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INGenius: Dipl.-Ing. Jochen Fuglsang-Petersen

Der Windradmacher

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Übertragen auf die Energiewirtschaft heißt das: Wer Wind nutzt, kann Strom ernten. So wie Dipl.-Ing. Jochen Fuglsang-Petersen. Er ist Maschinenbauingenieur für den drittgrößten deutschen Windkraftanlagenhersteller, die REpower Systems AG.

Wie ein Vogel...

Obwohl sich Fuglsang schon als kleines Kind vor allem für Modellbau und technische Baukästen interessiert, rechnet damals noch niemand mit einer Ingenieurskarriere. Am wenigsten er selbst. Mit 14 entdeckt der Kieler Junge erst mal eine ganz andere Leidenschaft: Das Fliegen. „Das war plötzlich das wichtigste überhaupt“, erinnert er sich, „Schule war Nebensache, jede freie Minute habe ich auf dem Flugplatz verbracht.“ Über eine zweite Leidenschaft, das Fahrradfahren und Bauen von Liegerädern, schließt er auch Bekanntschaft mit einem alten Tüftler, der Bauanleitungen für Windräder im kleinsten Maßstab verfasst. Das Fliegen will finanziert werden, und so beginnt der Schüler nebenbei Generatoren für kleine Windräder zu bauen. „Ich habe alles von Schrottplätzen geholt und dann kaputte Generatoren und Lichtmaschinen so umgebaut, dass daraus Wind-Batterielader wurden.“ Dass genau das einmal sein Lebensinhalt sein würde, ahnte Fuglsang natürlich noch nicht, denn eigentlich wollte er nur eins sein: Pilot, bei der Lufthansa.

Jochen Fuglsang 1994 auf einer Brümmer Anlage, Leeläufer 100kW während seines Praktikums in Hessen. Leeläufer-Windräder haben – im Gegensatz zu den meisten modernen Windrädern – den Rotor auf der windabgewandten Seite.
... im Nest

Mit den Leistungskursen Physik und Mathematik startet Jochen Fuglsang ins Abitur, tauscht jedoch die lästige Rechnerei lieber gegen den himmlischen Fliegersport. „Ich würde nicht sagen, dass Mathe gar nicht mein Fach war, aber es war doch hart“, berichtet der heutige Ingenieur. Vielleicht hat es keinen Spaß gemacht, bedingte Wahrscheinlichkeiten im Mathe-Leistungskurs zu berechnen oder das Prinzip von Spaltungen auf atomaren Ebenen in der Physik zu beschreiben. Mit dem Traum vom Arbeiten über den Wolken absolviert er das Abitur dennoch und studiert Maschinenbau! Maschinenbau? „Die Ausbildung bei der Lufthansa wurde leider plötzlich nicht mehr bezahlt und die Perspektive auf einen Job sah nicht mehr so rosig aus. Da ich aber auch immer schon Spaß an der technischen Facette hatte, lag das Maschinenbaustudium nahe“ erklärt Fuglsang. An der Kieler Fachhochschule eingeschrieben, entscheidet sich der damals Zwanzigjährige für die Vertiefungsrichtung Konstruktion. Das Thema Windenergie erwächst jedoch erst, als der Student sein Hauptpraktikum bei einem Hessischen Hersteller für Windkraftanlagen macht. Hier wuchs nun zusammen, was er privat wie akademisch vereinte.

Endlich flügge. Und jetzt?

Mit dem Schwerpunkt regenerative Energiequellen verlässt Jochen Fuglsang als fertiger Maschinenbauingenieur die Fachhochschule. Nach einem ernüchternden Hagel von Absagen, entscheidet sich der frisch graduierte Diplomingenieur dafür, sein Glück zunächst als Praktikant in einem Unternehmen zu versuchen. Bei der Jakobs Energie GmbH bekommt er seine Chance: „Dort waren wir drei Ingenieure: Einer für den Einkauf, einer für die Technik und ich für den Service“, erinnert sich der heute 40-Jährige, „Ging etwas zu Bruch, dann hatte ich mich darum zu kümmern. So habe ich von klein an Ursachenforschung betrieben und versucht, Verbesserungen bei uns oder den Lieferanten umzusetzen.“ Den Fuß einmal in der Tür, ist Fuglsang schnell in die internen Prozesse eingebunden und muss sich auch daran gewöhnen, große Entscheidungen zu treffen. „Da sind Getriebe kaputt gegangen, die kosteten schon damals um die 100.000 Mark. Da ist Verantwortungsgefühl für die Entscheidungen zum Beispiel zur Demontage angesagt – Angst darf man da nicht bekommen“, weiß der heutige Abteilungsleiter.

Besuchergruppe aus China
Fuglsang auf der REpower Windenergieanlage 5M (= 5 Megawatt) in Brunsbüttel, gemeinsam mit einer Delegation aus China.
Und heute? Nur noch bodenständig?

Inzwischen firmiert die Jacobs Energie GmbH als norddeutsche REpower AG, bei der Jochen Fuglsang-Petersen mittlerweile als Abteilungsleiter Engineering Support tätig ist. Unter anderem ist seine Abteilung auch für die Serieneinführung und das technische Produktmanagement zuständig: „Wir sammeln Anforderungen der Firma an ein späteres Serienprodukt, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Ersatzteillisten, Arbeitsanweisungen, bestimmte Kundendokumente oder Schulungskonzepte für Monteure“, beschreibt Fuglsang seine Tätigkeit, „Anschließend koordinieren wir, wer diese Anforderungen am besten erfüllen kann, damit das Produkt schließlich serienmäßig funktioniert“.

Bei aller Koordination und Organisation hat der Kieler das Fliegen allerdings nie aufgegeben. Noch heute ist er leidenschaftlicher Segelflugpilot und verbringt mit seiner Familie viel Zeit auf dem Segelflugplatz oder unter den Wolken. Auch beruflich ist Fuglsang oft im Flieger unterwegs – freilich: höher, schneller, weiter. Da er für das Lizenzgeschäft zuständig ist, sind Auslandseinsätze keine Seltenheit. So war er jüngst noch in China, um zukünftige Geschäfte mit Lizenznehmern abzustimmen.
Auf die Frage, ob er nicht doch lieber Pilot wäre, antwortet er: „Ich bin heute eher froh, dass es damals als Berufspilot nicht geklappt hat. Das Maschinenbaustudium in Verbindung mit der Fliegerei ist genial. Schließlich verdichtet sich hier die Physik zu einer herrlichen Melange aus Technologie und Leidenschaft. Die Aerodynamik der Blätter, die Glasfaserkunststoffe der Flügel, die Windeigenschaften auf den Rotor – es ist super, dass ich die Technik meines Hobbys mit einem zukunftsorientierten Beruf vereinbaren konnte.“

08.02.2012 | 10:43:13

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