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Ein Europabummler in Peking

Mark Siebeck hat durch seinen Sport verschiedene Länder kennen gelernt. Jetzt freut sich der Wirtschaftsingenieur auf China

Als zuletzt eine deutsche Volleyballmannschaft bei Olympischen Spielen aufgeschlagen hat, war Mark Siebeck noch nicht einmal geboren. Vor 36 Jahren war das, 1972 in München. Siebeck kam drei Jahre später auf die Welt. „Das ist natürlich ein schönes Gefühl. Jeder Sportler träumt davon, einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein“, sagt Siebeck. Die Mannschaft hat sich das in den vergangenen Jahren erarbeitet. Kontinuierlich hat sie sich weiterentwickelt. Jetzt erfüllt sie sich und ihrem Trainer Stelian Moculescu den Traum von der Teilnahme.
Siebeck beim Aufschlag
Europabummler Mark Siebeck schlug schon in vielen Ländern auf.
Und die deutschen Volleyballer haben sich in Peking viel vorgenommen. Trotz einer schweren Gruppenauslosung – Deutschland trifft in der Gruppe B auf Olympiasieger Brasilien, EM-Finalist Russland, den WM-Zweiten Polen, den früheren Olympiasieger Serbien und auf Ägypten – will die Auswahl des Deutschen Volleyballverbandes ins Viertelfinale. Dazu muss Platz vier in der Gruppe her. „Sportlich sind die Olympischen Spiele sicher das best besetzte Turnier, das man sich vorstellen kann“, sagt Siebeck. Eigentlich genau richtig für einen, der die Herausforderung liebt.

Und das tut Siebeck. Er war der erste deutsche Volleyballer, der den Schritt in die polnische Profiliga wagte. Vor einem Jahr wechselte er als Pionier in die türkische Liga. Und zur neuen Saison schlägt er in Italien auf. Die bisherigen Erfahrungen im Ausland hätten ihn reifen lassen, sagt er. „Man wächst dort vor allem persönlich. Es ist nicht leicht, sich immer wieder auf neue Leute und Mentalitäten einzustellen, sich an verschiedene Traditionen zu gewöhnen.“

An eine dieser Traditionen hat er besonders intensive Erinnerungen. Ein polnischer Mannschaftskamerad und er sind innerhalb von zwei Tagen Vater geworden. „In Polen ist es Tradition, auf die Gesundheit des Kindes anzustoßen. Je mehr man trinkt, desto gesünder wird das Kind“, sagt er und lacht. Eine Party, die er niemals in seinem Leben vergessen wird.
Mark Siebeck.
Sprachkenntnisse helfen weiter

Von solchen Anekdoten abgesehen, denkt Siebeck, dass er aus seiner Zeit im Ausland einiges für sein späteres Berufsleben herausziehen kann. Vor allem von den hinzugewonnenen Sprachkenntnissen glaubt der Wirtschaftsingenieur profitieren zu können. „Polnisch bekomme ich noch ganz gut zusammen“, sagt er. Und wegen seines neuen Engagements in Modena paukt er derzeit schon wieder fleißig italienisch.

Aber auch sonst sieht er seine sportliche Laufbahn als gute Vorbereitung auf einen kommenden Job. „Die Qualitäten, die ich mir im Volleyball erarbeitet habe, können mich sicher auch im Beruf weiterbringen“, sagt Siebeck. Neben der Sprache sei das vor allem seine Führungsqualität auf dem Platz.
Der 1,96 Meter große und 87 Kilogramm schwere Außenangreifer hat noch keine genaue Vorstellung davon, wie es nach seiner sportlichen Karriere weitergehen soll. Er hofft, dass sich das über ein Engagement in einem Club ergeben könnte. Sport und Zufälle haben ihm schon oft geholfen weiterzukommen. Warum sollte es für den Start ins Berufsleben nicht auch so sein? Durch sein neues Engagement in Italien hat er erst einmal wieder Zeit gewonnen, sich weiter zu orientieren.
Bangen ums Olympiaticket
Bangen ums Olympia-Ticket ist vorbei: Mark Siebeck (Mitte) mit seinen Nationalmannschaftskameraden.
Regenerative Energien

Außer den üblichen Praktika, die ein Studium mit sich bringe, habe er keine Berufserfahrung, sagt er. Dennoch kann er sich gut vorstellen, später etwas mit regenerativen Energien zu tun zu haben. Seine Diplomarbeit hat er größtenteils von Polen aus über die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen geschrieben. Über Telefon und Internet habe er in dieser Phase größtenteils den Kontakt nach Deutschland an die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig aufrechterhalten.

Eigentlich sei ein Studium an einer Fachhochschule in der Regelstudienzeit gut möglich, sagt er. Aber nicht als Leistungssportler. Zu viel Zeit und Energie fressen Vorbereitung, Training, Spiele und Turniere auf. „Irgendwann stößt man einfach an seine Grenzen“, sagt er. Besonders in den Phasen intensiver Vorbereitung auf große Turniere habe er sein Studium etwas zurückschrauben müssen. Dann sei man im Training auch geistig zu stark gefordert, als dass man am Abend noch Lust habe, in die Studienbücher zu schauen.
Außenangreifer Siebeck
Außenangreifer Mark Siebeck.
Siebeck hat vor allem den Alltag genutzt, um sein Studium voranzutreiben. Der regelmäßige Rhythmus von Training und Spiel bot genügend Freiraum dafür. Dann hat er es regelrecht genossen, seinen Kopf auch mal mit Studieninhalten anzustrengen. „Es ist schon wichtig, neben dem Sport noch etwas anderes zu machen“, sagt er.

Seine Familie hat ihn bei der Tingelei durch Europa bisher immer unterstützt. Seine Frau und die beiden Kinder waren, so oft es ging, bei ihm. Als er in Polen spielte, haben sie ihn für einige Wochen besucht, sind dann wieder für einige Wochen nach Deutschland zurückgegangen. Die Kinder sollten den Kontakt zum Kindergarten halten. „So lange sie noch nicht in der Schule sind, ist dieser Wechsel ja auch ganz gut möglich“, sagt er. Wie es jetzt in Italien wird, weiß er noch nicht genau.
Aber vorher kommt ja ohnehin der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Die Olympischen Spiele in Peking. Dort freut sich Siebeck auf die Atmosphäre, die Eröffnungsfeier, das Leben im Olympischen Dorf und die Begegnung mit anderen Sportlern. Vielleicht trifft er ja beim Frühstück einmal auf Dirk Nowitzki. „Das wäre sicher etwas Besonderes“, sagt er. Ansonsten will er sich überraschen lassen. Was soll er auch sagen, er war ja bisher noch nie bei den Olympischen Spielen.

08.02.2012 | 10:43:13

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