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EUROPASS

Der EUROPASS: Flatterfrei getestet

Der Spielball der EURO 2008 soll runder, präziser und beständiger als jeder andere sein

Der deutsche Nationaltorwart Jens Lehmann hatte sich beschwert: Der Ball der Euro 2008 soll seiner Einschätzung zufolge flattern.

Der EUROPASS, so lautet die Bezeichnung des bei der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz eingesetzten Spielgeräts, sei – das behauptet Hersteller adidas - runder, präziser und beständiger als jeder andere Spielball. Das wurde in vielen wissenschaftlichen Tests unter Laborbedingungen und auf dem Spielfeld nachgewiesen – die Normen für das Qualitätssiegel „FIFA Approved“ würden nicht nur erfüllt, sondern in jedem Aspekt sogar übertroffen.
Ballproduktion1
Der EUROPASS in der Produktion.
Ein Fußball soll möglichst rund sein, einer Kugel gleich. Denn je runder ein Ball ist, desto ausgewogener verhält er sich im Flug, desto präziser und besser vorhersehbar lässt er sich schießen. Der an 16 Punkten gemessene Durchmesser sollte möglichst identisch sein, laut FIFA-Norm darf die Abweichung 1,5 Prozent nicht überschreiten. Beim EUROPASS liegt sie bei 1,0 Prozent. Der Umfang, an zehn Punkten gemessen, beträgt 69 cm und liegt damit genau inmitten der von der FIFA geforderten Bandbreite (68,5 bis 69,5 cm).

Auch die Wasseraufnahmeprüfung hat der EM-Ball bestanden. Eine spezielle Thermo-Klebetechnik mache ihn „praktisch wasserundurchlässig“, die maximale Gewichtszunahme liegt dem adidas-Test zufolge bei 4,5 Prozent und damit deutlich unter der FIFA-Norm von 10 Prozent. Somit sind die Eigenschaften des Balls bei trockenen wie nassen Spielverhältnissen annähernd gleich. Auch der generelle Gewichtsunterschied ist mit maximal drei Gramm gering, jeder ausgelieferte EUROPASS soll zwischen 441 und 444 Gramm wiegen.
Ball-Produktion2
Am Ende der Ballherstellung kommt die Außenhaut darum.
Um die Form und Größenbeständigkeit zu prüfen, wurde der EM-Ball 3.500 Mal mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h gegen eine Stahlplatte geschossen. Nach diesem Test sind nur minimale Veränderungen des Luftdrucks und der Rundheit aufgetreten, das Luftventil und die Nähte wiesen keinerlei Beschädigungen auf. Auch beim Abriebtest, Prüfung des einheitlichen Rückprallvermögens und des Druckverlustes erfüllte der EUROPASS die Verbandsvorgaben.
Mit Chips und Sensoren: der „intelligente Ball“

Im Gespräch, aber noch nicht realisiert, war vor einigen Jahren ein so genannter „intelligenter Ball“. Hierbei sollte im Fußball ein Chip oder Sensor platziert werden, mit deren Hilfe wichtige Parameter zur Spielanalyse gewonnen werden könnten. So könne zu jedem Zeitpunkt präzise festgestellt werden, wo sich der Ball befindet.

Die Idee: Während derzeit der Fernsehbeweis ein großes Diskussionsthema ist, wobei die Schiedsrichter anhand von TV-Bildern bestimmte Spielsituation beurteilen sollen, könnten auch elektronische Chips oder Sensoren im Fußball eine große Hilfe sein. Sie können dem Unparteiischen zum Beispiel anzeigen, ob der Ball in vollem Umfang die Torlinie überschritten hat. Oder mit Hilfe von weiteren an der Bekleidung der Sportler befestigten Sensoren können auch Spielsituationen, in denen Ball und Spieler in Erscheinung treten, besser beurteilt werden: So zum Beispiel die immer wieder viel diskutierten Abseitsentscheidungen.
Lahm
Nationalspieler Philipp Lahm mit dem EUROPASS.
Es besteht zudem die Möglichkeit, vielfältige statistische Daten zur Unterstützung der Spielanalyse zu gewinnen. So kann mit im Fußball, an den Sportlern und am Spielfeld verteilten Sensorenchips die Anzahl der Ballkontakte oder die Schussgeschwindigkeit des Balls exakt bestimmt werden. Eine Aufbereitung dieser Daten zur Analyse des Spielverhaltens, zur Unterstützung des Schiedsrichters oder für beliebige andere statistische Zwecke erfolgt dann über einen Zentralrechner, wo alle Daten zusammenlaufen und mithilfe geeigneter Software aufgearbeitet werden.

Für die Positionsbestimmung des Balls auf dem Spielfeld wurden mehrere Methoden getestet, die praktikabelste Methode scheint die in der japanischen J-League erprobte Magnetfeld-Methode. Das Spielfeld wird in variierende und sich gegenseitig beeinflussende Magnetfelder aufgeteilt, die den Aufbau eines magnetischen Koordinatensystems ermöglichen. Wird zudem der Fußball mit einem Magnetfeldsensor bestückt, ist eine genaue Ortsbestimmung möglich.
Vier Bälle
Blick zurück in die Fußball-Historie: der Telstar von 1974, der Tango von 1978, der Azteca von 1986 und der Etrusco Unico von 1990.
Ball von 2006
Bei der WM in Deutschland eingesetzt: der +Teamgeist.
Eine kleine Geschichte der vorwiegend technischen Entwicklung des Fußballs:

Seit 1970 produziert adidas alle Spielbälle, die bei Welt- und Europameisterschaften eingesetzt wurden. Der Telstar, der bei den Weltmeisterschaften 1970 in Mexiko und 1974 in Deutschland eingesetzt wurde, war der erste schwarz-weiße Ball – dieser „Fernsehball“ konnte auf Schwarz-Weiß-Bildschirmen besser erkannt werden als seine braunen Vorgänger.

Ein neues Design brachte der Tango, erstmals 1978 bei der WM in Argentinien eingesetzt: Statt Wabenmuster vermitteln 20 gleiche „Triaden“ den optischen Eindruck von zwölf identischen Kreisen. Bei der 1982 in Spanien durchgeführten WM bekam der Tango España mit wasserdicht versiegelten Nähten eine technische Innovation, wodurch der Ball bei Regenwetter nicht mehr so extrem schwer wurde wie vorher.

Nicht mehr als Lederball sondern als vollsynthetischer Spielball reduzierte der Azteca bei der WM 1986 in Mexiko die Wasseraufnahme noch deutlicher. Komplett wasserdicht war dann der Etrusco Unico 1990 bei der WM in Italien – durch eine innere Schicht aus schwarzem Polyurethan-Schaum. Eine Hightech-Schicht aus weißem Polyurethan-Schaum sorgte bei dem Questra von 1994 (WM in den USA) und 1996 (EM in England) für eine bessere Kontrolle am Fuß und höhere Schussgeschwindigkeiten. Es folgten bei dem Tricolore (1998 WM in Frankreich) als erstem mehrfarbigen WM-Spielball und dem Terrestra (2000 EM in Belgien und den Niederlanden) farbliche Höhepunkte in der Ballentwicklung.
Europass
...und jetzt kommt der Europass.
Der Fevernova (2002 WM in Japan und Südkorea) sorgte dann mit einem neuen dreilagigen Gewebe für eine besser berechenbare Flugbahn des Balls. Der Roteiro (EM 2004 in Portugal) bestand ausschließlich aus dem Kunststoff Polyurethan, die Nähte waren erstmals verschweißt und ein kleines Gewicht gegenüber dem Ventil sollte die Unwucht ausgleichen. Eine weitere Steigerung in der Präzision erreichte der bei der WM 2006 in Deutschland eingesetzte +Teamgeist: 14 miteinander verschweißte Panels, die aus mathematischer Sicht einem abgestumpften Oktaeder gleichen, schaffen eine rundere Struktur. Der Ball weicht nur 0,1 Prozent von einer Kugel ab.

Und jetzt kommt der EUROPASS, der – laut adidas - für mehr Kraftübertragung, mehr Effet und mehr Kontrolle bei allen Wetterbedingungen und letztlich – so hoffen die Zuschauer, aber nicht unbedingt die Torhüter wie Jens Lehmann – für mehr Tore sorgen soll.

08.02.2012 | 10:43:13

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