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Wettrennen mit dem Koffer
Reichlich deutsches Know-how steckt im neuen Flughafen-Terminal, mit dem Peking seine Fluggastkapazität verdoppelt
Peking hat seinen Flughafen olympiatauglich erweitert. 20 Kilometer nordöstlich vom Stadtzentrum und rund sechs Kilometer entfernt von den Terminals 1 und 2 haben die Gastgeber der Olympischen Spiele eine gigantische neue Abfertigungshalle errichtet. Nur vier Jahre dauerte der Bau des Terminal 3, der gemeinhin als größtes Gebäude der Welt bezeichnet wird. Die Fluggastkapazität des Pekinger Flughafens hat sich damit von gut 30 Millionen auf rund 60 Millionen pro Jahr verdoppelt. Peking drängt damit in die Top Ten der Städte mit den weltweit größten Flughäfen. Bei optimaler Auslastung ist das Passagieraufkommen künftig größer als auf dem Airport Frankfurt.
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Gigantische Ausmaße hat der neue Terminal 3 in Peking.
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Koffer und Gepäck sind lange unterwegs.
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Entsprechend gewachsen ist das logistische Problem der Gepäckverteilung am Pekinger Flughafen. Das Fördersystem hat eine Gesamtlänge von nunmehr 68 Kilometern. Die Chinesen beauftragten Siemens mit der Lösung des Problems. Das Unternehmen entwickelte im hauseigenen Airport Center SAC in Fürth das Beförderungssystem. Im SAC wurden die speziellen Anforderungen des Pekinger Flughafens simuliert. 330 Check-In-Schalter mussten an das System angeschlossen werden. Die Bänder verlaufen über mehrere Ebenen. Sie können pro Stunde bis zu 19.200 Gepäckstücke weiterleiten. Durch einen 2,2 Kilometer langen Tunnel gelangt das Gepäck zunächst von den Check-In-Schaltern zu den Verladekarussells. Wer sein Haustier auf die Reise mitnimmt und es wie einen Koffer klassisch aufgeben muss, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass sein Liebling auf den Förderbändern auf bis 36 Kilometer pro Stunde beschleunigt wird. Der eine oder andere Vierbeiner mag da vielleicht etwas panisch werden.
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318 Fahrtreppen, Aufzüge und Fahrsteige lieferte die Elevator (Aufzug)-Sparte von ThyssenKrupp.
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Die gesamte Anlage besteht aus einer Kombination aus eben jener Hochgeschwindigkeits-Behälterfördertechnik (Tray), Gurtförderern und Kippschalen-Sortern. Das Gepäck beim Transit von einer in die nächste
Maschine umzuladen, dauert höchsten 25 Minuten. Die Frage ist, ob es dem Fluggast in derselben Zeit gelingt umzusteigen. Das Umsteigen wird zu einem regelrechten Wettrennen mit dem eigenen Koffer. Das sogenannte Baggage Handling System (BHS) wird von mehr als 9000 Siemens-Motoren betrieben. Das Auftragsvolumen beziffert Siemens auf 170 Millionen Euro.
Insgesamt ließ sich Peking die Expansion des Flughafens auf olympische Maße rund 3,4 Milliarden Euro kosten. Ein Teil davon fiel auf die Infrastruktur. Beispielsweise wurde eine neue U-Bahn gebaut, die zwei zentrale Punkte in der Innenstadt ansteuert. Rund zwei Milliarden Euro fielen allein auf den Bau des Terminalgebäudes. Am Innenleben hat Thyssen-Krupp mitgewirkt. Die Elevator (Aufzug)-Sparte des Unternehmens lieferte insgesamt 318 Aufzüge, Fahrtreppen und Fahrsteige nach Peking und Qingdao. Für den neuen Terminal waren 16 Aufzüge, 10 Fahrtreppen und 90 Fahrsteige bestimmt. Darunter sind auch zwei extravagante Fahrtreppen, die Thyssen-Krupp in dieser Form bislang nur nach Saudi-Arabien geliefert hatte. Ihre Stufen sind in goldfarbenem Pulverlack beschichtet, die Handläufe sind aus getöntem Glas. Die tonnenschweren Treppen sind auf Lastwagen montiert und können per Hydraulik an die jeweiligen Höhen der Flugzeugtüren angepasst werden. Die Olympia-Gastgeber wollen mit den goldenen Treppen Ehrengäste aus aller Welt empfangen.
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Ein riesiger Aufzug, made in Germany.
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Der oben bereits erwähnte A380 ist auf den größten Flughäfen der Welt ebenfalls so etwas wie ein Ehrengast. Er ist das startende und landende Symbol der gewaltigsten Flughäfen dieser Welt. Doch nur wirklich zuhause ist diese riesige Maschine dort, wo ihr ein Dach über dem Kopf geboten wird. Peking hat 70 Millionen Euro in einen solchen Wartungshangar im A380-Format investiert. Die Halle hat eine Weite von 350 Metern, eine Tiefe von 110 Metern und eine Mindesthöhe von 30 Metern. Gleichzeitig können dort sechs Langstrecken- und vier Kurzstreckenflugzeuge gewartet werden. Damit ist der Wartungshangar der größte des asiatischen Kontinents und auch einer der größten weltweit. Die Halle liegt nördlich des Terminals und hat eine Gesamtfläche von über 70.000 Quadratmetern. Gebaut hat den Hangar die Ameco Beijing. Das Unternehmen ist das Joint Venture der Lufthansa AG und der Air China.
IT-Services aus Sulzbach
Dass der Flughafen neue Standards in Sachen Technik und Service setzt, dafür will der Sulzbacher IT-Dienstleister Unisys sorgen. Das Unternehmen ist Hauptsystemintegrator des Ausbauprojektes. Das heißt, Unisys wird 50 IT-Systeme von verschiedenen Anbietern zusammenfassen, um die anvisierten 60 Millionen Fluggäste jährlich bewältigen zu können. Unisys versorgt das System außerdem mit Basisinformationen über Flugankünfte oder Gepäckausgabe in Echtzeit. Die ausgiebigen Fußmärsche der Passagiere aber kann das deutsche IT-Projekt auch nicht verhindern.

