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INGenius: Jens Pieper

Produktionsplaner bei VW und Olympiateilnehmer

Wenn man Jens Pieper zuhört, hat man das Gefühl, sich zwischen zwei Welten hin und her zu bewegen. Jede von diesen beiden Welten würde den meisten Menschen schon ausreichen, um deren Alltag hinreichend zu füllen. Die eine davon ist der Sport, die andere die Arbeit. Was auffällt, ist die Geschwindigkeit, mit der er zwischen der einen und der anderen Sphäre umschaltet, ohne die Dinge zu vermischen, ohne sie durcheinander zu bringen. Ein Beweis für außerordentliche Konzentrationsfähigkeit und Strukturiertheit. Und wer ihn kennt, weiß, woher diese Fähigkeiten kommen. Jens Pieper war bei den olympischen Spielen in Peking als Bogenschütze im Einsatz. Der einzige deutsche Mann in dieser Sportart. Bogenschießen - eine Disziplin, die geradezu prädestiniert ist für geistige Übung, Ruhe und Konzentration auf den Punkt. Und der ist beim Bogenschießen relativ klein und noch dazu weit vom Schützen entfernt. Und weil man allenfalls in Korea komfortabel davon leben kann, Pfeile durch die Luft zu jagen, geht Jens Pieper noch einem ganz normalen Beruf nach. „Ganz normal“ heißt, dass er als Ingenieur bei VW arbeitet. Was er dort tut, ist nicht ganz so schnell erklärt, wie sein Sport. Seine Aufgabe ist dabei die Planung der Produktion von Stoßfängern. Hört sich speziell an und ist es auch. Denn jedes Teil hat seine Ordnung und setzt sich aus Einzelkomponenten verschiedener Lieferanten zusammen. Und am Ende soll sich alles nahtlos in ein Großes Ganzes - einem VW Golf - zusammenfügen. Das ganze möglichst reibungslos, möglichst ökonomisch. Den Job übt er in Wolfsburg aus, dem Standort, wo heute ausschließlich der Golf produziert wird.
Markus Lingemann
Organisiert bis ins Detail

Langsam spannt sich die Sehne. Äußerste Konzentration. Der Blick fixiert das kleine Ziel in 70 Metern Entfernung. Winzig erscheint die „10“ in der Mitte der Scheibe. Nichts und niemand ist im Moment wichtig. Nur eben dieser winzige Punkt ganz weit hinten. Doch auf dem Weg zum Ziel sind viele Dinge zu berücksichtigen: Wind, Atmung, die eigene Ruhe, das Material. Der Schuss! Point of no return. Hop oder top. Was Jens Pieper jetzt nicht perfekt vorbereitet hat, geht schief. Parallelen zu seinem Beruf: Es gilt dabei aus der Vielzahl möglicher Varianten die bestmögliche zu wählen und umzusetzen. Klassisches Projektmanagement lebt von Planung. So, wie die Vorbereitung auf den Schuss oder auf die Olympischen Spiele. Zum Glück, sagt Jens Pieper, ist diese nicht ganz so zeitaufwändig wie bei anderen Sportarten. Er trainiert dafür „nur“ vier bis sechs Mal die Woche jeweils etwa zweieinhalb Stunden. Während andere, wie beispielsweise seine Mitstreiterin in Peking Anja Hitzler - einzige weibliche Bogenschützin aus Deutschland - als Sportsoldaten bei der Bundeswehr ihren Dienst tun, ist das Tagwerk von Jens Pieper doch schon erheblich anstrengender. Bei VW genießt der 40 jährige nur insofern Privilegien, dass ihn der Arbeitgeber großzügig frei stellt, wenn er unterwegs zu wichtigen Wettkämpfen ist. Ansonsten arbeitet er wie jeder andere und empfindet es als Glücksfall, dass sich zwischen Arbeitsstelle und Wohnung sein Trainingsgelände befindet. Sonst würde es wahrscheinlich wirklich etwas eng werden mit der Koordination zwischen Job und Zweit-Job. Familie hat Jens Pieper nicht und bisweilen leidet auch das „Gesellige“ unter der Doppelbelastung. Doch das nimmt er gerne in Kauf, denn obwohl er seinen Sport beinahe 30 Jahre ausübt, waren die Olympischen Spiele in Peking eines seiner größten Erlebnisse. Zudem waren es seine ersten Spiele. In den Jahren davor, scheiterte er immer wieder knapp an den Qualifikationen. Es ist eben schwer, als deutscher Bogenschütze bis in die Weltspitze vorzudringen, denn Bogenschießen findet nun mal hierzulande am Rande des sportlichen Interesses statt. Entsprechend gering sind Resonanz und Förderung. Trotz professioneller Intensität bleibt für Jens Pieper der Sport daher nur „eine Art Hobby“.
Hydraulik
Bogenschießen - eine (Ingenieur-) Wissenschaft für sich

„Seit ich Im Beruf stehe und über Ingenieurwissen verfüge, denke ich viel intensiver über das Material beim Bogenschießen nach“, sagt der studierte Maschinenbauer. Da legt er am Sportgerät schon mal selbst Hand an, das Ganze natürlich irgendwie mit Berechnung. Dazu gehört das Perfektionieren der Materialhärtegrade, die Optimierung des Zuggewichts und der Sinuskurve, die die Sehne bei der Spannung beschreibt, das Austarieren von Gegengewichten und Stabilisatoren. Erstaunlich, was man an Pfeil, Bogen und dem Schützen selbst alles verändern kann. Technikbegeistert war Jens Pieper freilich immer schon, hat früher an Fahrrädern und Mopeds geschraubt und hatte eigentlich keine große Lust auf Schule. Sport war da eher seine Domäne. Als das schulische Lernen vorbei war, ließ er sich zunächst zum Werkzeugmechaniker ausbilden und bewarb sich dann später doch noch an der Fachhochschule Braunschweig Wolfenbüttel. Seine schulischen Leistungen reichten jedoch nicht ganz für einen Studienplatz aus und er verbrachte ein gutes Jahr bei VW am Band, um Wartesemester zu sammeln. „Dort habe ich gelernt, was in den Köpfen der Monteure vorgeht“, sagt Pieper. „Das hilft mir heute, die Dinge besser planen zu können.“ Nach dem Studium dann die Rückkehr zu VW. Das Unternehmen garantierte ihm, dem nun frischgebackenen Ingenieur, einen angemessenen Arbeitsplatz. Heute ist er Mitglied in einem Team von 4 Kollegen und plant die Montage der Stoßfänger - vom Spritzguss über das Lackieren bis zur Endmontage. Gerade dieses Bauteil sei nicht zu verachten, meint Jens Pieper, denn es mache schließlich das Gesicht des gesamten Autos aus. In der Tat prägen die Stoßfänger eines Fahrzeuges häufig dessen gesamtes Erscheinungsbild. Soll das Gesicht des Golf verändert werden, beginnt für Jens Pieper die planungsintensive und nach eigenen Angaben oft stressige Phase. Parkdistanzkontrolle und Park-Lenk-Assistent, das Stanzen unterschiedlicher Löcher, Scheinwerfer und Kühlerschutzgitter – jede Tätigkeit muss sorgfältig geplant werden, denn es dürfen keine Engpässe entstehen. Für jede Umstellung werden die Produktionshallen bei VW teilweise komplett umgebaut. Fertigungsstraßen müssen konzipiert werden und Flächenfreiräumungs- und Aufbauphasen werden geplant. Es gibt viel zu bedenken für Jens Pieper, der zugibt, manchmal beim Bogenschießen nicht „den Kopf frei zu haben“.
Um dem entgegenzuwirken fährt er leidenschaftlich Motorrad, setzt sich hin und wieder aufs Mountainbike und stellt sich auf Wasserskier. Intensiver Sport und intensive Arbeit - eine Weile würde er gerne noch so weitermachen - auch nach Olympia 2008 und auch, obwohl er in Peking mit seinem 45. Platz nur unter „ferner liefen“ rangierte. Einen Platz im Bogenschützen-Olymp hatte er ohnehin nicht erwartet. Jens Pieper ist eben ein Planer durch und durch.

20.05.2012 | 20:00:23

Mai Dang-Goy • Experten-Foren

Thema: Berufsbild Facility Manager

Text: Hallo, der Fachkräftemangel zieht sich durch alle Ingenieurwissenschaften. Der Berufsverband der Facility Manager ist die Gefma e.V. Diese hat eine...

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