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© Jim Mills - Fotolia.com
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Vom Akkuschrauber bis zum Klettverschluss – Nebenprodukte der Weltraumfahrt
Die Errungenschaften aus der Raumfahrt haben Einzug in unseren Alltag gehalten. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Von Spin-offs, also Nebenentwicklungen, ist im Branchenjargon die Rede. Fast ein jeder weiß, dass Teflon eine Entwicklung der Raumfahrt ist. Doch gerade hier liegt ein Irrtum vor: Teflon wurde bereits im Jahre 1938 von der amerikanischen Firma DuPont erfunden. Woher stammt also dieses Gerücht? Möglicherweise war der häufige Gebrauch von Teflon als Kabel-Isoliermaterial bei den Apollo-Flügen Grundlage des modernen Mythos. Das jedoch ist reine Spekulation.
Alltagsdinge – made by NASA
Wenden wir uns weniger spekulativen Dingen und einem ganz alltäglichen Supermarkt zu:
- Bereits der Strichcode auf den Artikeln ist NASA-gemacht. Die Codierung wurde ursprünglich für den Space Shuttle entwickelt und eignete sich perfekt, um die Millionen Einzelteile der Raumsonden zu verwalten. Heute ist der Code auf allen verpackten Waren zu finden und erleichtert die Kassenabrechnung und Warenlogistik.
- Aluminiumbeschichtete Folien sind heutzutage von der Chipstüte bis zur Müsliverpackung überall anzutreffen. Entwickelt wurden sie zur Isolierung der Raumsonden vor Strahlung und zum Schutz der Astronauten bei ihren Arbeitseinsätzen. Die Folien finden heute auch in vielen Isolationsmaterialien im Hausbereich sowie in Wassererhitzern Verwendung. Die dünnen Alu-Rettungsdecken der Sanitäter bestehen ebenfalls aus dem beschichteten Material.
- Und noch mal Chips: Ein Kartoffelchip ist beim Einfüllen in die Tüte ähnlich zerbrechlich wie eine Raumfähre beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Dies fand die Göttinger Firma Hypersonic Technologies mit Hilfe von Windkanaluntersuchungen heraus, die sie ursprünglich im Auftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA unternommen hatte. Mit den Verpackungsmaschinen der Firma Rovema, die auf den Erkenntnissen der Untersuchungen basieren, lassen sich die Chips nun 50 Prozent schneller eintüten als zuvor.
- Der Klettverschluss – mittlerweile von Sportschuhen über Funktionsbekleidung bis hin zu Taschenverschlüssen nicht mehr wegzudenken – ist ein Produkt der Weltraumfahrt. Damit in der Schwerelosigkeit des Space Shuttles keine Gegenstände herumdrifteten, wurde an jedes Teil an Bord des Raumschiffes ein Stück Klettverschluss angeklebt. So konnte es überall im Shuttle befestigt werden und stellte keine Gefahr für die Astronauten dar.
- Während der Apollo-Mission wurden spiegelnde UV-Beschichtungen für die Raumanzughelme der Astronauten verwendet, um Armstrong und Co. vor starker Sonnenstrahlung zu schützen. Denn bei den Weltraumspaziergängen mussten diese auf die schützende Erdatmosphäre verzichten. Heutzutage werden die spiegelnden UV-Beschichtungen für Sonnenbrillen verwendet. Die Antibeschlagflüssigkeit für die Helminnenseite findet sich heute in jedem Autowischtuch.
- Das ist aber noch nicht alles in puncto Brillen: Für die Raumfahrt wurden spezielle Metalllegierungen auf Titan-Basis entwickelt, die sich bei Verformung wieder in ihre Ausgangsgestalt zurückverwandelten. Einige der teureren Brillengestelle werden heute aus diesem Memory-Metall gefertigt.
- Akkubetriebene Geräte sind heute aus keinem Haushalt mehr wegzudenken. Zuverlässige Leistung ganz ohne Kabelsalat wird von fast jedem Heimwerker geschätzt. Tatsächlich wurden aber die batteriebetriebenen Bohrer und andere elektrische Geräte zuerst für die Apollo-Astronauten entwickelt, damit diese auf dem Mond mit ihren Akkubohrern Bodenproben entnehmen konnten.
- Die ersten Taschenrechner kamen im Jahre 1974 kurz nach den Apollo-Missionen auf den Markt. Der Grund: Wegen den riesigen Mengen an Treibstoff war in den Raketen kaum mehr Platz für die Systemsteuerung. Um auch die kleinsten Ecken der Raketenstufen auszunutzen, wurden die ersten Elektronikchips entworfen. Erst diese Chips machten den Taschenrechner, und später die gesamte Computerentwicklung, möglich.
Raumfahrt-Spin-offs in der Medizin
Eine besondere Rolle nehmen Raumfahrtentwicklungen im medizinischen Bereich ein. Insbesondere auf dem Sektor der Mess- und Überwachungstechnologie konnten durch Raumfahrt-Entwicklungen große Fortschritte gemacht werden.
Die Liste ließe sich mühelos um unzählige weiter Punkte verlängern. In einer Studie hat das Karlsruher Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) Patente recherchiert, die nicht zum Raumfahrtbereich zählen, sich aber technisch auf Raumfahrtpatente beziehen. Dabei wurden allein für den Zeitraum von 1975 bis 1988 weltweit 418 Fälle von Spin-offs identifiziert, 69 davon deutscher Herkunft. Und zwischenzeitlich dürften weitere hinzugekommen sein.
- Viele verschiedene Geräte wurden entwickelt, um die Astronauten auf ihren Flügen und Mondausflügen permanent zu überwachen. Von dieser Technik profitieren heute viele Patienten – zum Beispiel durch medizinische Kontrollgeräte auf Intensivstationen.
- Eine weitere lebenserhaltende Entwicklung ist der Baby-Anzug gegen den plötzlichen Kindstod. Ein Vorläufer des Anzugs diente ursprünglich dazu, die Atmung der Astronauten während ihrer Einsätze im Weltraum zu überwachen.
- Die Technologie, die für die Treibstoffpumpen der Spaceshuttle eingesetzt wird, führte zur Entwicklung von Miniaturpumpen, die erfolgreich in künstlichen Herzen eingesetzt werden – ein wichtiger Schritt für die Herztransplantation.
- Der CAT-Scanner (Computer-Aided Tomography Scanner) wird heute in nahezu allen Krankenhäusern für unterschiedliche Untersuchungen eingesetzt. Die Technologie wurde ursprünglich für das Apollo-Programm entwickelt, um die Mondbilder besser auszuwerten. Später wurden mittels dieser Scanner die Raumfahrzeuge auf Schwachstellen und Materialfehler abgesucht. Heute decken die Scanner ein breites medizinisches Spektrum ab und sind aus der medizinischen Analyse nicht mehr wegzudenken.
- Der Nierensteinzertrümmerer wurde von der deutschen Firma Dornier patentiert und entstammt ebenfalls der Raumfahrtentwicklung.
- Zum Schutz vor Augenüberdruck im Weltraum wurde ein handliches Gerät entwickelt, das es dem Astronauten ermöglicht, seinen Augendruck selbst zu messen. Erst später wurde der Nutzen für Patienten erkannt, die unter Augenüberdruck leiden. Heute wird das Gerät von der Firma EPSA Elektronik & Präzisionsbau Saalfeld produziert.
- Immer häufiger ersetzt das Infrarot-Fieberthermometer die klassische Art, Fieber zu messen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Das Infrarotgerät misst innerhalb von 2 Sekunden die Temperatur, man muss es nur kurz ans Ohr halten. Auch diese Messvorrichtung wäre ohne die Raumfahrt nicht zustande gekommen. Die Infrarotsensoren hierfür wurden ursprünglich für die NASA entwickelt, um die Temperatur anderer Himmelskörper zu messen und um deren Entfernung zu bestimmen.
Die Liste ließe sich mühelos um unzählige weiter Punkte verlängern. In einer Studie hat das Karlsruher Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) Patente recherchiert, die nicht zum Raumfahrtbereich zählen, sich aber technisch auf Raumfahrtpatente beziehen. Dabei wurden allein für den Zeitraum von 1975 bis 1988 weltweit 418 Fälle von Spin-offs identifiziert, 69 davon deutscher Herkunft. Und zwischenzeitlich dürften weitere hinzugekommen sein.

