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Wasserkrafttechnologie
Zukunftsbranche Wasserkrafttechnologie: Mehr Strom aus Meerwasser
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Der denkmalgeschützte Kirchturm St. Peter im Reschensee, einem Stausee, der 1950 für die Stromgewinnung errichtet wurde. Die Bevölkerung des Dorfes Graun wurde umgesiedelt.
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Wie funktionieren Wasserkraftwerke?
Man unterscheidet zwischen Laufwasserkraftwerken, Speicherkraftwerken sowie Pumpspeicherkraftwerken. Laufwasserkraftwerke nutzen das natürliche Gefälle eines Flusses, Pumpspeicherwerke dagegen das Gefälle zwischen zwei Speicherbecken. In Deutschland sind in erster Linie Laufwasser- sowie Pumpspeicherkraftwerke in Betrieb.
Neben der Erzeugung von Strom dienen Pumpspeicherkraftwerke auch der Speicherung von Energie: In Zeiten geringen Stromverbrauchs – meist nachts – wird mit der überschüssigen Energie Wasser in ein höher gelegenes Speicherbecken gepumpt. Von dort kann es bei Tage, während der Spitzenverbrauchszeiten, abgelassen werden. Dabei wird die mechanische Energie des abfließenden Wassers auf eine Wasserturbine übertragen und dadurch ein hohes Drehmoment erzeugt. Über ein Getriebe wird dieses wiederum an die Welle des Generators weitergeleitet und durch den Generator in Strom umgesetzt.
Energie aus dem Meer: Wellen, Gezeiten- und Meeresströmungen
Das Meer bietet ein unerschöpfliches Energiepotenzial. Kontinuierliche Strömungen, Ebbe und Flut sowie die Wellenbewegung sind nachhaltige Energielieferanten.
Um die Energie des wechselnden Wasserspiegels des Meeres im küstennahen Bereich, also des Tidenhubs, und die kinetische Energie des Gezeitenstromes zur Produktion von elektrischem Strom zu nutzen, baut man Gezeitenkraftwerke. Diese funktionieren im Prinzip wie eine moderne Windanlage – nur unter Wasser. Eine Unterwasserturbine nutzt die Strömung von Ebbe und Flut, welche zuverlässig Tag für Tag kommen – was man vom Wind nicht behaupten kann.
Das erste Wasserkraftwerk, das aus Meereswellen Strom produziert und in ein bestehendes Stromnetz einspeist, betreibt Voith Siemens Hydro vor der schottischen Westküste. Beim Wellenkraftwerk wird – im Gegensatz zum Gezeitenkraftwerk – die Energiedifferenz zwischen Ebbe und Flut nicht über den Tidenhub, sondern über die Wellenbewegung genutzt. Entsprechend dem Wellengang lässt eine Öffnung an der Vorderseite eines Wellenbrechers das Wasser in einer Kammer steigen oder fallen. Die in der pneumatischen Kammer eingeschlossene Luft wird dabei abwechselnd komprimiert und dekomprimiert. Die Energie aus den Druckunterschieden lässt sich über eine Turbine wiederum in Strom umsetzen.
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© Voith AG
Unterwasserturbine
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Beim Meeresströmungskraftwerk dagegen wird, ähnlich wie beim Gezeitenkraftwerk, über einen Unterwasserrotor aus der natürlichen Strömung Elektrizität erzeugt. Das Meeresströmungskraftwerk nutzt allerdings nicht die Energie von Ebbe und Flut, sondern die kontinuierliche Meeresströmung.
Osmosekraftwerke in Norwegen
Ein völlig neuartiges Verfahren zur Gewinnung von Energie aus Wasser ist die Osmose: Dabei wird der unterschiedliche Salzgehalt von Meer- und Flusswasser dazu genutzt, Strom zu erzeugen. In einem Kraftwerk an einer Flussmündung wird das Flusswasser – abgetrennt durch eine dünne Kunststoffmembran – so durch Salzwasser geleitet, dass das Süßwasser durch die Membran zum Salzwasser diffundieren kann. Auf der Salzwasserseite entsteht dadurch ein Überdruck, der wiederum eine Turbine antreibt. Je größer der Unterschied im Salzgehalt und je höher die Durchflussmenge, umso größer ist dabei die Energieausbeute.
Norwegen will 2015 das erste kommerzielle Salzkraftwerk in Betrieb nehmen. Fachleute gehen davon aus, dass das Land theoretisch 20 % seines jetzigen Stromverbrauchs durch Osmose gewinnen könnte.
Nicht nur Wasserkrafttechnologie und Know-how „Made in Germany“ sind weltweit gefragt, sondern auch Ingenieure. Für die Turbinenentwicklung sind Maschinenbauingenieure zuständig, im Wasserbau sind es die Bauingenieure. Als Studiengänge bieten sich Maschinenbau oder Elektrotechnik an, kombiniert mit Vertiefungsfächern aus dem Bereich der Energietechnik. Die Alternative ist Energietechnik als grundständiger Studiengang: eine interdisziplinäre Ingenieurwissenschaft, in der sich viele andere Disziplinen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik oder Umwelttechnik wiederfinden. Der Vorteil: Durch den interdisziplinären Ansatz hat man als Student ausreichend Zeit und fachlichen Zugang, um sich für eine der regenerativen Energien zu entscheiden.
Branchenexperten zufolge fehlt es an Elektro- und Maschinenbauingenieuren sowie Verfahrenstechnikern – insbesondere Maschinenbauer mit Schwerpunkt Wasserkraft werden zurzeit mit der Lupe gesucht. „In der Wasserkraft geht es um Großmaschinen mit hochkomplexen Strömungsvorgängen. Ein schwieriges, aber sehr faszinierendes Thema, zu dem wir junge Menschen ermutigen wollen. Immerhin suchen wir weltweit etwa 400 Ingenieure“, so Dr. Roland Münch, Vorstand der Voith Siemens Hydro Power, die sich gemeinsam mit der EnBW Energie Baden-Württemberg seit Jahresanfang mit einer Stiftungsprofessur am Institut für Strömungsmechanik und Hydraulische Strömungsmaschinen an der Uni Stuttgart engagiert. In diesem Sinne kann man jedem mit Interesse und der entsprechenden Qualifikation zu einem Studium im Bereich Energietechnik nur raten.

