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„Die Entwicklung eines Hybridkraftwerkes ist hochspannend“

Stephanie Seidler (25) ist Diplomingenieurin für Elektrotechnik und arbeitet seit anderthalb Jahren am Institut für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart. Das Institut beschäftigt sich mit der Nutzbarmachung von effizienten und ressourcenschonenden Energiewandlungstechnologien und mit der beschleunigten Nutzung erneuerbarer Energien. Schwerpunkte sind die Solar- und die Brennstoffzellenforschung.
Was sind Ihre Aufgaben? Wie würden Sie Ihr Arbeitsgebiet umreißen?

Ich arbeite im Bereich der stationären Energieversorgung mit Hochtemperaturbrennstoffzellen, die bei Temperaturen von 800°C betrieben werden. Hier bin ich für zwei Aufgabenbereiche verantwortlich: Der eine umfasst das Planen, Aufbauen, Durchführen und Auswerten von Experimenten. Der andere beinhaltet die Leitung von Projekten. Dies bedeutet in meinem Fall, Ressourcen für Experimente und Personalbedarf zu ermitteln und verfügbar zu machen sowie Projektberichte zu schreiben. Momentan arbeiten wir zu dritt an einem Projekt. In Zukunft soll das Team noch weiter aufgestockt werden.

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

Seit 2006 ist unsere Fachgruppe Systemtechnik in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Verbrennungstechnik und dem Institut für Luftfahrtantriebe der Universität Stuttgart mit der Entwicklung eines Hybridkraftwerks beschäftigt. Ein Hybridkraftwerk ist die Kopplung einer druckaufgeladenen Hochtemperatur-Brennstoffzelle mit einer Gasturbine. Dadurch kann elektrische Energie hocheffizient bereitgestellt werden, der erwartete Wirkungsgrad liegt bei weit über 60 Prozent. In der jetzigen Phase testen wir alle Komponenten einzeln, sowohl experimentell als auch mithilfe von Modellen. Meine Hauptaufgabe besteht in experimentellen Untersuchungen der Brennstoffzelle bei erhöhtem Druck. Die nächste Phase ist dann eine reale gekoppelte Demonstrationsanlage.
Arbeiten Sie mit Ingenieuren anderer Fachbereiche zusammen? Wenn ja, mit welchen?

Ich habe sehr viel mit Ingenieuren anderer Fachbereiche zu tun. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Gebieten: Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Verfahrenstechnik, Informatik, Werkstoffkunde und Chemie.

Was hat Sie zum Ingenieurstudium motiviert? Gab es eine besondere Inspiration, zum Beispiel einen Jugendtraum, sich gerade für diese Ausbildung zu entscheiden?

Technik hat mich schon immer interessiert, was aber nicht heißt, dass ich als Kind ständig irgendwelche Bausätze zusammengebaut hätte.
Stephanie Seidler lebt in Stuttgart und in ihrer Freizeit trifft sie sich gern mit Freunden, liest und macht Musik
Waren Sie in der Schule in Mathematik und Physik immer ein 1er-Kandidat?

In Mathematik war ich immer ganz gut, wenn auch nicht unbedingt immer eine 1er-Schülerin. Mathematik zählte neben Englisch und Chemie auch zu meinen Leistungskursen. Physik hatte ich hingegen abgewählt.

Was hat Sie zum Ingenieurstudium motiviert? Gab es eine besondere Inspiration, zum Beispiel einen Jugendtraum, sich gerade für diese Ausbildung zu entscheiden?

Technik hat mich schon immer interessiert, was aber nicht heißt, dass ich als Kind ständig irgendwelche Bausätze zusammengebaut hätte.

Wenn Sie die freie Wahl hätten: Welches Projekt würden Sie gerne in Angriff nehmen?

Ich finde mein Projekt so spannend, dass ich im Moment gar nichts anderes machen möchte.
Wie sah Ihre Ausbildung aus?

Nach dem Abitur begann ich mit meinem Studium der Elektrotechnik an der FH Koblenz. Ich hatte mich beim Tag der offenen Tür über die Studiengänge Maschinenbau und Elektrotechnik informiert und fand dann Elektrotechnik sogar noch ein bisschen interessanter.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung interessante Praktika gemacht – wenn ja, welche?

Ich habe während meines Studiums ein Praxissemester bei Siemens absolviert. Bereits damals beschäftigte ich mich mit Hochtemperatur-Brennstoffzellen. Darüber verfasste ich dann auch meine Diplomarbeit.
Welche persönlichen Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach hilfreich für den Ingenieurberuf?

Natürlich zuallererst das Interesse an Technik im Allgemeinen. Ganz wichtig ist aber auch die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem: Man wird in diesem Beruf ständig mit neuen Dingen konfrontiert und muss diese in seine Arbeit miteinbeziehen. Das hat jedoch den großen Vorteil, dass es einem nie langweilig wird. Teamgeist ist in vielen Bereichen wichtig, wo man mit anderen zusammenarbeitet. In der Forschung ist dies jedoch nicht immer erforderlich, sodass dieser Bereich auch Möglichkeiten für Leute bietet, die lieber im stillen Kämmerlein arbeiten.
Welche Tipps würden Sie Schülern geben, die sich für den Ingenieurberuf interessieren?

Sie sollten sich nicht von Vorurteilen abschrecken lassen. Lange Zeit wurden technische Studiengänge als wenig attraktiv abgetan. Maschinenbau- und Elektrotechnikstudenten hatten das Image, nur mit Karohemden und Gesundheitssandalen aufzutreten. Dies ist aber schon längst nicht mehr der Fall – wenn es jemals so war. Man sollte sich als Frau aber definitiv darauf einstellen, in der Minderheit zu sein. Im ersten Semester waren wir zwei Frauen unter 90 Studenten, in den letzten Semestern zwei Frauen unter 30. Wir haben also durchgehalten und die Quote verbessert. Man darf sich da nur nicht beirren lassen. Ich muss aber sagen, mich hat das nie groß gestört. Zum einen war ich das aus dem Mathe-LK gewöhnt, zum anderen erspart man sich dadurch viel Zickenterror. Man muss es sich nur zutrauen und dann beharrlich sein. Etwas Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit gehören also schon dazu.

01.02.2012 | 18:36:48

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