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© Marcel Grzanna
Das Olympiastadion - als Modell.
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Deutsches Know-how bei Olympia
Deutsche Unternehmen und Ingenieure waren an der Errichtung der Wettkampfstätten beteiligt
Peking fiebert mit gigantischer Erwartungshaltung seinen Olympischen Spielen im August entgegen. Die Stadt will sich als glitzernde, moderne und weltoffene Metropole präsentieren, um das Image des autoritären Staates im Rest der Welt aufzupolieren. Das Jahrhundertprojekt wird seit Jahren akribisch vorbereitet. Rasant hat sich das Gesicht der Stadt seitdem verändert. Und zumindest architektonisch steht Peking westlichen Metropolen in nichts nach. Nicht zuletzt deshalb, weil viele der olympischen Wettkampfstätten Maßstäbe setzen. Allen voran das extravagante und in seiner Art einmalige Olympiastadion im Norden Pekings. An der Neugestaltung der chinesischen Hauptstadt waren an allen Ecken und Enden auch deutsche Unternehmen beteiligt
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Begehrtes Fotomotiv bei den Chinesen: das neue Olympiastadion - wie eine Mütze, eine Halfpipe oder ein Vogelnest?
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So sieht das Olympiastadion von innen aus. Noch leer - ohne Sportler und Zuschauer.
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Schwer wie 50 Elefanten: die einzelnen Streben des Olympiastadions.
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Die Außenhaut des Stadions verschlang 36 Kilometer Stahl mit einem Gesamtgewicht von 45.000 Tonnen und rechtfertigt den Spitznamen „niao chao“, Vogelnest, mit jedem Gramm. Sie trägt das Gewicht der Dachkomponenten von 11.200 Tonnen. Die tausenden Einzelteile wurde in Stahlwerken im Großraum Shanghai hergestellt und mussten zunächst die rund 1000 Kilometer in Richtung Hauptstadt zurücklegen. Manche der Streben wiegen bis zu 350 Tonnen. Das entspricht etwa dem Gewicht von 50 ausgewachsenen Elefantenbullen. Die Streben sehen aus, als seien sie ineinander verwoben. Ebenso wie die kleinen Zweige und Halme, die ein Vogel zum Nestbau benutzt.
Die Fassadenteile zwischen den Streben schimmern im Dunkeln rötlich. Dabei wurde sowohl eine innovative Spezialbeschichtung aus deutscher Produktion wie auch deutsches Know-how bei der Lackierung verwendet. Die südhessische Caparol GmbH aus Ober-Ramstadt hatte in Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron bereits für die Lackierung der WM-Arena in München verantwortlich gezeichnet. Das Unternehmen ist mit einer Niederlassung in Schanghai vertreten und war in der Lage, den Lack in Peking zu produzieren. Die chinesischen Arbeiter erhielten eine dreiwöchige Schulung, ehe die Beschichtung begann.
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© Marcel Grzanna
Ein chinesischer Arbeiter bei der Pause, im Hintergrund das gigantisches Stadion
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Projektleiter Ronald Bobe sowie ein eigens angereistes vierköpfiges Team von Anwendungstechnikern aus Südhessen begleiteten die Arbeiten rund um die Uhr.
Zunächst wurden die Unebenheiten des Betons und der Zementfaserplatten mit einem Gewebe belegt und verspachtelt. Über eine zweite Spachtelschicht wurde Glasvlies gelegt, dann erneut verspachtelt, geschliffen und mit Wasser abgewaschen, ehe die Farbe zweimal im Spritzverfahren aufgetragen wurde. All das auf 90.000 Quadratmeter. Gefordert war eine Beschichtung, die dem eisigen Winter und dem heißen Sommer sowie der Pekinger Luftverschmutzung standhält. Ein Forschungsprojekt des Ober-Ramstädter Dr. Robert-Murjahn-Instituts (RMI) entwickelte die Spezialfarbe, die eine hohe Lichtbeständigkeit benötigt. Denn nur so ist ein nachhaltiger Rotschimmer unter den äußeren Bedingungen in Peking gewährleistet. Die Farbe soll jetzt unter der Bezeichnung "Amphibolin" international angeboten werden.
Das Stadion ist 330 Meter lang und 220 Meter breit. Es erstreckt sich auf einer Fläche von 256.000 Quadratmeter. Das ist etwa dreimal so groß wie die Bebauungsfläche des Potsdamer Platz in Berlin. Während der Olympischen Spiele wird es eine Kapazität von 91.000 Zuschauern aufweisen, nach Ende der Veranstaltung wird sie auf 80.000 reduziert. Die geografische Lage des Stadions unterstreicht die Bedeutung der Olympischen Spiele für China. Es liegt exakt auf der Nord-Süd-Achse Pekings. Auf dieser Linie sammeln sich alle kulturell und geschichtlich wichtigen Bauwerke der Stadt wie der Himmelstempel, das Mao-Mausoleum oder die Verbotene Stadt. Nun liegt eben auch das Olympiastadion auf dieser markanten Linie.
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Im National Indoor Stadium finden die Olympischen Turn- und Handball-Wettkämpfe statt. Anschließend spielen hier bei den Paralympics die Basketballer.
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Wer den Wasserwürfel verlässt, muss nur wenige Meter weiter Richtung Norden marschieren und steht zwei Minuten später vor dem National Indoor Stadium, wo während Olympia geturnt und Handball gespielt wird. Das Design der Arena stammt aus Nürnberg vom Architekturbüro Glöckner, das bereits für die Kölner, Nürnberger und Leipziger Fußball-WM-Arenen verantwortlich zeichnet. Die Arena gilt nach Olympiastadion und Acquatic Center als das dritte Meisterwerk der Wettkampfstätten.
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Das National Indoor Stadium
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Olympischer Geist und damit deutsches Know-how weht aber nicht nur in Peking. In Shenyang beispielsweise, wo Frauenfußball-Weltmeister Deutschland sein Eröffnungsspiel am 6. August gegen Brasilien bestreiten wird, hat die Leverkusener Lanxess AG die Polycarbonat-Platten der Dachkonstruktion mit ihrem speziellen Synthesekautschuk abgedichtet.

