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Moderne Stadien sind echte High-tech-Arenen

Moderne Stadien: Kicker auf dem Rasen und Solarstrom auf dem Dach

Die heutigen Fußball-Multifunktions-Arenen sind ein traumhaftes Spielfeld für Ingenieure

Das Wunder von Bern kennt jedes Kind. Und das kommentierte Herbert Zimmermann bei einer der wohl packendsten Radio-Reportagen aller Zeiten am 4. Juli 1954: „… Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! ...“ Deutschland war Weltmeister. Aber wo war das noch mal? Genau, das legendäre Weltmeisterschafts-Endspiel Deutschland gegen Ungarn fand im "Wankdorfstadion" in Bern statt. Jenes trägt heute den modernen Namen "Stade de Suisse" und gehört zu den vier EM-Spielstätten in der Schweiz. Der Hauch von Nostalgie ist zwar verschwunden, dafür zählt das völlig neu erbaute Stadion zu den supermodernsten Spielstätten überhaupt und trägt etliche technische Besonderheiten nicht nur in sich, sondern vor allem auf dem Dach.

Vom legendären "Wankdorfstadion" zum innovativen "Stade de Suisse"

Dort glänzt nämlich eine Photovoltaikanlage von enormen Ausmaßen in der Sonne: rund 8.000 Solarmodule aus kristallinem Silizium sorgen für effiziente und umweltfreundliche Energieversorgung für bis zu 32.000 Besucher. Zurzeit das weltgrößte in einem Stadion integrierte Sonnenkraftwerk der Welt. Es produziert ausreichend Energie um 350 Vier-Personen-Haushalte dauerhaft zu versorgen.
Stade de Suisse Solardach
Über 8.000 Solarpaneele auf der kompletten Dachfläche des Stade de Suisse
Der Ökostrom auf dem Dach ist natürlich nur ein innovativer Teilaspekt, denn gerade das "Stade de Suisse" geht weit über ein normales Fußballstadion hinaus. Zum einen sollte sich die Arena harmonisch ins Berner Stadtbild einfügen, zum anderen war eine Zusatz-Nutzung mit vielen verschiedenen Angeboten wie Einkaufszentrum, Berufsschule, Büros, Restaurants und Medizinpark geplant. Bei dem bereits im Jahre 1999 ausgeschriebenen Projekt ging es also nicht nur um ein Stadion, sondern eigentlich um zwei Gebäudekomplexe. Das Rennen machte ein schweizer Architektur-Büro, das für die Gestaltung bis hin zur Baueingabe verantwortlich war.

Aber in so einem gigantischen Konzept steckt natürlich nicht nur viel Architekten-Kreativität und Bauingenieur-Kompetenz, sondern auch eine Unmenge an Ingenieurwissen aus ganz verschiedenen miteinander kooperierenden Disziplinen. Denn letztlich muss das, was da so toll auf dem Reißbrett und per Computeranimation geplant ist, ja auch technisch, baulich und finanziell machbar sein. Und das ist bei einer brandneuen EM-Spielstätte schon eine ganze Menge. Keine Wunder, dass für die Baukosten am Ende das stolze Sümmchen von 300 Millionen Schweizer Franken zu Buche stand.
Stahlgerüst im Stade de Suisse
Das fachwerk-ähnliche leichte Stahlgerüst
Stahlkonstruktion schafft mit Leichtigkeit harte Tatsachen

Aber nicht nur harte Währung war nötig, um das Berner Vorzeigeprojekt in die Tat umzusetzen, sondern auch stahlharte Tatsachen in ganz unterschiedlicher Form.
Einfach nur schön ist die aus Stahlkassetten zusammengesetzte Unterseite des Dachs, die an einen großen Flugzeugflügel erinnern soll. Äußerst stabil dagegen ist das Rückgrat des neuen Fußballtempels. Ein fachwerk-ähnliches tragendes Gerüst aus Stahl mit 40 bis zu 29 Meter weit ins Spielfeld reichenden Hauptträgern. Schwer war dabei allerdings nur die Konstruktions-Aufgabe, nicht das Stadiondach selbst. Denn durch das zusätzliche Gewicht der Photovoltaik-Anlage, die ins Stadiondach integriert werden musste, war beim tragenden Dach Leichtbauweise angesagt. Und da kommt bei einem Stadion ja einiges an Fläche zusammen – in diesem Fall 23.000 Quadratmeter.

Die Gewichtsersparnis erreichte man durch Trapezprofile, die auf Untergestelle aus Stahlrohrstützen und Fachwerkträgern montiert wurden. Die Profile waren genauso bemessen, dass die einzelnen 8.000 Solarmodule exakt hinein passten. Außerdem entstand durch die in einem Meter Abstand montierten Halterungen noch eine Fahrspur für einen ungewöhnlichen Zug: die sogenannte "Solardraisine", mit der die Techniker von Modul zu Modul düsen können, ohne die Solarpaneele zu betreten.
Alle EM-Spielstätten sind topmoderne Vorzeigeprojekte

Letztlich gilt das zuvor beschriebene hohe Niveau des „Stade de Suisse“ in Bern für alle EM-Spielstätten. Klar, wenn ganz Europa zu Gast ist, müssen die Stadien echte Prestigeobjekte ohne jeden Makel sein. Acht gibt’s insgesamt bei der EURO 2008. Vier in Österreich und vier in der Schweiz. Das größte davon ist das Wiener Ernst-Happel-Stadion. 53.000 Zuschauer werden dort das Endspiel verfolgen können.
Von den vier österreichischen Arenen wurden die in Wien, Innsbruck und Salzburg aufwendig umgebaut, die Spielstätte in Klagenfurt entstand dagegen völlig neu. Die Schweizer klotzten noch ein bisschen mehr und stampften in Genf, Zürich und Bern absolute Neubauten aus dem Boden und beließen es nur beim Baseler Stadion bei einer EM-reifen Renovierung.

Eines haben allerdings alle EM-Stadien gemeinsam: Sie sind echte Multitalente und werden auch nach dem EURO 2008-Hype noch gut gefüllt sein, egal ob Christina Stürmer, U2 oder Stock-Car-Racer Stefan Raab zu Gast sein werden.
Stade de Suisse im Berner Stadtteil Wankdorf
Das Stade de Suisse im Berner Stadtteil Wankdorf hat viele Facetten - aber alle sind supermodern
Camp Nou-Stadion in Barcelona
Das Camp Nou-Stadion in Barcelona erstrahlt nach dem Umbau
Die Stadien von heute – High-tech und multifunktional

Eins ist klar, die Stadien von heute sind echte High-tech-Arenen geworden. Die eigentlichen Vorbilder kommen aus den USA. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Super Dome in New Orleans, in dem schon so oft das Endspiel zum Super Bowl stattgefunden hat?
Von außen wirkt die riesige überdachte „Sporthalle“ eher wie ein gerade gelandetes Raumschiff und die Atmosphäre, die die 76.000 Zuschauer darin erzeugen, lässt sich wohl auch nur als außerirdisch beschreiben.

Gleiches gilt für viele andere Stadien der Superlative weltweit. Das frisch umgebaute Camp Nou-Stadion in Barcelona beispielsweise, das nicht nur über 98.000 Zuschauern beste Sicht auf’s Spielfeld bietet, sondern inzwischen auch mit einem außen umlaufenden unterirdischen Service-Tunnel für Catering und Bier-Nachschub aufwarten kann.
Oder das berühmte Maracanã-Stadion in Brasilien. In den 50-ern gebaut und mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch ein monumentales Stück Baukunst. Zwar dürfen nach der Modernisierung im Jahre 98 nur noch 96.000 Fußballverrückte auf den Rängen Platz nehmen, aber einen Rekord hält das Maracanã wohl für die Ewigkeit: Am 19. November 1969 versammelten sich dort 183.341 Besucher - die bis heute größte Menschenmenge bei einem Fußballspiel.
1968 waren im riesigen Maracanã-Stadion in Rio 183.341 Zuschauer bei einem einzigen Spiel
Auch Deutschland kann mit tollen Stadien punkten, wobei die WM 2006 einen regelrechten Neu- und Umbau-Boom provoziert hat. So wurde im geschichtsträchtigen Berliner Olympiastadion aus Denkmalschutzgründen Neu und Alt eindrucksvoll miteinander verschmolzen. Eine komplette Überdachung von 76.000 Sitzplätzen war notwendig, aber das offene Dach am Marathontor musste bleiben. Das übliche selbsttragende Dach war deshalb nicht möglich und der Koloss musste mit einem Konstruktionstrick aus Stahlstützen, Beton-Gegengewichten und einem um drei Meter tiefergelegtem Spielfeld fit gemacht werden für den Fußball von heute.

Nicht zu vergessen die Arena auf Schalke, ein weiterer dieser Hightech-Paläste. Da „auf Schalke“ die Kumpel-Tradition lebt und leider auch die Gefahr von Bergsenkungen ständig präsent ist, wurde das Wunderding auf 660 17 Meter tiefe Pfähle gestellt. Das 3.700 Tonnen schwere Stahldach lässt sich innerhalb von 30 Minuten öffnen oder schließen. Daran hängt dann noch mal eben ein 29 Tonnen schwerer Videowürfel mit vier Bildschirmen im 35-Quadratmeter-Format.

Oder die im Jahr 2006 fertiggestellte Allianz Arena, der ganze Stolz der Münchner Bayern. Natürlich komplett überdacht, 230 Millionen Euro teuer und mit einer Außenfassade aus 2.760 rautenförmigen halbtransparent schimmernden Luftkissen umhüllt, die – je nach Wunsch – in den Farben rot, blau oder weiß leuchten können. Neben dem heiligen Rasen und fast 70.000 Zuschauern gibt’s noch 28 Kioske, 190 TV-Monitore, 550 WC-Kabinen, 2.200 Business-Seats und vielleicht bald mal wieder den Champions League-Pokal.
König Fußball fordert das komplette Ingenieur-Berufsspektrum

Was sich unter der Stadionkuppel abspielt, ist für Ingenieure schon fast wie eine kleine Parallelwelt. Die Aufgaben, die beim Bau und Betrieb bewältigt werden müssen, repräsentieren nahezu das komplette Berufsspektrum.
Architekten planen und überraschen mit kreativen Spielzügen. Wirtschaftsingenieure kalkulieren das Budget und sorgen dafür, dass es bei den real entstehenden Kosten keine nachträgliche Rote Karte gibt. Versierte Stahlbau- und Bauingenieure schaffen harte Tatsachen und errichten stabile Mauern. Maschinenbauer und Elektroingenieure liefern von der klassischen bis zur modernen Technik alles, was nicht nur das Spiel, sondern auch das Stadion unvergesslich macht. Umwelt-, Energietechnik und Klimaingenieure heizen dem Rasen so richtig ein oder entwickeln Methoden, damit das Halbzeitbier einen kühlen Kopf bewahrt. Facility-Manager finden in modernen Stadien das ideale Spielfeld und Anlagen- und Straßenbauingenieure sorgen dafür, dass die alkoholischen Restflüssigkeiten in die richtigen Kanäle und die Fahrgemeinschaften auf die richtigen Autobahnausfahrten geraten.

Und die Spieler und Trainer auf dem Rasen sind ja auch irgendwie Ingenieure, schließlich beschäftigen sie sich ebenfalls permanent mit Technik – ihrer eigenen allerdings …

08.02.2012 | 10:43:13

Ingenieurberuf - Arbeitsmarkt • Ingenieurstudium/-beruf allgemein

Thema: Outotec is looking for a Product Engineer Benefication (f/m)

Text: Outotec develops and provides technology solutions for the sustainable use of Earth's natural resources. As the global leader in minerals and metals...

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