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INGenius: Dr. Ing. Michael Raß, Geschäftsführer und Gesellschafter der Teutoburger Ölmühle

Vom Doktoranden zum mehrfach preisgekrönten visionären Unternehmer

Es klingt fast wie ein Märchen: Innerhalb von zehn Jahren vom Doktoranden an der Uni zum Gesellschafter und Geschäftsführer eines hochinnovativen Unternehmens, das nicht nur Marktführer in Deutschland ist, sondern auch als beispielhaft für nachhaltiges Wirtschaften gilt.
Dr. Ing. Michael Raß

Eigentlich eine ganz einfache Idee ...

Wie so oft begann alles mit einer einfachen Idee: Würde man die Raps-Saat vor der Pressung schälen, so die Überlegung von Prof. Felix. H. Schneider an der Universität Essen, könnte der bis dahin übliche Lösemittel-Einsatz erheblich reduziert und so gleichzeitig Produktionsprozess und Produktqualität optimiert werden.

Doch in der Branche galt geschälte Rapssaat als nicht verarbeitungsfähig. Diesem Problem widmeten sich im Jahr 1993 die beiden jungen Doktoranden Michael Raß und Christian Schein. Die Ingenieure der Verfahrenstechnik sollten einige Jahre harter Forschungs- und Entwicklungsarbeit brauchen, bis sie die Idee ihres Doktorvaters zu einer anwendbaren Technologie weiterentwickelt hatten.

Erst im Jahr 2001 hielten die beiden Wissenschaftler den Lohn ihrer Arbeit in den Händen: den Titel eines Dr. Ing. und zudem ein Patent für ein weltweit einzigartiges und vor allem besonders schonendes Herstellungsverfahren. Denn als erfreulicher Nebeneffekt des Verfahrens stellte sich heraus, dass durch die Schälung die in der Schale enthaltenen Bitterstoffe nicht mehr ins Öl gelangten und so die chemisch aufwendige und energieintensive Nachbehandlung der Öle unnötig wurde.

Die Industrie konnten die beiden Wissenschaftler für die Ergebnisse ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit allerdings nicht begeistern. „Großtechnisch nicht umsetzbar“ lautete lapidar der Bescheid. Raß und Schein waren da anderer Meinung – und sich sicher genug, um im Jahr 2000 den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen.

Es wurde der Beginn einer außerordentlichen Erfolgsgeschichte: Schon zwei Jahre später schrieb das Start-Up-Unternehmen schwarze Zahlen. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen (NRW Innovationspreis 2002, Oskar für den Mittelstand 2004, deutscher Gründerpreis/Kategorie „Aufsteiger“ 2007) folgten. Heute, rund zehn Jahre nach Gründung, ist die Teutoburger Ölmühle Marktführer für kaltgepresstes Rapsöl in Deutschland mit einem Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich.
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„Das Olivenöl des Nordens“

Rapsöl hat in den letzten Jahren einen Imagewechsel vollzogen. Weg vom einfachen Gebrauchsöl hin zu einem gesunden Feinschmeckerprodukt, dem „Olivenöl des Nordens“. Raß hierzu: „Studien haben ergeben, dass Rapsöl ernährungsphysiologisch mindestens genauso gut, wenn nicht sogar einen Tick besser ist, als Olivenöl. Es hat von allen Ölen den geringsten Anteil an gesättigten Fettsäuren und enthält als Plus zehn Mal mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren.“

Das patentierte Verfahren, mit dem in der Teutoburger Ölmühle gepresst wird, ist dabei für die Qualität entscheidend. Um ein Speiseöl als „kaltgepresst“ auf den Markt bringen zu dürfen, reicht es aus, wenn vor der Pressung keine Wärme von außen zugeführt wird. „Dass bei der Pressung durch hohen Druck und Reibung durchaus Temperaturen von 60 bis 70 Grad entstehen, wird dabei nicht berücksichtigt. Aber schon oberhalb einer Grenze von 40° C werden verunreinigende Enzyme aktiviert. Unser Öl ist tatsächlich kalt gepresst, weil wir die Reibung reduziert haben und die Schneckenpressen zusätzlich von außen kühlen“, so Raß. Die aus klassischer Ingenieurskunst resultierende Qualität ist so überzeugend, dass Raß bei sich schon lange andere Speiseöle aus der Küche verbannt hat.

Nachhaltigkeit als Unternehmensphilosophie

Die Produktqualität ist jedoch nur ein Faktor für den Erfolg des Unternehmens. Der andere ist die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete und konsequent umgesetzte Firmenphilosophie. Raß ist überzeugt: „Nur ein glaubwürdiges, authentisches Unternehmen ist langfristig erfolgreich!“

Deshalb arbeitet die Teutoburger Ölmühle energieautark. „Aufgrund der äußerst schonenden Pressung der Kerne ist die Ölausbeute relativ gering. Auf ein Drittel Öl kommen etwa zwei Drittel Pressrückstände“, berichtet Raß. Das dort verbliebene Öl wird aber durch weitere Pressungen ebenfalls gewonnen. Damit wird ein hauseigenes Blockheizkraftwerk betrieben, das die für die Produktion benötigte elektrische Energie und Prozesswärme erzeugt. Auch ein Teil der Lastkraftwagen, die für das Unternehmen fahren, werden mit dem selbsterzeugten Biodiesel angetrieben. Selbst der dann noch verbleibende Rest wird genutzt – er geht als proteinreiches Tierfutter zurück in die Landwirtschaft. Raß: „So haben wir eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft geschaffen, vom Anbau bis zur Entsorgung.“

Unternehmer – und immer noch Wissenschaftler

Seine Wurzeln in der Wissenschaft sind Dr. Michael Raß sehr wichtig. Die Teutoburger Ölmühle beteiligt sich – neben elf anderen Unternehmen und Stiftungen – an der Finanzierung einer Stiftungsprofessur der Fachhochschule Münster zur nachhaltigen Ernährungs- und Dienstleistungswirtschaft. Sie ist zudem Partner des Zentrums für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten/Herdecke, das Dr. Michael Raß auch als Mitglied des Beirats unterstützt.

„Als innovatives Unternehmen arbeiten wir ständig an neuen Produkten, auch in Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen.“ Die Kraft und Fähigkeit zur Innovation sieht er als entscheidendes Kriterium für die Zukunft: „Innovation ist der Schlüssel für langfristigen Unternehmenserfolg, ganz klar. Ein Unternehmen, das seine Innovationskraft verliert, ist auf dem Weg zur eigenen Beerdigung.“

„Es war ein richtiger, wenn auch spannender Schritt, der längst nicht zuende ist“, sagt Dr. Michael Raß rückblickend über seinen Schritt in die Selbständigkeit. Für die Zukunft ist er nach wie vor optimistisch. „Die Absatzzahlen für Rapsöl steigen weiter. Von diesem Wachstum wollen wir möglichst viel abbekommen“, so der Unternehmer, „Wir haben noch viel vor – in Deutschland und in Europa!“

18.05.2013 | 15:10:57

Maschinenbauingenieur/in • Maschinenbau

Thema: Tragvorrichtung für große Lasten/kleine Aufnahmepunkte

Text: Hallo zusammen, Zuerst ein paar Fakten: Wir (4 Maschinenbaustudenten) müssen im Rahmen einer konstruktiven Projektarbeit eine Vorrichtung bauen, bei...

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