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INGenius: Dr.-Ing. Ingo Dahm

Head of Academic Relations Team, Microsoft Deutschland GmbH

Kraftwerke planen, komplizierte Anlagen bauen, Drähte verlöten, Stromstärken berechnen und messen, Kabel verlegen – so sieht der Alltag eines Elektroingenieurs aus. Glaubt zumindest der Laie, dessen Berührungspunkte mit der Elektrobranche sich auf das Wechseln der Glühbirne oder des Stromanbieters beschränken. Aber genauso wenig, wie der Strom aus der Steckdose kommt, stimmt das Klischee vom Laborkittel tragenden und mit komplizierten Formeln hantierenden Elektroexperten. Natürlich gehören die genannten Tätigkeiten zum Berufsbild dazu. Doch sie decken nur einen Bruchteil des Tätigkeitsfeldes von Elektroingenieuren in der Praxis ab.

„Die Formeln aus der Theoretischen Elektrotechnik habe ich nach dem Studium nie wieder benötigt,“ bestätigt Dr. Ingo Dahm von Microsoft Deutschland. Er ist Elektroingenieur und Leiter des Academic Relations Team des Softwareunternehmens. In dieser Funktion führt er eine Gruppe von 20 Mitarbeitern und über 100 Studierenden, die sich um das Engagement des Herstellers im deutschen Bildungsbereich kümmern. Schon vor seiner Tätigkeit bei Microsoft hat Dahm über den Tellerrand der klassischen Elektrotechnik geschaut und einem Team von Fußball spielenden Roboterhunden zum mehrfachen Weltmeistertitel verholfen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht – seine Karriere ist durchaus typisch für einen Ingenieur, denn sie zeigt die Bandbreite der Arbeitsfelder und die kreativen Möglichkeiten, die sich Ingenieuren heute in einer globalisierten und immer dynamischeren Welt bieten.
Ideen entwickeln und umsetzen

Wie wird ein Elektroingenieur erst zum Roboterfußballer, dann zum Bildungsmanager? „Eigentlich wollte ich Informatik studieren,“ erzählt der in der ehemaligen DDR geborene und in Westfalen aufgewachsene Dahm. „Doch ein Onkel, der als Ingenieur bei der Kernforschungsanstalt Jülich am Bau des dortigen Protonenbeschleunigers beteiligt war, überzeugte mich: So etwas Spannendes wollte ich auch machen!“.
Den Dingen auf den Grund gehen, Zusammenhänge erkennen, Ideen für neue Lösungen entwickeln und in der Praxis umsetzen – das wurde auch für Ingo Dahm die Herausforderung nach dem Studium der Elektrotechnik an der Universität Dortmund. Er arbeitete in einem Start-up-Unternehmen an der Basistechnologie für mobiles Ticketing, gründete eine eigene Firma und entwickelte ein System, mit dem man Park- und Nahverkehrstickets per Handy bezahlen kann. Dann rief wieder die Wissenschaft. Dahm verkaufte seine Firmenanteile und begann an der Uni Dortmund eine Doktorarbeit über die Klassifizierung von Computer-Festplatten. „Ich habe untersucht, mit welcher Genauigkeit die Informationen auf einer Festplatte gelesen werden und wie man diese Genauigkeit erhöhen kann,“ erläutert Dahm. „Zwar kann ein Bit auf der Festplatte nur den Zustand ’1’ oder ’0’ haben, aber wegen der hohen Dichte der Bits auf der Platte kann es beim Lesen zu Fehlern kommen.“
Von der Festplatte zum Fußballroboter

Während der Dissertation dann das nächste Schlüsselerlebnis. Ingo Dahm erinnert sich: „Ein Kollege kam mit einem dieser Roboterhunde von Sony an. Ich war sofort Feuer und Flamme und wusste: Damit muss ich was machen!“. Gesagt, getan. Dahm gründete an der Uni Dortmund ein Team, das die elektronischen Hunde durch spezielle Programmierung zu Fußballartisten machte. Im Jahr 2002 nahmen sie erstmals am Robocup in Japan teil, der offiziellen Weltmeisterschaft für Roboterfußball. „Wir sind auf Anhieb bis ins Viertelfinale gekommen – ein Riesenerfolg und ein wahnsinniges Erlebnis,“ so Dahm. 2004 holte das heute noch bestehende Team unter dem Namen ’Microsoft Hellhounds’ sogar den Titel, den es im folgenden Jahr verteidigen konnte. Das Wissen aus der Doktorarbeit half Ingo Dahm bei der Programmierung der kickenden Elektrohunde. „Ob ich nun den Zustand eines Bits erkennen muss oder die Position des Balls auf dem Spielfeld – die Algorithmen sind ähnlich.“
Im selben Jahr konnte der Ingenieur einen weiteren Erfolg feiern. Er beteiligte sich mit einem Team am studentischen Programmierwettbewerb ’Imagine Cup’ von Microsoft. Dahm: „Wir haben ein System für mobile Authentifizierungsverfahren entwickelt, also die Unterschrift mit dem Handy. Resultat waren der erste Platz in Deutschland und international ein Rang in den Top Ten.“ Kein Wunder, dass der Softwaregigant auf das junge Talent aufmerksam wurde. Microsoft förderte den Doktoranden und bot ihm nach der Dissertation den Managerposten im Academic Relations Team an.
Der Ingenieur als Bildungsmanager

Heute sitzt Ingo Dahm selber in der Jury des Imagine Cup. „Eine der spannendsten Aufgaben, die ich habe. Es gilt, die besten deutschen Softwaredesigner zu finden. Das ist wirklich knifflig, denn die Qualität der eingereichten Beiträge ist sehr hoch, die Kreativität der Studierenden immer wieder überraschend,“ berichtet der Manager. Seine Arbeit bei Microsoft ist vielseitig. Das Academic Relations Team verantwortet die Bildungsstrategie des Unternehmens und betreut eine Reihe von Programmen für Studierende. „Eine zentrale Aufgabe ist die konkrete Förderung von Studenten technischer und medienorientierter Studiengänge. Zudem stellen wir allen Schülern und Studenten kostenlos Software zur Verfügung,“ so Dahm. „Dozenten und Professoren bieten wir Lehrmaterialien an und unterstützen sie mit Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen.“ Der Bildungsmanager ist immer im engen Kontakt mit der Zielgruppe, besucht Hochschulen und Veranstaltungen, wird als Referent auf Kongresse und Tagungen eingeladen. Oder er unternimmt schon mal einen Segeltörn mit seinen Mitarbeitern, um das Team enger zusammenzuschweißen. Dahm: „Das Tätigkeitsspektrum ist extrem abwechslungsreich und immer wieder neu.“
Entscheidend sind die Denkweise und ein breites Basiswissen

Inwieweit kann Ingo Dahm das Fachwissen aus dem Elektrotechnikstudium für seinen aktuellen Job nutzen? Er hat da keine Zweifel: „Als Ingenieur erwirbt man eine bestimmte Denkweise: pragmatisch, technisch und lösungsorientiert. Im Studium habe ich gelernt, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und zu zerlegen, bis sie in handliche und verständliche Teile zerfallen. Diese Vorgehensweise hilft mir jeden Tag aufs Neue, Probleme zu lösen.“ Zur Veranschaulichung nennt Dahm die komplexen Rechenmodelle, die er mit seinem Team entwickelt hat. „Damit sagen wir die Reaktion des Marktes auf unsere Aktivitäten voraus. Beispielsweise wie sich der Bekanntheitsgrad eines Programms in Abhängigkeit der Besucherzahlen einer bestimmten Website erhöht. Die Vorhersagen sind erstaunlich genau.“
Dahm betont, dass einem Ingenieur im Studium ein breites Basiswissen vermittelt wird. „Ein exzellentes Fundament, um verschiedenste Tätigkeiten darauf aufzubauen.“ Überhaupt sieht er für Ingenieure großartige Zukunftschancen: „Ihnen steht die Welt offen. Ingenieure bringen Technologiewissen sowie Erfinder- und Forschergeist mit, Kreativität ist eine ihrer Kerneigenschaften, und ihr breites Basiswissen vereinfacht den Umgang mit Menschen unterschiedlichster Fachrichtungen und Bildungshintergründe. In welcher Branche sind diese Fähigkeiten nicht gefragt?“ Abschließend gibt Ingo Dahm angehenden Ingenieuren noch einen Tipp: „Bleibt euch selbst treu, seid authentisch und setzt euch klare und herausfordernde Ziele.”

22.05.2013 | 16:06:07

Studienschwerpunkte • Ingenieurstudium/-beruf allgemein

Thema: Luft - und Raumfahrttechnik II

Text: Hallo YouDon'tKnowAlex, vielen Dank für deine Frage und Geduld. Eine allgemein gültige Antwort zu formulieren, welche Universität die „beste“ ist und...

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