INGenius: Dr. Ing. Christian Will, Projektleiter im Strategischen Technologie-Management bei der Otto Bock HealthCare GmbH
Intelligentes Technologiemanagement für intelligente Prothesen
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Dr. Ing. Christian Will
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Christian Will arbeitet im Bereich des Strategischen Technologiemanagements, der für das Unternehmen Otto Bock von entscheidender Bedeutung ist. Unter anderem betreut er Forschungsprojekte, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und zusammen mit Universitäten und anderen Firmen durchgeführt werden. Da geht es vor allem um Vorentwicklungen. Diese Art der Forschung erfordert einen langen Atem. Und am Ende stehen nicht unbedingt fertige Produkte, sondern vielmehr neue Produktansätze und Technologien. Es geht um eine stetige Verbesserung der Zuverlässigkeit, Qualität und Funktionalität der Produkte, bei möglichst gleichbleibenden Kosten. Zu Christian Wills Tätigkeiten gehört auch das so genannte Technologie-Scouting. Dabei ist es selbstverständlich, dass er sich immer auf dem Laufenden hält, die Entwicklung wichtiger Technologien verfolgt und sich permanent weiterbildet.
Christian Wills Tätigkeit erinnert zuweilen an die eines Projektmanagers, der Projekte für das Unternehmen akquiriert und sinnvoll aufeinander abstimmt. "Das ist in der Tat ein Teil meiner Arbeit", bestätigt der junge Ingenieur. "Ich beschäftige mich damit, welche Projekte im Bereich Mechatronik/Adaptronik in Zukunft für das Unternehmen sinnvoll sein könnten. Was benötigen die einzelnen Abteilungen zukünftig für Technologien, zum Beispiel die Abteilung, die sich mit Fuß- oder Knieprothesen beschäftigt? Wenn möglich und sinnvoll, stoße ich auch Forschungsprojekte in dieser Richtung mit an."
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Unternehmensleiter Hans Georg Näder betont gern, dass er bei der Entwicklung neuer Prothesen und Orthesen auch auf "Spielfreude" setze. Bleibt einem verantwortlichen Ingenieur bei den teuren Entwicklungen in der Medizintechnologie tatsächlich Raum für Spiel und Experiment? "Auf jeden Fall", bestätigt Christian Will. "Es stehen hier auf den Tischen auch schon mal Fischertechnik-Modelle, es wird Draht gebogen und so weiter. In der Technologievorentwicklung haben wir es ja oft mit völlig neuen Ansätzen zu tun. Da trägt es zum Verständnis dieser Technologien bei, wenn man etwas zum Anfassen und zum Spielen hat." Oft komme man tatsächlich erst auf neuen Ideen, wenn man Problemstellungen spielerisch angehe. Zwar gebe es keine festgelegten Spielstunden bei Otto Bock. Aber es werde auf jeden Fall gern gesehen, wenn ein Ingenieur sich zwischendurch Zeit dafür nimmt. "Die Entwicklung verläuft oft nicht so, wie man sie sich wünscht. Um zum Beispiel herauszubekommen, ob eine Fußprothese dauerhaft hält, muss man eben experimentieren."
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Das C-Leg
Das berühmteste Produkt des Unternehmens Otto Bock ist das C-Leg, eine Chip-gesteuerte Beinprothese, die heute bereits von mehr als 30.000 Menschen genutzt wird. Die Entwicklung dieser Innovation hat in Kanada begonnen. Kelvin James von der Universität Alberta legte mit seinen Vorarbeiten die Grundlagen. Otto Bock kaufte ihm sein Patent ab. Danach dauerte es noch fünf Jahre bis zur Markteinführung. "Das C-Leg war ein Riesenschritt in der Prothetik", betont Christian Will. "Durch das Zusammenspiel von Sensorik, Mechanik, Elektronik, Regelungstechnik und Informatik konnten wir die Zuverlässigkeit des Kniegelenks erheblich steigern." Mit elektronischer Unterstützung können die Patienten heute in der Regel unbekümmerter laufen und müssen nicht darüber nachdenken, welche Schritte sie tun, während sie sich bewegen. Für Mitte 2011 ist das weiter optimierte Nachfolgemodell "Genium" angekündigt. "Diese Entwicklung war nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich", sagt Chistian Will. "Ingenieure aus der Elektro-, Regelungs- und Messtechnik, aus Maschinenbau, Informatik und Biomechanik waren daran beteiligt. Wie lange es bis zur Markteinführung eines Produktes dauert, hängt von seiner Komplexität ab. In der Regel sind das bei uns drei bis fünf Jahre."
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Die gedankengesteuerte Armprothese
Über die "gedankengesteuerte" Armprothese von Otto Bock wurde schon oft in den Medien berichtet. Das Prinzip ist genial und klingt nach Science-Fiction. Beim Patienten werden die Nerven, die zum Arm führen, operativ auf den Brustmuskel umgeleitet und sprechen hier unterschiedliche Bereiche an. Sensoren werden an den Muskel angelegt und erkennen an den Aktivitätsmustern, welche Bewegung der Patient gerade machen will. Intelligente Steuerung und Motoren setzen das dann in die Armbewegung um. "Nach einer Regenerations- und Übungsphase können die Patienten die Prothese intuitiver als eine konventionelle Prothese bewegen. Der Mensch hat hier weniger Mühe, sich an die Prothese zu gewöhnen, denn diese gewöhnt sich auch an ihn. Nach einem Einlernprozess erkennt sie die Muster, etwa für "Arm heben", "Arm strecken". Die Prothese setzt das dann ähnlich um wie das natürliche Vorbild." Christian Kandlbauer, der als einer der ersten die Armprothese nutzt, steuert damit sein Auto und kann viele Dinge erledigen, die ihm ohne Prothese unmöglich waren.

