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© Michael Bokelmann
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Treibstoff: Frittenfett
Pflanzenöl als alternativer Kraftstoff ist interessant – aber technisch riskant
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© Stefan Richter - Fotolia.com
Super, Diesel, Pommes-Öl. Zumindest für kurze Zeit eine echte Alternative an der Zapfsäule
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Eine echte Alternative für Fahrer, die „kein hundertprozentiges Auto wollen“. Denn so umweltschonend man auch unterwegs ist, Benzin-Filterwechsel im 1.000 Kilometer-Takt und nervige Startprobleme im Winter, wenn das Öl noch nicht flüssig genug ist und erst warmlaufen muss, bremsen das Fahrvergnügen erheblich. Außerdem beschleunigt der Benz wie kalter Lebertran, und auf Vollgas sollte man eh verzichten. Genug Gründe, die Ingenieure auch bei Ford in Köln dazu veranlassen, von dem Betrieb mit Frittenfett abzuraten. Die Kfz-Ingenieure warnen gar vor Garantieverlust und Motorschäden. „Wir weisen die Leute immer darauf hin, dass sie große Risiken eingehen“, erklärt Isfried Hennen, Leiter der Umweltkommission. Wenn manche Öle zu kalt werden, flocken sie, verstopfen den Filter und verstopfen die Spritzufuhr zum Motor. Ab 50 000 bis 100 000 Kilometern steigt so die Gefahr eines "Pumpencrashs", bei dem sich der Förderkolben festfrisst. Zudem muss der Druck der Einspritzdüsen von Hand justiert werden. Außerdem lässt die Qualität langgedienten braun-schwarzen Frittenfetts mitunter auch deutlich zu Wünschen übrig, vor allem wenn es noch voller Essensreste ist und womöglich noch ranzig. Dann darf man es selbst reinigen, damit es überhaupt tankbar ist.
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© Elsbett
Das Unternehmen Elsbett rüstet nicht nur Automotoren auch, Auch LKW und Stromgeneratoren laufen auf Pommesöl.
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Vom Dieselmotor zum Frittenaggregat
Auch wenn mit Pflanzenöl betriebene Dieselmotoren keineswegs problemlos laufen, hat sich das mittelfränkische Unternehmen Elsbett auf eben diese Umrüstungen spezialisiert. „Wer ganzjährig mit Pflanzenöl unterwegs sein möchte, kann zwischen zwei Umrüstarten wählen: dem Eintanksystem und dem Zweitanksystem. Beide Versionen ermöglichen den Betrieb mit Dieselkraftstoff oder Pflanzenöl oder einer Mischung aus beidem“, erklärt Kfz-Techniker Walter Opitsch. Kosten für die Umrüstung: 1.000 bis 5.000 Euro. Beim Fahren mit einem Tank kann das Fahrzeug durchaus allein mit reinem Pflanzenöl betrieben werden. Plattenwärmetauscher sorgen dann dafür, dass das saubere Naturprodukt ausreichend Temperatur annimmt, um mit ihm fahren zu können. Fahrzeuge mit zwei Tanks sind notwendig, wenn der Motor nicht mit Pflanzenöl starten kann und der Motor stattdessen auf Diesel zurückgreifen muss. Erst wenn die Betriebstemperatur erreicht ist, kann manuell oder automatisch auf Pflanzenölbetrieb umgestellt werden. Reines Pflanzenöl ist zu zähflüssig und muss fließ- und zündfähiger werden, um Motorschäden zu vermeiden. „Der Fahrer solcher Systeme muss darauf achten, die Intervalle für den Schmierölwechsel zu verkürzen und bei Minustemperaturen Winterdiesel hinzuzutanken. Bei Zweitanksystemen ist es wichtig, dass vor der Motorabkühlung mit Dieselkraftstoff nachgetankt wird“, so Opitsch.
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© Marian Mocanu - Fotolia.com
Autohersteller raten von der Umrüstung auf Pommesöl ab, Spezialisten stehen drauf.
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Reizlose Gesetze
„Ich hatte auch daran gedacht, den Wagen richtig umzurüsten“, erinnert sich der Pommesöl-Profi Bruckhoff, „doch bereits vor drei Jahren diskutierte die Bundesregierung, das Pflanzenöl versteuern zu wollen. Und dann habe ich es irgendwann aufgegeben. Außerdem wollte ich meinem Fahrzeug nicht die Chance nehmen, irgendwann einmal ein Oldtimer mit Originalmotor zu werden.“
Tatsächlich sorgte das Energiesteuergesetzt 2008 dafür, dass als Kraftstoff eingesetzte Pflanzenöle versteuert werden müssen. Der Eingangssteuersatz beträgt 10 Cent/Liter und wird jährlich um mindestens 7 Cent/Liter erhöht. Schon 2012 soll so der Steuersatz von 45 Cent/Liter erreicht werden. Das wirtschaftliche Einsparpotenzial aus der Anfangszeit der Pommesöl-Fahrer ist damit so gut wie aufgebraucht. Und damit auch der Reiz, eine sehr alternative Energiequelle sowohl technisch als auch gesellschaftlich weiter zu optimieren. Denn kostet der Liter Frittenfett genauso viel wie der Liter makellosen Diesels, erübrigen sich alle wirtschaftlichen Ansätze. Und wer dennoch das günstige Pflanzenfett aus dem Angebot tankt, der darf sich mehr denn je als Held alternativer Energien fühlen – und als Steuerhinterzieher.

