INGenius: Dr. Ing. Michael Raß, Geschäftsführer und Gesellschafter der Teutoburger Ölmühle
Kurzinterview zu seinem Werdegang und ein paar Tipps für angehende Ingenieure
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Wann wussten Sie, dass Sie Ingenieur werden wollen und was hat Sie dazu bewogen?
Ich habe mich schon immer (als Kind und Jugendlicher) für Technik und Forschung interessiert. Meine Berufswünsche wechselten zwischen Forscher, Archäologe und Wissenschaftsjournalist. Letztendlich habe ich dann nach Lehre und Zivildienst begonnen, parallel Maschinenbauingenieurwesen und Maschinentechnik und Sport für das Lehramt zu studieren. Beide Studien ließen sich aber parallel nicht realisieren und so habe ich mich für den Ingenieurberuf entschieden.
Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für den Ingenieurberuf interessieren?
Interessenten sollten alle Möglichkeiten während der Schulzeit wahrnehmen, Praktika und Ferienjobs in Firmen mit entsprechendem Angebot zu absolvieren.
Eine fundierte Ausbildung ist nicht zwingend erforderlich, aber ich habe die Ausbildung zum Allgemeinmechaniker als sehr förderlich erlebt – auch zur eigenen Persönlichkeitsfindung.
Und was raten Sie Studierenden/Diplomanden/Doktoranden, die vielleicht ebenfalls über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken?
Sie sollten sich so gut wie möglich vernetzten und Hilfe suchen und annehmen. Sehr viele Institutionen bieten die vielfältigsten Angebote der Beratung und Unterstützung an. Neben einem guten Produkt sollte das Thema Vertrieb und Marketing nicht vernachlässigt werden. Dazu neigen Ingenieure manchmal, da sie zu sehr in ihr Produkt verliebt sind. Zudem werden leider noch immer kaufmännische Inhalte und Managementtraining zu wenig in den technischen Studiengängen gelehrt. Weiterhin sollten sie strategische Partner ansprechen und für ihre Idee begeistern. Die Unterstützung von der Familie und Freunden sollte vorhanden sein. Der Weg zur funktionierenden eigenen Firma ist lang und steinig.
Egal ob in Wissenschaft oder Industrie: Was sollte man als angehender Ingenieur auf jeden Fall mitbringen?
Spaß an und Leidenschaft für technische Fragestellungen und eine ausreichend große Portion Fleiß und Hang zur Genauigkeit.
Hat die Tatsache, dass sie in der Nahrungsmittelindustrie arbeiten, eigentlich ihren Zugang zum Essen und zu kulinarischen Themen verändert? Und falls ja, wie?
Teilweise schon. Ich weiß halt, was in den Lebensmitteln drin ist und wie sie produziert werden, betrachte sie deshalb mit anderen Augen. Den Genuss an Lebensmitteln habe ich dadurch nicht verloren. Ich schätze heute den Wert hochwertiger Lebensmittel und bin auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben.
Und abschließend: Einem gängigen Bonmot zufolge bedeutet Selbstständigkeit ja stetes Tun und zwar „selbst“ und „ständig“. Bleibt Ihnen bei allem Wachstum und aller Innovation noch Zeit zu Muße und Erholung? Und falls ja – wie nutzen Sie sie?
Wenn es rund läuft, ist die Mehrarbeit und Verantwortung keine Belastung. Es ist auch ein Luxus, als Unternehmer generalistisch viele Arbeitsfelder bearbeiten zu dürfen.
Erholung ist bei mir eng mit Sport in allen Variationen (Tennis, Mountainbiken, Schwimmen, Skifahren und Golf spielen) und Zeit mit der Familie insbesondere bei Reisen verbunden.
Vita
Ausbildung/ Werdegang
1984: Abitur
1984 - 1986 Ausbildung zum Allgemeinmechaniker
1986 - 1988 Zivildienst
1988 - 1993 Studium der Verfahrenstechnik an der Universität Essen
1993 - 2001 Promotion / Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Lebensmittelverfahrenstechnik (Universität Essen)
2000: Gründung der Teutoburger Ölmühle GmbH & Co. KG
2001: Bau und Inbetriebnahme der Ölmühle
2002: Aufnahme des operativen Geschäftes

