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There’s no business like Schuh-business
Im norddeutschen Achim wird der meistverkaufte Fußballschuh der Welt hergestellt
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Chefs, die die Firma schon lange kennen: Die DESMA-Geschäftsführer Christian Decker und Klaus Freese
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So manches Tor wäre nicht gefallen, so mancher Berg nicht erklommen worden und so mancher Fuß in den Fabriken der Welt nicht ausreichend geschützt – ohne die Technik von der Unterweser, die aus zusammengenähten Lederteilen erst richtige Schuhe macht. Weil sie nämlich dafür sorgt, dass Schuhe ihre Sohle bekommen. Sportschuhe zum Laufen und Kicken, Freizeitschuhe fürs Wandern und Shoppen – und immer wieder neue Sicherheitsschuhe, die mittlerweile gar nicht mehr nach Arbeit aussehen. „Es gibt doch kaum ein technisches Produkt, das solchen Anforderungen gerecht werden muss, wie ein Schuh“, sagt Christian Decker, der gemeinsam mit Klaus Freese bei DESMA die Geschäfte führt.
„Bei minus 20 Grad muss eine Sohle geschmeidig bleiben, bei plus 40 Grad darf sie nicht schmilzen“, erzählt Decker: „Jedes Schuhmodell hat eine eigene Sohle, möglicherweise noch in verschiedenen Farben, von jeder Sohle brauchen wir verschiedene Größen, von jeder Größe eine linke und eine rechte Sohle.“
Schuhfertigung ist eine hochkomplexe Angelegenheit und das sieht man den Maschinen auch an: Nahezu vollautomatisiert geht es hier zu – wichtig für einen Markt, der unter erheblichem Kostendruck steht. Mittendrin der Drehtisch – wie ein auf den Boden gelegtes Riesenrad. Auf ihm drehen sich bis zu 30 Schafte (also der obere Teil des Schuhs), aufgezogen auf den berühmten Leisten. Während einer Runde passieren die Schafte mehrere Roboter: erst einen, der das Leder dort aufraut, wo später die Sohle klebt, dann einen Roboter, der den Klebstoff aufsprüht und dann die Station, die den Schuh direkt besohlt. Eine Möglichkeit ist, die Sohle in einer Gussform herzustellen. Wie Spaghetti-Eis läuft das halbflüssige Gummi in die Form und wird dann an den Schaft gepresst. Auch diese Spritzform entsteht bei DESMA, am Ende sogar mit etwas Handarbeit:
Die vom Designer oft gewünschte Struktur in der Sohle lässt sich nur mit kleinen Metallstempeln „hineinpunzen“. Seit Mitte der 60er Jahre bietet DESMA noch eine andere Methode der Direktbesohlung. Der Stoff, aus dem die Sohlen bestehen, heißt Polyurethan, kurz PU, das aus zwei Komponenten gemischt wird. Ein Verfahren, bei dem DESMA früh die Nase vorn hatte. Die Sohle wird dabei nicht separat gefertigt, sondern direkt in der gewünschten Form an den Schuh herangespritzt, sie ummantelt den Schuh von unten – zu sehen bei vielen Freizeitschuhen und modernen Sandalen. Die ausgefallensten Muster sind damit – und nur mit DESMA-Maschinen – möglich. Das vereinfacht häufige Designwechsel.
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So funktioniert das von DESMA entwickelte „DESflow“-Verfahren – hier entsteht eine Gummisohle, die danach direkt unter den Oberschuh kommt
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95 Prozent in den Export
Wer in der Produktionshalle genau hinschaut, entdeckt, dass die Maschinen zweierlei Technologien verwenden: Entweder funktionieren sie elektronisch oder pneumatisch. Die Kundenstruktur gibt’s vor: „Stellen Sie sich eine Schuhfabrik im Regenwald vor“, erzählt Christian Decker. „Bei der Luftfeuchtigkeit funktioniert Elektronik nicht lange.“
Regenwald? Ja, die Kunden von DESMA finden sich an den exotischsten Orten. Die Montagehalle
steht voller auslieferungsbereiter Maschinen, passgenau auf Containermaß auseinandergebaut, mit Holzbrettern stabilisiert und zum Schutz vor der salzigen Luft beim Seetransport eingeschweißt. Die Aufkleber offenbaren das Ziel der Reise: Indien, Korea, China, aber natürlich auch immer noch Italien, die alte Heimat der Schuhmode. 95 Prozent beträgt der Exportanteil bei DESMA. Trotzdem fertigt die Firma weiter in Deutschland. Seit fünf Jahren betreibt man zwar eine kleine Produktion in China, aber ausschließlich für einen Teil des dortigen Absatzes – alles andere ist „made in Achim“. „Die Schuhindustrie ist ein Wanderzirkus“, beschreibt Geschäftsführer Freese seinen Markt.
Vorgestern Italien, gestern Südamerika, heute Fernost. Da müsse und könne man nicht immer mit wandern.
Natürlich gehöre die Zukunft China. Schon heute kommen 63 Prozent aller Schuhe aus dem Reich der Mitte. Keine Angst vor den Produktpiraten? Geschäftsführer Decker überrascht mit einer seltenen Meinung: „Die größten Marken der Welt sind nur wegen ihrer Fakes berühmt geworden. Ein Kopierer ist für mich ein Marketinghelfer.“ Als kleines Unternehmen könne man den ganzen chinesischen Markt gar nicht alleine erschließen. Produktpiraten würden dabei helfen, das Produktionsprinzip zu verbreiten, und Nachfrage schaffen. „Und auf eines ist Verlass“, so Decker: „Ein Chinese, der heute eine gefälschte DESMA-Maschine kauft, ackert so lange, bis er sich das Original leisten kann.“ Das Know-how dazu soll auch künftig aus Achim kommen, so Klaus Freese: „Wir sitzen in der Nähe von vier großen Häfen. Die guten Mitarbeiter haben wir hier und nicht woanders. Wir bilden aus, sponsern guten Mitarbeitern ein Studium, halten engen Kontakt zu den Unis. Auch unsere Lieferanten sitzen in und um Deutschland. Das heißt: An diesem Standort können wir die hohe Qualität halten – und damit die Preise stabil.“ Ein wichtiger Punkt in den letzten Monaten. Während viele Branchen der sinkenden Nachfrage mit Nachlässen begegnen mussten, gab DESMA diesem Druck nicht nach. „Unsere Kunden wollten durchaus Maschinen bestellen, allerdings war die Finanzierung oft ein Problem“, erzählt Freese. Erst hätten die Banken die Krise verursacht, jetzt würden sie den Aufschwung bremsen, sagen die beiden Chefs. So haben auch sie unter Auftragsrückgängen gelitten. Aber mit unter 20 Prozent war der Einbruch weniger dramatisch als in anderen Maschinenbaubereichen. „Außerdem hatten wir keine Stornierungen“, fügt Freese hinzu. Die Folge: Nur zwei Monate Kurzarbeit, und das Personal wurde sogar aufgestockt.
Mehr Personal trotz Krise
Denn eigentlich sind die beiden Chefs Berufsoptimisten. Und die Aussichten könnten nicht besser sein: Wer Schuhmaschinen baut, hängt am Konsum. Und der steigt, wenn die Weltbevölkerung zunimmt und ein immer größerer Teil der Menschheit nach Wohlstand strebt. Mit dem Wohlstand nehmen dann auch die Sicherheitsansprüche zu, vor allem in Schwellenländern. Wichtig für den Absatz an Sicherheitsschuhen. Seit den 1980er Jahren habe sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Schuhen von 0,8 Paar pro Jahr auf aktuell 2,2 erhöht.

