschule und Studienort?

Ich sehe es gerade hier in Duisburg und Umgebung ganz deutlich, dass der finanzielle Hintergrund eine gravierende Rolle spielt. Ist kein oder wenig Geld vorhanden, stellt sich die Frage nach einem Studienort nicht. Die Studierenden bleiben am Heimatort. Spielt das Geld eine untergeordnete Rolle, ziehen die Studenten auch in andere Städte. Der Faktor Geld wird immer wichtiger. Die Studiengebühren sind für viele ein unüberwindbares Hindernis, das sie zum Teil generell vom Studieren abhält. Leider gibt es hier in Deutschland noch kein sinnvolles Stipendien-System, wie wir es aus den USA kennen. Dort verteilen die Colleges und Universitäten direkt Stipendien an Bewerber. Die Uni Duisburg-Essen hat bereits in dieser Richtung erste Überlegungen in die Wege geleitet, um mehr Studienwilligen das Studium zu ermöglichen.

Was fragen die Jugendlichen Sie in den Einzelgesprächen an einem Schülertag?

Die Fragen sind völlig unterschiedlich. Das reicht von den Einschreibebedingungen über Praktika bis zu den Berufsaussichten in dem angedachten Studienfach. Sie möchten auch wissen, ob sie mit dem Leistungskurs XY das Fach ABC studieren können.

Haben Sie in den letzten Jahren eine Veränderung im Informationsverhalten der jungen Leute festgestellt?

Ja, die jungen Menschen werden immer unsicherer. Sie sind verunsichert, weil sie kaum in der Lage sind, aus der Fülle der angebotenen Studiengänge den für sie richtigen auszuwählen. Sie wissen nicht, ob sie generell studieren sollen, was immer mehr zu einer Geldfrage wird. Und sie fühlen sich gehemmt durch die zunehmenden Zulassungsbeschränkungen in vielen Fächern.

Was halten Sie von den Hochschul-Rankings, die von Zeit zu Zeit veröffentlicht werden?

Da ich weiß, wie diese Rankings entstehen, sind sie für mich nicht aussagekräftig. Hochschulen werden zum Beispiel für ihre Forschungsaktivitäten ausgezeichnet. Aber damit kommt ein Bachelor-Student in der Regel nicht in Berührung. Er hat nichts von dieser Bewertung. Ich kann nur jedem einzelnen empfehlen, sich die ausgewählte Hochschule selbst anzugucken. Es bringt mehr, vor Ort mit Studierenden zu sprechen. Denn die erleben diese tagtäglich und können von ihren eigenen Erfahrungen und Ansichten berichten.

Welchen Rat geben Sie Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg?

Es ist wichtig, gemäß der Neigung zu studieren. Man kann nur gut sein in einem Fach, das einem persönlich liegt. Und es ist ebenfalls wichtig sich frühzeitig (bereits in der Jahrgangsstufe 12) über den möglichen beruflichen Werdegang zu informieren und nicht erst verschiedenes auszuprobieren, bevor man das Richtige gefunden hat. Das kostet Zeit und Geld.
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