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© Planungsbüro Deyle GmbH
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Bobbahnen
Deutsche Technologie im Hochgebirge
Wenn es bei Olympia 2010 im Whistler Sliding Centre in die Eisrinnen geht, sind aber nicht nur deutsche Spitzensportler mit am Start, sondern auch deutsche Spitzentechnologie. Denn die Wiege der Kunsteisbahnen steht in Baden-Württemberg. Die Idee dazu hatte in den 1960er Jahren der Stuttgarter Maschinenbauingenieur und Kältetechnikspezialist Werner Deyle. Inspiriert durch die Natureisbahn in St. Moritz hatte Deyle die Vision, eine Bobbahn künstlich zu beeisen, sodass der Betrieb wetterunabhängig gewährleistet werden könnte. Erste Modelle entstanden im Hinterhof seiner Firma, die noch heute an selber Stelle in Stuttgart zu finden ist. 1969 wurde dann die erste künstlich beeiste Bahn am Königssee, Bayern, in Betrieb genommen. Die Technologie, die im Planungsbüro Deyle für künstliche Eisrinnen entwickelt wurde, ist heute Standard für alle Wettkampfbahnen weltweit. Eine Leistung, die Werner Deyle in der Branche den Ruf als „Eispapst“ einbrachte.
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Computersimulation Kurve
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Anforderungen an Standort und Strecke
„Bobbahnen werden im Hochgebirge errichtet, schon deshalb ist so ein Projekt logistisch und planungstechnisch enorm anspruchsvoll“, erklärt Diplom-Bauingenieur Michael Lachner, der als Projektleiter bei Deyle mit dem Bau solcher Bahnen betraut ist. „Zunächst müssen die offensichtlichen Gegebenheiten wie Hangneigung und Zugänglichkeit auf Machbarkeit geprüft werden. Doch auch die Sonneneinstrahlung und der Sonnenverlauf spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Suche nach dem perfekten Standort. Die Teile der Bahn, die von der Sonne bestrahlt werden, müssen naturgemäß stärker gekühlt werden, brauchen also einen höheren Energie- und Wartungsaufwand. Am besten geeignet sind daher Anlagen, die vollkommen beschattet sind. Zentrale Punkte bei der Planung sind darüber hinaus Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. Die Bahn muss optimal ins Landschaftsbild eingebunden sein. So ein Bauwerk ist größtenteils überdacht oder hat eine Verkleidung an der Kurvenrückseite. Das muss zum Gelände passen, ist also auch eine große architektonische Herausforderung.“
Nach der Wahl des geeigneten Standortes wird die Fahrdynamik, also die Streckenführung, mit einer speziell für diese Aufgabe entwickelten Software entworfen. Auch dafür sind Ingenieure zuständig, wobei abermals viele Faktoren zu berücksichtigen sind. An erster Stelle steht natürlich die Sicherheit. Einige Parameter werden vom Wettkampfreglement vorgegeben: Bahnlänge, maximale Geschwindigkeit, Anzahl der Kurven und vor allen Dingen die maximale Fliehkraft, die auf die Fahrer wirken darf. Mehr als fünf g (das Fünffache des Eigengewichts) für zwei bis drei Sekunden sind nicht erlaubt.
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Startbereich Turin
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Zweieinhalb Jahre bis zur Fertigstellung
Die Bahn selbst besteht aus Beton. In der Bettung liegen Kühlrohre, die an einer Seite gedämmt sind. Die andere Seite ist offen, damit Wasser aufgespritzt werden kann, das zu Eis gefriert. Michael Lachner stellt noch ein wichtiges Detail heraus: „Die Bauphysik erfordert, dass sich bei der Überdachung kein Tauwasser bildet, das auf die Bahn tropfen könnte. Das würde gefrieren und zu Unebenheiten führen. Jede Unebenheit erleben die Fahrer, die keinerlei Abfederung haben oder Schutzkleidung tragen (bis auf den Helm), wie einen heftigen Schlag. Es muss also gewährleistet sein, dass die Oberfläche zu jederzeit topfeben ist.“
Die einzelnen Streckenabschnitte sind voneinander getrennt, damit jedes Segment individuell, je nach Sonneneinstrahlung, optimal mit Kühlmenge bedient werden kann. Außerdem ist es notwendig, dass bei Störungen im Betrieb die Streckenabschnitte separat zugänglich und abschaltbar sind. Die unter dem Beton liegenden Kühlrohre werden mit Ammoniak befüllt. Die Höhenunterschiede zwischen 50 und 100 Metern, die eine Bobbahn in ihrem Verlauf zu überwinden hat, erzeugen einen starken Druck, der auf die vereiste Wassersäule wirkt. Hier wird also eine besonders anspruchsvolle Kältetechnikanlage benötigt. In der technischen Zentrale der Bahn werden Videoüberwachung, Beschallung, Zeitmessung und die integrierte Temperaturmessung gesteuert.
Eine Bobbahn besteht aber längst nicht nur aus der eigentlichen Bahn. Hinzu kommen das Starthaus, das Zielhaus, Funktionsgebäude, die technische Zentrale, Fuhrparkgebäude, Zugangswege für Sportler und Besucher. Der Bau einer modernen Bobanlage ist also ein komplexes Unterfangen, das ein Team qualifizierter Spezialisten erfordert. Haustechnikingenieure mit Spezialwissen in Kältetechnik werden benötigt. Heiz-, Lüftungs- und Sanitärtechniker und natürlich arbeiten Baugrundgutachter, Architekten und Bauingenieure Hand in Hand. „Da sind viele Hochbauten dabei. Es wäre übertrieben zu sagen, dass die Planung einer Bobbahn vergleichbar ist mit der Planung einer Stadt, das geht aber schon in die Richtung“, verdeutlicht Lachner das Ausmaß so eines Projektes. „Bis zur Fertigstellung sind 200 bis 300 Menschen beteiligt. Die Planung dauert etwa 9 Monate und der Bau selbst weitere 15 bis 18 Monate.“
Man muss also insgesamt mit knapp zweieinhalb Jahren rechnen, bis bei der sogenannten Homologation die Wettkampfstätte durch die Verbände abgenommen und zugelassen wird. Erst danach erlebt die fertige Bahn ihre offizielle Jungfernfahrt.
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Bobbahn Königssee
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Kunsteisbahnen werden olympiatauglich
Das Planungsbüro Deyle hat in den letzten Jahrzehnten für viele Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspiele die Wettkampfbahnen entworfen und gebaut: Königssee (1969), Oberhof (1971), Innsbruck (1976), Winterberg (1976), Sarajevo (1984), Lake Placid (2000), Turin (2006). Aktuelle Projekte sind die Eisrinne für Olympia 2014 in Sotchi, Russland, und der Umbau der Bahn in Königssee.
Da sich Berchtesgarden, Garmisch-Partenkirchen und München gemeinsam für die Austragung der Spiele 2018 beworben haben und 2011 noch eine Weltmeisterschaft in den Disziplinen Bob und Skeleton zu bestreiten ist, muss Königssee an die aktuellen sportfachlichen Belange angepasst werden.
„Es gibt Kurven, in denen mittlerweile die Fliehkräfte zu hoch sind, weil Technik, Geräte und Athletik der Fahrer immer besser und so die Schlitten immer schneller wurden“, erläutert Lachner den Modifikationsbedarf. Die Bahn am Königssee hat 19 Kurven. In den Kurven 1 bis 4 und ab Kurve 16 wird umgebaut. Durch den Umbau soll in mehreren Kurven die maximale Fliehkraft erreicht werden, so dass die Bahn anspruchsvoller zu fahren sein wird.
„Königssee ist für mich persönlich das interessanteste Projekt, weil das die erste künstliche Bahn war, die überhaupt gebaut wurde. Jetzt setzen wir diese Tradition fort. Der Auftrag ist zudem sehr anspruchsvoll, weil dort extrem enge Platzverhältnisse herrschen und wir es hier mit den engsten Terminvorgaben zu tun haben, die wir bisher überhaupt hatten“, sagt Lachner und fügt abschließend augenzwinkernd hinzu: „Und es muss auf den Cent genau geplant werden, weil der Umbau mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II bestritten wird.“ Bleibt zu hoffen, dass Deutschland den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 erhält und unsere Rodler und Bobmannschaften auch dann noch in der Weltspitze mitfahren.

