Stahl-Special
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© W.S. Werkstoff Service GmbH
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Stahlprüfung
Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Manchmal sind es eben die Dinge, die man nicht sieht, und die uns dann umso mehr faszinieren. Der Blick durchs Hubble-Teleskop offenbart unwirkliche Welten jenseits unserer räumlichen Vorstellungskraft. Und der Blick durchs Rasterelektronenmikroskop gestattet uns einen fernen Einblick in eine gegenwärtige Welt.
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© Manfred Strauß, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Sabine Wenzel, Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Das wiederaufgebaute Berliner Kongresszentrum heute und das Kongresszentrum nach dem Einsturz 1980
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Ein anderes Beispiel: Am 3. Juni 1998 entgleiste auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Eschede der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ und brachte die Brücke der Rebberlaher Straße zum Einsturz. Beim ICE-Unglück von Eschede kamen 101 Menschen ums Leben. Auslöser für die Katastrophe waren ein abgerissener Radreifen und eine darauf folgende Verkettung unglücklicher Ereignisse – sagte die Presse. Der Grund für den Radreifenriss war jedoch höchstwahrscheinlich mangelhafte Wartung der ICE-Räder. Und wie immer, wenn derartige Unglücke passieren, ranken sich Gerüchte um die wahren Gründe. Bis heute ist die Unfallursache nicht hundertprozentig geklärt. Und doch verdeutlicht das Unglück die Bedeutung der Materialprüfung. Jede Achterbahn auf der Kirmes wird vom TÜV vor ihrer Inbetriebnahme geprüft und jeder Wasserkocher durchläuft ein Prüfprozedere, bevor er auf den Markt kommt. Für all diese Aufgaben sind auch Ingenieure zuständig, die sich mit hochtechnologischen Hilfsmitteln und einer gehörigen Portion Spürsinn auf die Suche nach der gefährlichen Nadel im sprichwörtlichen Heuhaufen machen.
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Durchführung einer Härteprüfung
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Es gibt über 2.300 verschiedene Stahlsorten, mit unterschiedlicher Festigkeit, Verformbarkeit, Schweißneigung und mit unterschiedlichen Korrosionsverhalten. „Wer prüft, muss wirklich wissen, wie ein Werkstoff tickt, darum arbeiten bei uns auch Ingenieure der Werkstoffkunde und -technik,“ erklärt der Metall- und Röntgenphysiker Dr. Ingo Poschmann von der Essener WS Werkstoff Service GmbH. Wie er untersuchen zahlreiche Prüflabore in ganz Deutschland das Gefüge metallischer Stoffe mit modernsten Präparationstechniken und computergestützten Mikroskopen. Dabei gilt es vor allem, Wärmebehandlungszustände, Schichtsysteme, Schweißverbindungen und die Reinheit des Stahls zu überprüfen. Schrauben werden zum Beispiel mittels einer genormten Ultraschallprüfung im Bereich zwischen 0,2 bis 50 MHz kontrolliert. Jede Änderung der akustischen Eigenschaften an Grenzflächen (durch Hohlräume, Einschlüsse oder eben auch durch Risse) reflektieren den Schallimpuls und senden diesen an den Schwinger im Prüfkopf zurück. Anhand der gemessenen Zeitdifferenz kann die Lage bestimmt und der Fehler mit einer Größenordnung von ca. 0,6 mm – bei Spezialverfahren auch bis 10 -7 mm – erkannt werden. Auch die Bahn prüft mittels Ultraschallsonden. Und das nicht erst seit dem verheerenden Unglück im Sommer 1998. Seinerzeit meinte das Eisenbahn-Bundesamt, dass die Prüfungen ausreichend seien und die ICE-Züge – zum damaligen Zeitpunkt – bereits drei Milliarden Kilometer ohne Radsatz-Probleme abgespult hätten. Und dann kam Kilometer 3.000.000.001.
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Der Kerbschlaghammer ist Teil des mechanisch-technologischen Prüfverfahrens
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Um den Stahl möglichst sensibel zu prüfen, halten die Labore noch eine Vielzahl zerstörungsfreier Techniken bereit. So können sie mit dem Rasterelektronenmikroskop bei bis zu 500.000-facher Vergrößerung jegliche Oberflächenstrukturen erkennen und unter bestimmten Voraussetzungen sogar Elementgehalte und -verläufe bestimmen. Und auch Wirbelstromprüfungen und Magnetpulverprüfungen offenbaren des Stahls harten Kern auf zarte Weise. Ganz anders geht die zerstörende Prüfung mit der Legierung aus Eisen und Eisencarbit – so die chemische Zusammensetzung des Stahls – ins Gericht. Kerbschlagbiegeversuche machen mächtig Lärm und schädigen das stählerne Teststück bereits erheblich. Dabei trifft ein Pendelhammer mit einer bestimmten kinetischen Energie auf die ungekerbte Rückseite der Probe und zerschlägt sie dabei. Im Moment des Aufschlagens auf die Probe wird so ein Teil der kinetischen Energie des Hammers durch Verformungsprozesse in der Probe absorbiert. Im Bruchteil einer Sekunde können so nach der DIN EN 10045 die Zähigkeitseigenschaften der Stoffe bestimmt werden. Ähnlich brachial geht der Zugversuch zu Werke. Dort werden Proben mit kleiner Querschnittsfläche bis zum Bruch gedehnt, wobei die Dehnung gleichmäßig, stoßfrei und mit einer geringen Geschwindigkeit geschieht. Aus allen Messergebnissen können die Stahlprofis Eigenschaften des Werkstoffes definieren und überprüfen.
Hier lebt die Vielfalt
Bis heute ist Stahl das wichtigste Konstruktionselement. Dicht gefolgt von Holz. Aluminium folgt weit abgeschlagen hinter den vermeintlich puristischen Materialien. Dabei ist Stahl moderner denn je und er wird immer facettenreicher modifiziert. Der Trend geht eindeutig in die stählerne Leichtbauweise, doch auch die birgt Gefahren, wie Poschmann bestätigt: „Soll der Stahl leichter sein, muss er dünner werden. Zugleich sollte er aber seine Stabilität behalten. Und um hier die richtigen Gleichgewichte aus Statik, Einsparung und Material herzustellen, bedarf es zahlreicher Prüfungen“. Diese führt auch Dipl.-Ingenieurin Petra Feyer durch. Die Maschinenbauingenieurin mit der Vertiefungsrichtung Werkstofftechnik studierte an der Bochumer Ruhr-Universität und leitet heute das Essener Prüflabor. Damals begannen noch 600 Studenten Ihren Weg in den Maschinenbau – davon waren sechs weiblich. „Das prozentuale Verhältnis zwischen Frauen und Männern hat sich bis heute nicht wirklich geändert. Dabei ist es ein tolles Studium, und das beste ist: Die Vielfalt, die ich im Studium erleben durfte, finde ich heute in meiner beruflichen Praxis genau so wieder. In welchem Beruf hat man das schon?!“
Bis heute ist Stahl das wichtigste Konstruktionselement. Dicht gefolgt von Holz. Aluminium folgt weit abgeschlagen hinter den vermeintlich puristischen Materialien. Dabei ist Stahl moderner denn je und er wird immer facettenreicher modifiziert. Der Trend geht eindeutig in die stählerne Leichtbauweise, doch auch die birgt Gefahren, wie Poschmann bestätigt: „Soll der Stahl leichter sein, muss er dünner werden. Zugleich sollte er aber seine Stabilität behalten. Und um hier die richtigen Gleichgewichte aus Statik, Einsparung und Material herzustellen, bedarf es zahlreicher Prüfungen“. Diese führt auch Dipl.-Ingenieurin Petra Feyer durch. Die Maschinenbauingenieurin mit der Vertiefungsrichtung Werkstofftechnik studierte an der Bochumer Ruhr-Universität und leitet heute das Essener Prüflabor. Damals begannen noch 600 Studenten Ihren Weg in den Maschinenbau – davon waren sechs weiblich. „Das prozentuale Verhältnis zwischen Frauen und Männern hat sich bis heute nicht wirklich geändert. Dabei ist es ein tolles Studium, und das beste ist: Die Vielfalt, die ich im Studium erleben durfte, finde ich heute in meiner beruflichen Praxis genau so wieder. In welchem Beruf hat man das schon?!“
