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© Flugwissenschaftliche Vereinigung Aachen 1920 e.V.
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Akaflieg: Wenn Studenten in die Luft gehen
Vom Segelflieger zum Luftfahrtingenieur
„Delta 0858, Der Wind 060, 12 Knoten, melden Sie sich im Endteil.“
Pilot Andi Hofmann setzt mit seiner einsitzigen Schleicher ASW 27, einem Hochleistungs-Segelflugzeug der FAI-15-Meter-Klasse, zur Landung auf der Graspiste am Flugplatz Bonn-Hangelar an. Der Maschinenbauingenieur ist ein „Alter Herr“, so nennt man die ehemaligen Mitglieder einer studentischen Segelfliegergruppe. Nach seiner Segelflugausbildung und einem Maschinenbaustudium an der FH Köln berät Hofmann als selbständiger Quality Manager und Luftfahrt-Auditor Luftfahrtbetriebe im Bereich Qualitätsmanagement und Zertifizierung. Für ihn ist der studentische Segelflugsport die ideale Starthilfe in den Beruf – oftmals mit weicher Karrierelandung: „Wer Ingenieur werden will, beschränkt sich am besten nicht nur auf Theorie an der Uni und Praxis als Werkstudent: ‚Akafliegs‘ sind in Deutschland weit verbreitet und nahezu an jeder Technischen Hochschule vertreten oder doch zumindest mit Lehrstühlen in luftfahrtnahen Bereichen verbunden.“
Impulsgeber und Nachwuchsschmiede für die Luftfahrtindustrie
Unter dem Motto "Forschen, Bauen, Fliegen!" engagieren sich überall in Deutschland studentische Mitglieder in ihrer Freizeit in einer sogenannten Akaflieg. 200 bis 300 Arbeitsstunden im Jahr sind es schon, die ein Akaflieger leisten muss, dafür bekommt er auch gratis eine Pilotenlizenz dazu. Für Peter McColgan, Elektrotechnikstudent im 3. Semester und Werkstattleiter der Akaflieg Karlsruhe, ist das sicherlich kein elitärer Sport, sondern praktizierte Teamarbeit und eine grundsolide Ausbildung im Flugzeugbau gemäß Interesse und Fähigkeiten: „Neben dem Spaß am Fliegen wird Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den Bereichen Aerodynamik, Flugmechanik, Elektronik und Werkstoffe geleistet. Wir entwickeln und bauen eigenständig Prototypen, wie unsere Ak-8, oder führen einzelne Projekte, wie die Entwicklung eines so genannten Elektroturbos, durch; ein ausklappbarer Elektropropeller, der bei fehlender Thermik den Rückflug sichert.“
Doch auch Bruchversuche, das Testen von neuen Materialien oder Tragflächenprofilen im Windkanal sind Aufgaben der Akafliegs. So entwickelte beispielsweise die Akaflieg Stuttgart 1957 das weltweit erste Segelflugzeug aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die FS 24 "Phönix". Auch die Kohlefaser-Bauweise wurde erstmals in der Luftfahrt 1972 durch die Akaflieg Braunschweig erprobt und eingesetzt: Der Prototyp SB 10 war mit imposanten 29 Metern Spannweite fast dreißig Jahre lang das größte Segelflugzeug der Welt.
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© Akaflieg Karlsruhe
Wo wir sind, ist oben: Die Karlsruher Akaflieger gehen in die Luft mit einem "Eigenbau", der Ak-8
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© Flugwissenschaftliche Vereinigung Aachen 1920 e.V.
Jan Hülnhagen ist 1. Vorsitzender der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen
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Tradition und Innovation
Warum gibt es nirgends sonst auf der Welt so eine lebendige Segelfliegerszene und -industrie wie in Deutschland? Gedankt sei es dem Versailler Vertrag: Nach dem ersten Weltkrieg war die Fliegerei verboten, Segelflug nicht. Dass man auch ohne Motor fliegen kann, daran hatte wohl niemand gedacht. Daraus entwickelte sich eine lange Tradition von Vereinigungen segelfliegender Ingenieurstudenten, die durch innovative Ideen und deren Verwirklichung nicht nur dem Flugzeugbau in Deutschland neue Impulse geben.
Jan Hülnhagen, im 11. Semester Maschinenbaustudent an der RWTH Aachen ist besonders von der praktischen Seite des „ingenieurmäßigen“ Fliegens überzeugt: „Die grundlegende Beschäftigung mit Faserverbundstoffen und Karbonfasern bei der Wartung und Reparatur der Flugzeuge ist die perfekte Ergänzung zu meiner Fachrichtung der Textiltechnik und Basis für eine spätere berufliche Tätigkeit im Bereich Windkraftanlagen, Boots- oder Flugzeugbau.“ Daneben werden auch Team- und Unternehmergeist gestärkt: „Wir sind immer auf der Suche nach Geld, müssen Sponsoren finden, warten unsere Flugzeuge eigenverantwortlich und haben unsere Werkstatt selbst gebaut – das schweißt das Team zusammen.“ Für Jan Hülnhagen ist daher auch die kameradschaftliche Atmosphäre entscheidend: „Unsere Professoren fliegen ja ebenfalls und so lernt man nebenbei auch ehemalige ‚Akaflieger‘ persönlich kennen, oftmals erfahrene Ingenieure von bekannten Luftfahrtunternehmen.“
Auch bekannte Persönlichkeiten in der Luftfahrtbranche waren aktive „Akaflieger“ oder kamen anderweitig über den Segelflug zur Luft- und sogar Raumfahrt, wie der Physiker Ulf Merbold oder der Diplomingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik Thomas Reiter.
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© J. Keller
Julian Keller, Spezialist für Faserverbundstrukturen beim Luftfahrtberatungsunternehmen Altran Technologies: „Das Interesse für Karbonfasern wurde bereits während des Studiums in der Zeit als aktiver Akaflieger geweckt“
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Akaflieger starten auch im Beruf durch
„Die Studenten profitieren ganz klar von der praktischen Anwendung des an der Universität gelernten Wissens zu Themen wie Flugzeugbau, Flugmechanik, Aerodynamik. Zudem haben sie die Chance, Studienarbeiten anzufertigen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit der praktischen Umsetzung und Anwendung haben“, ist Julian Keller, Entwicklungsingenieur beim Luftfahrtberatungsunternehmen Altran Technologies in Toulouse, überzeugt. Keller war während seines Luft- und Raumfahrttechnikstudiums an der TU Dresden 1. Vorsitzender der Akaflieg Dresden: „Ich habe meine Studienarbeit bei einem Alten Herrn der Akaflieg Dresden geschrieben und auch Kontakte für meine Praktikumsbewerbung von Akafliegern vermittelt bekommen." Doch auch den Unternehmen nützt die „Entwicklung, Erforschung und Erprobung von neuen Konzepten im Segelflugzeugbau, die von der allgemeinen Luftfahrt übertragbar sind“.
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© Akaflieg Darmstadt
Imagefilm der Akaflieg Darmstadt
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© Akaflieg Stuttgart
Spektakuläre Flugmanöver der Akaflieg Stuttgart
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