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Erneuerbare Energien-Special
Solarracer N°1
Von der solaren Rennflunder zum Alltagsfahrzeug
SolarCar – solarer Motorsport an der Hochschule Bochum
Die Aufgabe
Für die Teilnahme an der Global Green Challenge im Oktober 2009 in Australien – über 3000 Kilometer von Darwin nach Adelaide in acht Renntagen – wollen sie ein völlig neues Fahrzeug entwickeln und bauen. Als konsequente Weiterentwicklung wird das neue Solarmobil Pkw-typische Abmessungen und vier Räder besitzen und damit mehr einem Alltagsfahrzeug als einem Rennwagen ähneln.

Die Ziele sind hoch gesteckt: Bei der World Solar Challenge 2007 erreichte das Team der Hochschule Bochum mit ihrem Fahrzeug „SolarWorld No.1“ den 4. Platz sowie den Design-Award für das schönste SolarCar der Welt. Doch Stefan Spychalski, der Pressesprecher des Teams, übt sich in Bescheidenheit: „Durch unser alltagstaugliches Konzept haben wir keine echten Siegchancen gegen die ‘Rennflundern‘ der Wettbewerber. Wir möchten in erster Linie mit dem innovativsten Fahrzeug am Wettbewerb teilnehmen und der Weltöffentlichkeit erneut beweisen, was ’made in Germany’ bedeutet“, macht Spychalski deutlich.
BOcruiser Werkstatt
Studenten des Projektteams beim Erstellen des Cockpits aus Kohlenstofffasern

Das Team
Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Friedbert Pautzke arbeiten über 40 Studenten der Fachbereiche Mechatronik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik sowie Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Sponsoren gemeinsam an dem Projekt. Die wahlfreie Lehrveranstaltung "Entwicklung von solarbetriebenen Fahrzeugen" gehört zum festen Bestandteil des Studienprogramms der Hochschule. Die studentische Teamleitung ist für alle konkreten Entwicklungsschritte und den Einsatz der notwendigen Ressourcen verantwortlich. Die Lehrkräfte begleiten das Projekt und sorgen für die benötigte Infrastruktur und das Material.

Für Jennifer Ostermann, Maschinenbaustudentin im 6. Fachsemester und Pilotin des Solarrennwagens, lohnt sich die Doppelbelastung Studium und Projektarbeit: „Man bekommt einen guten Einblick in die Arbeitswelt und muss Dinge bewältigen, die man im Studium nicht lernt. Für mein Praxissemester hatte ich dann mehrere Angebote aus der Automobilindustrie, habe mich aber letztendlich für einen Solar-Modulhersteller in Amerika entschieden.“

Auch Ihr Studienkollege Arne Austing, zeitweise Mechanik-Teamchef und gerade beim Auslandspraktikum in Argentinien, sieht klare Vorteile für den späteren Berufsweg: „Das SolarCar-Projekt eignet sich hervorragend, um praktische Erfahrung bereits während des Studiums zu sammeln sowie sich spezielle Fähigkeiten, wie beispielsweise die Organisation eines gesamten Zyklus der Produktentwicklung, anzueignen.“

Prof. Pautzke ist begeistert vom Engagement seiner Studenten: "Hier qualifizieren sich die perfekten Ingenieure von morgen: projekterfahrene, konfliktfähige und hoch motivierte Teamarbeiter, für die auch interkulturelles Management kein Fremdwort ist."

Das Auto
Die Bochumer Solarmobile sind Leichtbaukonstruktionen aus Kohlefaserverbundwerkstoffen in Kombination mit hochfestem Aluminium. Eine komplexe Überwachungselektronik steuert das Laden und Entladen der sensiblen Lithium-Ionen-Akkus. Scheint die Sonne, fährt das Solarauto – ist es bewölkt, muss die Batterie einspringen. Voll aufgeladen reicht diese für etwa sechs Stunden Fahrt.

Bei SolarWorld No. 1 sorgt ein Nabenmotor im Vorderrad für den nötigen Vortrieb. Sechs Quadratmeter Solarzellen produzieren bei intensivem Sonnenschein die Leistung, die ein handelsüblicher Fön benötigt. Dies reichte 2007 – bei optimalen Bedingungen unter der Sonne Australiens – für eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 73 km/h und einer Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h.
Entwicklung und Bau von SolarWorld No.1

Das Projekt:
SolarCar ist ein Hochtechnologieprojekt, welches die Vielschichtigkeit des Ingenieurberufes beschreibt: Projektmanagement, Teamarbeit, interkulturelle Perspektiven und nicht zuletzt die Herausforderung, durch effiziente Energienutzung ein Fahrzeug vollständig mit regenerativer Energie zu betreiben – völlig emissionsfrei.

Die Liste der Sponsoren liest sich wie das „Who is Who“ der deutschen Technologieunternehmen: Neben namhaften Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie bieten mittelständische Unternehmen unterschiedlichster Branchen spezielles Know-how und Unterstützung in den Bereichen Messtechnik, Kunststoffverarbeitung, Photovoltaik, Steuerungselektronik sowie Aerodynamik .

Solarautobau an der Hochschule Bochum im Rückblick
Seit 1998 werden an der Hochschule Bochum solare Rennfahrzeuge entwickelt, gebaut und gefahren: 1998 Mad Dog III, 2002 und 2004 Hans Go! und zuletzt SolarWorld No.1, mit dem 2007 und 2008 zahlreiche Rennen in Australien und USA bestritten wurden.

Hatte das Vorläufermodell Hans Go! noch einen Luftwiderstandswert von 0,135 cw, eine projizierte Solarfläche von 8 m² sowie eine Solarzellenleistung von 6 x 400 W (Wirkungsgrad von ca. 25 %), so überzeugt SolarWorld No.1 durch konsequenten Leichtbau und höchste Energieeffizienz: Die Form der Kohlefaserkarosserie wurde im Windkanal getestet und unterbietet mit einem cw-Wert von 0,09 jeden herkömmlichen PKW im Windwiderstand. Die auf sechs Quadratmetern installierten GaAs-Solarzellen haben einen Wirkungsgrad von 29 %. Der Radnabenmotor im Vorderrad verfügt über eine Nennleistung von 3,75 kW. Allein der Materialwert des Wagens beträgt etwa 500.000 Euro.

Doch welche Leistung auch das neueste Modell 2009 bringen wird, Autos für den Alltag werden hier nicht entwickelt: Serientauglich werden reine Solarmobile auch in zehn oder zwanzig Jahren kaum sein.

Welches Team bewältigte dieses Mal die über 3000 Kilometer von Darwin nach Adelaide in der kürzesten Zeit? Wie konnte sich das Team der Hochschule Bochum, in diesem Jahr mit zwei Rennwagen unterwegs, behaupten? Wer hatte die besten Nerven, die zuverlässigste Technik oder aber das beste Design? Alle Antworten und weitere Infos gibt's in Teil 2.
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02.09.2010 | 15:01:30

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