Erneuerbare Energien-Special
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© ChristopheB - Fotolia.com
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Pflanzen - Brennstoffe der Zukunft
Die vielfältigen Ansätze: Vom Bioenergiedorf über Biogas bis zu Bioethanol
„Der Gebrauch von Pflanzenöl als Kraftstoff mag heute unbedeutend sein. Aber derartige Produkte werden im Laufe der Zeit ebenso wichtig wie Petroleum und diese Kohle-Teer-Produkte von heute werden.“
Es war Rudolf Diesel, der diesen Satz in einer Patentschrift von 1912 verfasst hat. Inzwischen ist klar: Die fossilen Energieträger Kohle und Öl sind nicht nur in ihren Vorkommen begrenzt, sondern durch das bei der Verbrennung entstehende Kohlenstoffdioxid auch umweltschädlich, und die Atomkraft als Energielieferant ist aufgrund des Risikofaktors umstritten. Neben Solar- und Windenergie als Alternativquellen hat sich der Fokus in den vergangenen Jahren vor allem hin zu den sogenannten NaWaRos, also nachwachsenden Rohstoffen, verschoben.
Pflanzen als Brennstoffe der Zukunft – nicht einmal 100 Jahre später nehmen sie im Kreise der neuen Energiequellen schon eine beträchtliche Rolle ein. Nach Windenergie und Wasserkraft rangierte Biomasse (inkl. Biogas) im Jahr 2007 an Position drei der Stromzeugung aus erneuerbaren Energien, dies entspricht einem Anteil von knapp 25 Prozent (laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor).
Es war Rudolf Diesel, der diesen Satz in einer Patentschrift von 1912 verfasst hat. Inzwischen ist klar: Die fossilen Energieträger Kohle und Öl sind nicht nur in ihren Vorkommen begrenzt, sondern durch das bei der Verbrennung entstehende Kohlenstoffdioxid auch umweltschädlich, und die Atomkraft als Energielieferant ist aufgrund des Risikofaktors umstritten. Neben Solar- und Windenergie als Alternativquellen hat sich der Fokus in den vergangenen Jahren vor allem hin zu den sogenannten NaWaRos, also nachwachsenden Rohstoffen, verschoben.
Pflanzen als Brennstoffe der Zukunft – nicht einmal 100 Jahre später nehmen sie im Kreise der neuen Energiequellen schon eine beträchtliche Rolle ein. Nach Windenergie und Wasserkraft rangierte Biomasse (inkl. Biogas) im Jahr 2007 an Position drei der Stromzeugung aus erneuerbaren Energien, dies entspricht einem Anteil von knapp 25 Prozent (laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor).
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© Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
So funktioniert die Selbstversorgung in einem Bioenergiedorf, hier am Beispiel von Jühnde
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Der Begriff „Biomasse“ ist im Zuge der Diskussion um erneuerbare Energien zum Schlagwort geworden. Aber was ist eigentlich damit gemeint? Biomasse ist von Pflanzen durch Fotosynthese in biochemische Energie umgewandelte Sonnenenergie. Ihre Grundlage sind Kohlehydrate, die aus Kohlendioxid und Wasser entstehen. Die gespeicherte Energie kann – zum Beispiel durch Verbrennung - wieder freigesetzt werden. Es gibt verschiedene Brennstoffe, die aus Biomasse gewonnen werden: Biodiesel aus Raps und anderen Ölpflanzen, Bioethanol aus Getreide und Zuckerrüben, sogenannter BtL-Diesel („Biomass to Liquid“) aus Holz und Agrarpflanzen und Biogas aus Agrarpflanzen, Gülle und Biomüll. Biogas ist energetisch am ergiebigsten, gemessen am Jahresertrag aus einem Hektar Anbaufläche. Dieser entspricht umgerechnet circa 6000 Litern Benzin, während es bei Bioethanol zum Beispiel nur circa 1700 Liter sind.
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© R.-Andreas Klein - Fotolia.com / solar compex / Wolfgang Jargstorff - Fotolia.com
Das technische Leben in einem Bioenergiedorf: In der Mitte das Blockheizkraftwerk, das der Stromerzeugung dient
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Selbstversorgung im Bioenergiedorf
Mauenheim ist ein idyllischer Ort in der Nähe von Singen in Baden-Württemberg mit etwa 100 Haushalten und 430 Einwohnern. Das wäre kaum erwähnenswert, gäbe es nicht eine Besonderheit: Mauenheim ist ein Bioenergiedorf, eines von über 20 in Deutschland. Am Ortsrand von Immendingen-Mauenheim steht eine Biogasanlage, die jährlich vier Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt - das Neunfache des Mauenheimer Strombedarfs. Verarbeitet werden Energiepflanzen, die rund um das Dorf angebaut werden, wie Mais, Ganzpflanzensilage (also durch Gärung konserviertes Grünfuttermittel) oder Kleegras. Dazu kommt der Mist eines benachbarten Rinderstalls. Das bei der mikrobiologischen Fermentation/Vergärung der eingesetzten Biomasse entstehende energiereiche Methan wird im benachbarten Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung genutzt. Bei der Biogaserzeugung fällt außerdem eine Abwärme von ca. 3,5 Mio. kWh an, die einer Heizölmenge von 350.000 Litern entspricht und den Wärmebedarf des Ortes komplett deckt. Auch die industrielle Nutzung, deren Dimensionen weit über die eines Selbstversorgerdorfes hinausgehen, hat bereits begonnen.
Mauenheim ist ein idyllischer Ort in der Nähe von Singen in Baden-Württemberg mit etwa 100 Haushalten und 430 Einwohnern. Das wäre kaum erwähnenswert, gäbe es nicht eine Besonderheit: Mauenheim ist ein Bioenergiedorf, eines von über 20 in Deutschland. Am Ortsrand von Immendingen-Mauenheim steht eine Biogasanlage, die jährlich vier Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt - das Neunfache des Mauenheimer Strombedarfs. Verarbeitet werden Energiepflanzen, die rund um das Dorf angebaut werden, wie Mais, Ganzpflanzensilage (also durch Gärung konserviertes Grünfuttermittel) oder Kleegras. Dazu kommt der Mist eines benachbarten Rinderstalls. Das bei der mikrobiologischen Fermentation/Vergärung der eingesetzten Biomasse entstehende energiereiche Methan wird im benachbarten Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung genutzt. Bei der Biogaserzeugung fällt außerdem eine Abwärme von ca. 3,5 Mio. kWh an, die einer Heizölmenge von 350.000 Litern entspricht und den Wärmebedarf des Ortes komplett deckt. Auch die industrielle Nutzung, deren Dimensionen weit über die eines Selbstversorgerdorfes hinausgehen, hat bereits begonnen.
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© RWE Power
So funktioniert die Energiegewinnung in einer Biogasanlage.
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In Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) entsteht ein Bioenergie-Park, in dem Biogas vorwiegend aus Mais gewonnen und so veredelt wird, dass es direkt in eine anliegende Erdgasleitung eingespeist werden kann. Insgesamt werden 300.000 Tonnen Maissilage, 20.000 Tonnen Getreide und 60.000 Tonnen Gülle pro Jahr benötigt, die in unmittelbarer Umgebung erzeugt werden. Die damit produzierte Menge von 46 Mio. Kubikmetern Biomethan dient zur Gewinnung von ca. 160 Mio. kWh Strom und 180 Mio. kWh Wärme. Das reicht zur Versorgung von über 30.000 Haushalten. Und selbst die Gärreste dienen noch der Energiegewinnung, indem sie in einem nachgelagerten Prozess zu Holzpellets verarbeitet werden.
Biogas ist nicht nur umweltschonend und CO2-neutral, sondern erzielt auch einen höheren Wirkungsgrad (also eine größere Ausbeute bei der Energieumwandlung) als andere Energieträger. Zum Vergleich: Biogas: 39%, Kohlekraft: 37%, Atomkraft: 35%. Beeindruckender wird die Differenz, wenn zum elektrischen der thermische Wirkungsgrad hinzugerechnet wird. Der liegt bei Biogas nämlich bei 48% - jede Menge zusätzliche Energie, die sich als Fernwärme nutzen lässt.
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© DAS - IB GmbH
Gasbrunnen auf einer Mülldeponie.
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Biogas kann aber auch noch auf andere Weise gewonnen werden - und zwar aus Müll. Tief im Inneren der Müllberge von Deponien bauen Mikroorganismen organische Bestandteile des Abfalls ohne Sauerstoffzufuhr ab. Dabei entsteht Methan, das zur Strom- und Wärmegewinnung nutzbar gemacht werden kann, indem es über perforierte Gasrohre, sogenannte Gasbrunnen, abgeleitet wird. Eine solche Wertschöpfung wird in vielen Städten praktiziert, so wird das auf der Deponie Ost in Karlsruhe entstehende Gas beispielsweise schon seit 1991 auf diese Weise verwertet.
„Biomass to Liquid“
Die energetisch beste Alternative zur Herstellung von Biogas stellt der „Biomass to Liquid“-Ansatz dar, bei dem in einem vergleichsweise komplizierten Verfahren sogenannte Synthesekraftstoffe gewonnen werden. Dabei wird die Biomasse in einem ersten Schritt durch Schnellpyrolyse (Spaltung organischer Verbindungen durch hohe Temperaturen ohne Verbrennung) in einen Schlamm (den „Slurry“) verwandelt, dessen hohe Energiedichte in etwa der von Rohöl entspricht. Die leicht transportierbare Flüssigkeit wird dann in zentralen Großanlagen zur Erzeugung von teerfreiem Synthesegas eingesetzt. Hierbei wird das aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid bestehende Gas in einem Flugstromvergaser bei einem Druck von bis zu 80 Bar auf über 1200 Grad erhitzt. Aus dem entstandenen Gas wiederum lassen sich durch verschiedene Verfahren alle möglichen Arten von Kraftstoffen herstellen, die ihren „erdölbasierten Brüdern“ in Umweltverträglichkeit und Leistungsstärke sogar überlegen sind. Das Beste daran: Haupteinsatzstoffe für das Verfahren sind Abfälle wie Baumschnitt, Restholz, Altpapier, Heu - und vor allem natürlich: Stroh.
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© Sly - Fotolia.com
Kraftstoff aus Stroh - Bioethanol der zweiten Generation ist eine Alternative.
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Nicht nur Rudolf Diesel, sondern auch ein anderer Pionier des Automobilbaus kam schon früh auf die Idee, Treibstoff auf pflanzlicher Basis zu verwenden: Henry Ford setzte zunächst bei der Planung seiner „Tin Lizzy“, des ersten Autos aus Serienproduktion, auf Ethanol. Von der Herstellung aus Mais und Getreide sollte auch die Landwirtschaft profitieren. Da Benzin aus Erdöl aber billiger und leichter verfügbar war und außerdem die Standard Oil Company ihren Einfluss geltend machte, wurde der Motor kurzerhand auf Benzin umgestellt.
Die Idee des Agrartreibstoffs hat inzwischen eine Renaissance erfahren. In Brasilien, Argentinien, den USA und Schweden sind ethanolbetriebene Fahrzeuge längst keine Seltenheit mehr. Die Produktion von Bioethanol hat allerdings ein neues Problem hervorgerufen. In Brasilien wird er hauptsächlich aus Zuckerrohr hergestellt, in den USA aus Mais. Brasilien verarbeitet bereits die Hälfte seiner Ernte zu Ethanol, und der Zuckerpreis hat sich seit 2004 verdoppelt. Die USA haben wegen ihres Treibstoffbedarfs ihre Maisexporte gekürzt, was die Maispreise in die Höhe getrieben hat und für Importländer wie zum Beispiel Mexiko, wo Mais ein Grundnahrungsmittel ist, existenzbedrohende Konsequenzen hat.
Es wird nach Lösungen gesucht, den aufkeimenden Konflikt zwischen Nahrung für die Armen und Kraftstoff für die Reichen unter Kontrolle zu bekommen - vor allem durch die Suche nach neuen Herstellungsverfahren. Zellulose-Ethanol, auch Bioethanol der zweiten Generation genannt, wird nicht mehr aus Pflanzen, die auch der Nahrungsmittelproduktion dienen, hergestellt, sondern aus zellulosehaltigen Rohstoffen wie Chinaschilf, Rutenhirse, Stroh und Holz, in denen der zur Ethanolherstellung notwendige Zucker in den Zellwänden eingelagert ist. Eine besondere Rolle spielt dabei in der Entwicklung unter anderem ein Pilz namens Trichoderma reesei, der in der Lage ist, komplizierte Zellulose-Moleküle durch Enzyme in einfache Zucker aufzuspalten.
