» M+E

Das Herz der Wirtschaft

Wofür steht eigentlich M+E? Die Metall- und Elektroindustrie bildet den Kern der deutschen Wirtschaft. Ein Überblick.

» THINK ING. Shop

Technikmuseen-Buch

Technikmuseen-Buch

Exklusiv im THINK ING. Shop: Wo Technik Spaß macht! Science Center und Technikmuseen in Deutschland 2012

» THINK ING. kompakt

Jeden Monat neue Infos

Jeden Monat neue Infos

kompakt informiert über Ingenieur- studium und -beruf. Stöbern Sie in der neuen Ausgabe oder im Archiv ...

» Die Kommilitonen

Folge 7.7: Translate from Ing.-lish

Das aktuelle Video im Großformat und alle weiteren Folgen finden sich im Podcast-Blog.

» Materialbestellung

Informationsbroschüren

Informationsbroschüren

Ingenieur- Studiengänge eröffnen viele Perspektiven. Wie? THINK ING. Info-Material zeigt den Weg ...

» Die Fachrichtungen

Stahlbau-Studium: Vom Konserven-Weißblech bis zum Brückenträger

Stahlbau-Studium: Vom Konserven-Weißblech bis zum Brückenträger

Stähle sind die am meisten verwendeten metallischen Werkstoffe. Die Legierung aus Eisen plus Kohlenstoff steht einfach für Stabilität. Dabei kann - je nach gewünschter Eigenschaft - das optimale ...

Zum Think-Ing. Forum

RSS-Feed abonnieren

Diese Seite drucken

Stahl-Pipelines

Stahlrohre - hart im Nehmen und stark unter Druck

Pipeline-Systeme sind stählernes Hightech für die Pulsadern der globalen Energieversorgung

In Stahlwerken sind Rohre für Pipelines wohl so etwas wie die Königsdisziplin der Rohrproduktion. Schließlich strömt in ihrem Inneren wertvolles Erdgas oder Rohöl rund um den Globus und trotz hoher Baukosten ist diese Art von Rohstofftransport immer noch ökonomischer als Tankwagen oder Tankschiffe. So ein Rohr muss den widrigsten Umweltbedingungen trotzen. Ob klirrende, arktische Kälte, bei der der Atem gefriert, oder fauchender Wüstensand, den der Sturm millionenfach durch die Luft schießt - Pipelines müssen verdammt hart im Nehmen sein. Und sie müssen vor allem eins sein: millimetergenau produzierte Hightech-Produkte, deren planparallele Rohrenden einen absolut gleichen Durchmesser haben, damit die Montage- und Schweißtrupps kilometerlange Leitungen schnell und präzise zusammenbauen und verlegen können.
Stahlrohr
Stahlrohre gibt es in ganz unterschiedlichen Ausführungen, Wandstärken, Durchmessern und Qualitäten
Rohr ist nicht gleich Rohr
Ein Stahlrohr ist dabei nicht irgendein Rohr, denn, egal ob flüssige, gasförmige oder feste Stoffe durch seinen Kern rauschen, ob es kreisrund, quadratisch oder oval ist, es sollte auf jeden Fall hochstabil sein, von allerbester Qualität und es muss auch über einen langen Zeitraum einiges – wenn nicht sogar alles – aushalten.

Ob als Brems- oder Hydraulikleitung in Fahrzeugen und Maschinen, unter Volldampf im Einsatz in Dampfkesseln und Druckbehältern, in Kraftwerken und Raffinerien oder eben bei eisig kalten oder wüstenheißen Temperaturen in endlos langen Pipeline-Systemen mit großem Rohrdurchmesser.
Pipeline-Stahlrohr-Produktion
Die Pipeline-Stahlrohrproduktion von der gewalzten Stahlplatte über das Biegen und Ummanteln bis hin - für den speziellen Bereich der Offshore-Pipelines - zum Verlegeschiff
Dabei gibt es unterschiedliche Herstellungssysteme für das Endprodukt Stahlrohr: Längsgeschweißte Stahlrohre, also eigentlich Stahlplatten, die durch Biegen erst zum Rohrkörper geformt werden, um deren Kanten dann anschließend in Längsrichtung zu verschweißen. Spiralgeschweißte Stahlrohre, die schraubenlinienförmig gewickelt und an den Bandkanten umlaufend zu einem geschlossenen Rohrkörper verschweißt werden. Und schließlich nahtlose Stahlrohre aus dem vollen nahtlosen Stahlrohstoff. Die Grundlagen für dieses „schweißlose“ Verfahren wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts gelegt. Die Brüder Mannesmann erhielten im Jahr 1885 das Patent darauf. Das wurde zwar bis heute immer weiter verfeinert, im Prinzip handelt es sich aber um dasselbe. Nahtlos werden die Rohre nämlich durch das Lochen von rundem (Stahl-)Blockmaterial und das Ausstrecken der gelochten Blöcke zum Rohr. Lochpresse oder Schrägwalzwerk lauten diese Arbeitsschritte in einer Stahlfabrik.
Eine verdammt heiße Angelegenheit, schließlich „locht“ man hier über 1.000° C heiße Stahlblöcke und streckt diese glühenden Dinger dann mit einer horizontalen hydraulischen Ziehpresse immer weiter.
Vorteil des nahtlosen Prozesses ist natürlich die fehlende Schweißnaht und damit die Garantie eines völlig dichten und präzisen Rohrs aus einem Stück. Nachteil ist, dass man solche gelochten und gezogenen Rohre nur bis zu einem bestimmten Rohrdurchmesser herstellen kann und der liegt leider unter der für Pipeline-Systeme benötigten Größe, die ja aufgrund der transportierten Rohstoffmengen meist deutlich über einem Meter Durchmesser liegt. Man merke: Stahlrohre für eine Pipeline sind also immer längs- oder spiralgeschweißte Rohre, die trotzdem – und das ist Schwierigkeit und Herausforderung zugleich – allererste Güte, Maßgenauigkeit und Dichtigkeit aufweisen müssen.
Stahlrohr-Anlieferung und Logistik
Auch die Logistik spielt beim Pipelinebau eine große Rolle, schließlich gibt es tausende von Rohren, die just in time verarbeitet werden müssen
Dem Druck standhalten
Hochdruck von innen und außen, den sollten Pipelines einstecken. Da muss die Stahlqualität so ausgelegt sein, dass das Material selbst durch Zusatzbelastungen nicht an seine Grenzen stößt. Und die transportierten Materialien sind ja nicht ohne Risiko. Gas ist sehr explosiv, Rohöl verschmutzt die Stahlrohre von innen und die Korrosion nagt am Stahl Hand in Hand mit Wind- und Wettereinflüssen.
Geplatzte Leitungen ziehen extreme Konsequenzen nach sich. Großflächige Umweltschäden und brandgefährliche Unfälle sind die Folge. So versucht man bereits im Vorfeld alles technisch zu planen und zuverlässig zu berechnen. Denn entscheidend sind die Wanddicken der verwendeten Stahlrohre. Die können im Verlauf einer Pipeline auch durchaus unterschiedlich sein. Am Anfang, also direkt hinter den Druckerzeugern und Pumpen, die das Öl oder Gas durch die Leitung drücken, herrscht der höchste Druck. Dort ist demzufolge auch eine große Wanddicke erforderlich. Das kann sich zum Ende der Leitung hin dann durchaus verringern, da der Druck hier weniger groß ist.
Pipeline per Hand zusammengeschweißt
Schweiß-Roboter oder absolute Spezialisten schweißen die einzelnen Pipeline-Rohre zusammen
Ist eine Pipeline dann bereits in Betrieb, helfen unterschiedliche Methoden der Material- und Werkstoffprüfung, um Gewissheit darüber zu erlangen, ob die endlos langen Rohre noch ganz dicht sind. Spezielle Wanddickenmessmolche oder auch Rissprüfmolche können die Rohrleitungen von innen inspizieren, reinigen und reparieren. Große Pipelines haben deshalb immer auch sogenannte Molchschleusen, in die man die wichtigen Helfer einsetzen kann. Die Molche bestehen aus zwei runden Stahlplatten in der Größe des Rohrdurchmessers mit Gummidichtungen an den Rändern. Innen sitzt die nötige Prüf- oder Messtechnik. Das Ganze schwimmt mit dem Strom.
Riesen-Rohr-Projekte
Unsere moderne Welt ist von unzähligen Pipelines durchzogen und unser Energiehunger hängt an ihnen wie ein Patient am Tropf. Würde man alle größeren und kleineren Pipelines auf einer Weltkarte einzeichnen, dann würde diese wohl aussehen wie ein Spinnennetz.

Die mit 1.750 Kilometer längste Ölpipeline der Welt verbindet Baku in Aserbaidschan über Tiflis (Georgien) mit Ceyhan in der Türkei. Die wohl kälteste Leitung ist die Trans-Alaska-Pipeline in Alaska, die über 1.287 Kilometer Länge Erdöl aus dem hohen Norden bis hin zum eisfreien Hafen Valdez transportiert. Besonders rabiat wirds aber bei Einsätzen unter Wasser, so wie bei der 1.220 Kilometer langen Ostseepipeline, das größte jemals in der Ostsee geplante Pipelineprojekt und zudem das bisher größte Offshore-Projekt weltweit. Der erste unter Wasser verlaufende Teil dieser Erdgastrasse reicht von Wyborg in Russland bis Greifswald in Deutschland und soll die wertvolle russische Ressource auf direktem Weg zu den europäischen Verbrauchern bringen. Im fertigen Ausbaustadium würden circa 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Unterseeröhren fließen. Damit könnten rechnerisch mehr als 25 Millionen Haushalte mit Energie versorgt werden. Bis es soweit ist - bestenfalls soll 2012 das erste Gas geliefert werden – müssen nicht nur politisch-ökologische Widerstände aus dem Weg geräumt werden, sondern es gibt auch eine Menge Stahl zu stemmen.
Pipeline-Segmente und Verlegeschiff
Die zusammengeschweißten Pipeline-Segmente wandern vom Verlegeschiff Richtung Meeresboden
Alle zu verbauenden Rohre mit einer Länge von 12 Meter und einem Außendurchmesser von 48 Zoll (1.220 Millimeter) kommen auf ein Gesamtgewicht von über 860.000 Tonnen und deren Fertigung wird die Betreibergesellschaft Nord Stream mehr als eine Milliarde Euro kosten.

Kein Wunder, denn Stahl allein reicht nicht. Die circa 60.000 Rohre des unterseeischen Teils der Pipeline müssen zusätzlich noch mit einem elf Zentimeter dicken Erzbetonmantel versehen werden. Das dient nicht etwa dem Salzwasser-Korrosionsschutz, sondern soll das Rohr zusätzlich beschweren. Beim Offshore-Verlegen werden nämlich ganze Pipelinesegmente an Bord von Spezialschiffen zusammengeschweißt, von wo aus sie in weitem Bogen bis zum Grund des Meeres herabhängen. Die Betonschicht bewirkt das nötige Absinken in die Tiefe und das stattliche Gesamtgewicht der Rohre sorgt zudem dafür, dass diese unabhängig von Meeresströmungen sicher an ihrer Position liegen bleiben.
Verlegeschiff bei der Arbeit
Auf dem Verlegeschiff wird die Pipeline zusammengeschweißt und ins Meer herabgelassen
Dazu wurde in Sassnitz extra ein Betonummantelungswerk gebaut. Pro Woche rollen dort 5 bis 15 Züge mit bis zu 108 Rohren vom Pipeline-Hersteller Europipe in Mülheim/Ruhr an. Europipe ist auf solche Großrohre spezialisiert und produziert diese im Längs- und Spiralnahtschweiß-Verfahren. Für den Ostsee-Einsatz wird extra hochstabiler Stahl nach dem „DNV-Unterwasserstandard OS-F 101“ verwendet.

Aber die Rohre mit einer Wanddicke von bis zu 41 Millimeter sind nicht nur Top-Stahl von allererster Güte, der bis zu 220 bar Druck ertragen wird, sie sind auch von innen und außen etwas ganz Besonderes. Die Europipe-Tochtergesellschaft Mülheim Pipecoatings kleidet sie von innen mit Epoxy aus und umhüllt sie von außen mit Polyethylen. Das ist aber noch nicht alles. Bevor die Rohre zu einer Endlos-Pipeline zusammengeschweißt werden, wird jedes einzelne an großen Servicestützpunkten an Land nochmals einer gründlichen Innenreinigung unterzogen. Ein endgültiges Verschweißen geschieht dann auf offener See an der sogenannten „Double joint“-Schweißstation: Zwei 12 Meter lange Rohre werden vorgewärmt, mit einem Halbautomaten verbunden und anschließend von innen und außen zu einem 24 Meter langen „Double joint“ zusammengeschweißt.

Nachdem die Schweißnähte per Ultraschall auf kleinste Beschädigungen geprüft wurden, gehts in die zentrale Fertigungsstraße, die „Firing-Line“. Hier werden die vorgefertigten Doppelrohre ans Ende der Pipeline geschweißt und ebenfalls noch mal genauestens per Ultraschall gescannt.
So sind die teuren Stahlrohr rundum geprüft und geschützt, bevor sie von Verlegeschiffen in maximalen Wassertiefen von 210 Meter an ihren feuchtkalten, salzigen Arbeitsplätzen in der Ostsee versenkt werden.
Schema Offshore-Pipeline
Die Zeichnung verdeutlicht, welche Schritte Stahlrohre bei der Errichtung einer Unterwasser-Pipeline durchlaufen
Pipelines sind nicht nur Riesenprojekte, superdichte Leitungen und sensationelle Technikleistungen, sie sind auch und in erster Linie Stahl. Denn erst Stahlrohre machen Pipelines zu den Pulsadern der Moderne. Durch sie fließen Unmengen der Rohstoffe, die die Industriegesellschaft benötigt wie die Luft zum Atmen. Globaler Energieaustausch, der von der stählernen Hülle sicher umschlossen wird. Aber auch eine harte Verantwortung, die da an ein hartes Metall gestellt wird. Und ein hartes Stück Arbeit zugleich für alle Stahlbetriebe und Ingenieure, die mit der Herstellung von Pipelinerohren beschäftigt sind.
» Stahl-Special

Stahl im Wasser

Stahl im Wasser

©  choucashoot - Fotolia.com

Vom Supertanker über Ölplattformen bis zu Windkraftanlagen: Im Wasser verwendeter Stahl muss gewissen Anforderungen genügen. Wir stellen einige Stahlriesen der Meere vor.

Vom Supertanker über Ölplattformen bis zu Windkraftanlagen: Im Wasser verwendeter Stahl muss gewissen Anforderungen genügen. Wir stellen einige Stahlriesen der Meere vor.

08.02.2012 | 10:43:13

Ingenieurberuf - Arbeitsmarkt • Ingenieurstudium/-beruf allgemein

Thema: Outotec is looking for a Product Engineer Benefication (f/m)

Text: Outotec develops and provides technology solutions for the sustainable use of Earth's natural resources. As the global leader in minerals and metals...

THINK ING. auf Facebook
» Die Fachrichtungen

Flüssige Metalle und Metallurgie sind eine verdammt heiße Angelegenheit

Flüssige Metalle und Metallurgie sind eine verdammt heiße Angelegenheit

Nicht um Rohstoff-Abbau, sondern um die Verfahren zur Gewinnung und Nutzung von Metallen sowie ihrer Formgebung zu Produkten geht es Ingenieuren der Metallurgie. Viel Technik und Chemie ist notwendig ...

»THINK ING.-Shop

Gewinner des Deutschen Computerspielpreises: ExperiMINTe

Video
» Internes

Datenschutz

Datenschutz

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise zur Benutzung dieser Webseite

» Grafik des Monats

Ingenieure dringend gesucht!

Ingenieure dringend gesucht!

Der Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren ist immens. Die Lücke klafft vor allem bei Maschinenbau- und Fahrzeugbauingenieuren.

Kurzbeschreibung: Verschiedene Filme zeigen den Weg von der Stahl-Gewinnung bis zum Endprodukt aus diesem Material.

Themenauflistung: Herstellung, Schmiedestücke, Bleche, Draht, Oberflächenbeschichtung, Tailored Blanks

Herausgeber/Autor: Stahl-Informations-Zentrum

Ausgabe: 2009

Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Studierende

Verwendungszweck: Berufswahl, allgemeine Information

Max. Bestellmenge: 1