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© Roger Asbury, Fotolia / Europipe
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Stahlrohre - hart im Nehmen und stark unter Druck
Pipeline-Systeme sind stählernes Hightech für die Pulsadern der globalen Energieversorgung
In Stahlwerken sind Rohre für Pipelines wohl so etwas wie die Königsdisziplin der Rohrproduktion. Schließlich strömt in ihrem Inneren wertvolles Erdgas oder Rohöl rund um den Globus und trotz hoher Baukosten ist diese Art von Rohstofftransport immer noch ökonomischer als Tankwagen oder Tankschiffe. So ein Rohr muss den widrigsten Umweltbedingungen trotzen. Ob klirrende, arktische Kälte, bei der der Atem gefriert, oder fauchender Wüstensand, den der Sturm millionenfach durch die Luft schießt - Pipelines müssen verdammt hart im Nehmen sein. Und sie müssen vor allem eins sein: millimetergenau produzierte Hightech-Produkte, deren planparallele Rohrenden einen absolut gleichen Durchmesser haben, damit die Montage- und Schweißtrupps kilometerlange Leitungen schnell und präzise zusammenbauen und verlegen können.
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© Ramona Heim / Fotolia
Stahlrohre gibt es in ganz unterschiedlichen Ausführungen, Wandstärken, Durchmessern und Qualitäten
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Ein Stahlrohr ist dabei nicht irgendein Rohr, denn, egal ob flüssige, gasförmige oder feste Stoffe durch seinen Kern rauschen, ob es kreisrund, quadratisch oder oval ist, es sollte auf jeden Fall hochstabil sein, von allerbester Qualität und es muss auch über einen langen Zeitraum einiges – wenn nicht sogar alles – aushalten.
Ob als Brems- oder Hydraulikleitung in Fahrzeugen und Maschinen, unter Volldampf im Einsatz in Dampfkesseln und Druckbehältern, in Kraftwerken und Raffinerien oder eben bei eisig kalten oder wüstenheißen Temperaturen in endlos langen Pipeline-Systemen mit großem Rohrdurchmesser.
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© Nord Stream
Die Pipeline-Stahlrohrproduktion von der gewalzten Stahlplatte über das Biegen und Ummanteln bis hin - für den speziellen Bereich der Offshore-Pipelines - zum Verlegeschiff
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Eine verdammt heiße Angelegenheit, schließlich „locht“ man hier über 1.000° C heiße Stahlblöcke und streckt diese glühenden Dinger dann mit einer horizontalen hydraulischen Ziehpresse immer weiter.
Vorteil des nahtlosen Prozesses ist natürlich die fehlende Schweißnaht und damit die Garantie eines völlig dichten und präzisen Rohrs aus einem Stück. Nachteil ist, dass man solche gelochten und gezogenen Rohre nur bis zu einem bestimmten Rohrdurchmesser herstellen kann und der liegt leider unter der für Pipeline-Systeme benötigten Größe, die ja aufgrund der transportierten Rohstoffmengen meist deutlich über einem Meter Durchmesser liegt. Man merke: Stahlrohre für eine Pipeline sind also immer längs- oder spiralgeschweißte Rohre, die trotzdem – und das ist Schwierigkeit und Herausforderung zugleich – allererste Güte, Maßgenauigkeit und Dichtigkeit aufweisen müssen.
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© Europipe
Auch die Logistik spielt beim Pipelinebau eine große Rolle, schließlich gibt es tausende von Rohren, die just in time verarbeitet werden müssen
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Hochdruck von innen und außen, den sollten Pipelines einstecken. Da muss die Stahlqualität so ausgelegt sein, dass das Material selbst durch Zusatzbelastungen nicht an seine Grenzen stößt. Und die transportierten Materialien sind ja nicht ohne Risiko. Gas ist sehr explosiv, Rohöl verschmutzt die Stahlrohre von innen und die Korrosion nagt am Stahl Hand in Hand mit Wind- und Wettereinflüssen.
Geplatzte Leitungen ziehen extreme Konsequenzen nach sich. Großflächige Umweltschäden und brandgefährliche Unfälle sind die Folge. So versucht man bereits im Vorfeld alles technisch zu planen und zuverlässig zu berechnen. Denn entscheidend sind die Wanddicken der verwendeten Stahlrohre. Die können im Verlauf einer Pipeline auch durchaus unterschiedlich sein. Am Anfang, also direkt hinter den Druckerzeugern und Pumpen, die das Öl oder Gas durch die Leitung drücken, herrscht der höchste Druck. Dort ist demzufolge auch eine große Wanddicke erforderlich. Das kann sich zum Ende der Leitung hin dann durchaus verringern, da der Druck hier weniger groß ist.
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© Europipe
Schweiß-Roboter oder absolute Spezialisten schweißen die einzelnen Pipeline-Rohre zusammen
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Riesen-Rohr-Projekte
Unsere moderne Welt ist von unzähligen Pipelines durchzogen und unser Energiehunger hängt an ihnen wie ein Patient am Tropf. Würde man alle größeren und kleineren Pipelines auf einer Weltkarte einzeichnen, dann würde diese wohl aussehen wie ein Spinnennetz.
Die mit 1.750 Kilometer längste Ölpipeline der Welt verbindet Baku in Aserbaidschan über Tiflis (Georgien) mit Ceyhan in der Türkei. Die wohl kälteste Leitung ist die Trans-Alaska-Pipeline in Alaska, die über 1.287 Kilometer Länge Erdöl aus dem hohen Norden bis hin zum eisfreien Hafen Valdez transportiert. Besonders rabiat wirds aber bei Einsätzen unter Wasser, so wie bei der 1.220 Kilometer langen Ostseepipeline, das größte jemals in der Ostsee geplante Pipelineprojekt und zudem das bisher größte Offshore-Projekt weltweit. Der erste unter Wasser verlaufende Teil dieser Erdgastrasse reicht von Wyborg in Russland bis Greifswald in Deutschland und soll die wertvolle russische Ressource auf direktem Weg zu den europäischen Verbrauchern bringen. Im fertigen Ausbaustadium würden circa 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Unterseeröhren fließen. Damit könnten rechnerisch mehr als 25 Millionen Haushalte mit Energie versorgt werden. Bis es soweit ist - bestenfalls soll 2012 das erste Gas geliefert werden – müssen nicht nur politisch-ökologische Widerstände aus dem Weg geräumt werden, sondern es gibt auch eine Menge Stahl zu stemmen.
Unsere moderne Welt ist von unzähligen Pipelines durchzogen und unser Energiehunger hängt an ihnen wie ein Patient am Tropf. Würde man alle größeren und kleineren Pipelines auf einer Weltkarte einzeichnen, dann würde diese wohl aussehen wie ein Spinnennetz.
Die mit 1.750 Kilometer längste Ölpipeline der Welt verbindet Baku in Aserbaidschan über Tiflis (Georgien) mit Ceyhan in der Türkei. Die wohl kälteste Leitung ist die Trans-Alaska-Pipeline in Alaska, die über 1.287 Kilometer Länge Erdöl aus dem hohen Norden bis hin zum eisfreien Hafen Valdez transportiert. Besonders rabiat wirds aber bei Einsätzen unter Wasser, so wie bei der 1.220 Kilometer langen Ostseepipeline, das größte jemals in der Ostsee geplante Pipelineprojekt und zudem das bisher größte Offshore-Projekt weltweit. Der erste unter Wasser verlaufende Teil dieser Erdgastrasse reicht von Wyborg in Russland bis Greifswald in Deutschland und soll die wertvolle russische Ressource auf direktem Weg zu den europäischen Verbrauchern bringen. Im fertigen Ausbaustadium würden circa 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Unterseeröhren fließen. Damit könnten rechnerisch mehr als 25 Millionen Haushalte mit Energie versorgt werden. Bis es soweit ist - bestenfalls soll 2012 das erste Gas geliefert werden – müssen nicht nur politisch-ökologische Widerstände aus dem Weg geräumt werden, sondern es gibt auch eine Menge Stahl zu stemmen.
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© Europipe
Die zusammengeschweißten Pipeline-Segmente wandern vom Verlegeschiff Richtung Meeresboden
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Kein Wunder, denn Stahl allein reicht nicht. Die circa 60.000 Rohre des unterseeischen Teils der Pipeline müssen zusätzlich noch mit einem elf Zentimeter dicken Erzbetonmantel versehen werden. Das dient nicht etwa dem Salzwasser-Korrosionsschutz, sondern soll das Rohr zusätzlich beschweren. Beim Offshore-Verlegen werden nämlich ganze Pipelinesegmente an Bord von Spezialschiffen zusammengeschweißt, von wo aus sie in weitem Bogen bis zum Grund des Meeres herabhängen. Die Betonschicht bewirkt das nötige Absinken in die Tiefe und das stattliche Gesamtgewicht der Rohre sorgt zudem dafür, dass diese unabhängig von Meeresströmungen sicher an ihrer Position liegen bleiben.
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© Europipe
Auf dem Verlegeschiff wird die Pipeline zusammengeschweißt und ins Meer herabgelassen
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Aber die Rohre mit einer Wanddicke von bis zu 41 Millimeter sind nicht nur Top-Stahl von allererster Güte, der bis zu 220 bar Druck ertragen wird, sie sind auch von innen und außen etwas ganz Besonderes. Die Europipe-Tochtergesellschaft Mülheim Pipecoatings kleidet sie von innen mit Epoxy aus und umhüllt sie von außen mit Polyethylen. Das ist aber noch nicht alles. Bevor die Rohre zu einer Endlos-Pipeline zusammengeschweißt werden, wird jedes einzelne an großen Servicestützpunkten an Land nochmals einer gründlichen Innenreinigung unterzogen. Ein endgültiges Verschweißen geschieht dann auf offener See an der sogenannten „Double joint“-Schweißstation: Zwei 12 Meter lange Rohre werden vorgewärmt, mit einem Halbautomaten verbunden und anschließend von innen und außen zu einem 24 Meter langen „Double joint“ zusammengeschweißt.
Nachdem die Schweißnähte per Ultraschall auf kleinste Beschädigungen geprüft wurden, gehts in die zentrale Fertigungsstraße, die „Firing-Line“. Hier werden die vorgefertigten Doppelrohre ans Ende der Pipeline geschweißt und ebenfalls noch mal genauestens per Ultraschall gescannt.
So sind die teuren Stahlrohr rundum geprüft und geschützt, bevor sie von Verlegeschiffen in maximalen Wassertiefen von 210 Meter an ihren feuchtkalten, salzigen Arbeitsplätzen in der Ostsee versenkt werden.
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© Nord Stream
Die Zeichnung verdeutlicht, welche Schritte Stahlrohre bei der Errichtung einer Unterwasser-Pipeline durchlaufen
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Pipelines sind nicht nur Riesenprojekte, superdichte Leitungen und sensationelle Technikleistungen, sie sind auch und in erster Linie Stahl. Denn erst Stahlrohre machen Pipelines zu den Pulsadern der Moderne. Durch sie fließen Unmengen der Rohstoffe, die die Industriegesellschaft benötigt wie die Luft zum Atmen. Globaler Energieaustausch, der von der stählernen Hülle sicher umschlossen wird. Aber auch eine harte Verantwortung, die da an ein hartes Metall gestellt wird. Und ein hartes Stück Arbeit zugleich für alle Stahlbetriebe und Ingenieure, die mit der Herstellung von Pipelinerohren beschäftigt sind.
Europipe ist einer der größten Hersteller für Pipeline-rohre. Sitz des German Headquaters und Hauptproduktionsstandort ist Mülheim a.d. Ruhr.
Auch wenn die Ostsee-Pipeline nicht ganz unumstritten ist, so erfährt man auf den Websites der Betreibergesellschaft Nord Stream eine Menge zu Projekt, Technik und Umsetzung.

Kurzbeschreibung: Verschiedene Filme zeigen den Weg von der Stahl-Gewinnung bis zum Endprodukt aus diesem Material.
Themenauflistung: Herstellung, Schmiedestücke, Bleche, Draht, Oberflächenbeschichtung, Tailored Blanks
Herausgeber/Autor: Stahl-Informations-Zentrum
Ausgabe: 2009
Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Studierende
Verwendungszweck: Berufswahl, allgemeine Information
Max. Bestellmenge: 1
Themenauflistung: Herstellung, Schmiedestücke, Bleche, Draht, Oberflächenbeschichtung, Tailored Blanks
Herausgeber/Autor: Stahl-Informations-Zentrum
Ausgabe: 2009
Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Studierende
Verwendungszweck: Berufswahl, allgemeine Information
Max. Bestellmenge: 1
