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INGenius: Markus Lingemann

Senior-Entwicklungsingenieur baut Servolenkungen bei der TRW Automotive GmbH Düsseldorf

Markus Lingemann macht ungern große Worte. Schon gar nicht, wenn es um seinen Job geht. Nüchtern redet er über seine Aufgaben, die er eher bescheiden als spektakulär beschreibt. Dabei gäbe es darüber viel zu erzählen. Dinge, die andere vielleicht in große Worte kleiden würden. Zum Beispiel, dass er an der Entwicklung von Lenkungen für Rennwagen beteiligt ist und dass seine Arbeit oft der eines Detektivs ähnelt, wenn es zum Beispiel darum geht, die Ursache für ein störendes Geräusch zu analysieren. Doch der Reihe nach: Markus Lingemann ist Senior Entwicklungsingenieur bei TRW Automotive, einem der weltweit größten Autozulieferer. Die Entscheidung, Ingenieur zu werden, fiel bei ihm erst lange nach der Schulzeit. Nach seinem Realschulabschluss absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Gießereimodellbauer, denn für das Handwerkliche ist er talentiert und hat Spaß am Bauen und Basteln. Die Krise in der Branche und insbesondere bei seinem damaligen Arbeitgeber kam gleichzeitig mit dem Wunsch, sich im technischen Bereich weiterzubilden. Nach dem Fachabitur studierte er daher an der Fachhochschule Bochum Maschinenbau.
Markus Lingemann
Denken und Lenken

Bei TRW konstruiert Markus Lingemann seit etwa 10 Jahren hydraulische Komponenten für KFZ-Servolenkungen und ist heute unter anderem Leiter eines global agierenden Teams. Nach den unterschiedlichen Spezifikationen der Hersteller werden hier die Einbauteile konzipiert und Prototypen entworfen. Doch bei der Konstruktion einer Lenkung entstehen bisweilen Probleme, mit denen niemand vorher rechnen kann. So zählen Instabilität, Vibrationen oder die schon erwähnten Nebengeräusche zu den typischen Begleiterscheinungen, die ein Automobilhersteller auf keinen Fall akzeptieren würde.

So wie die Teile, die er konstruiert im Hintergrund arbeiten - möglichst unauffällig, dafür aber umso zuverlässiger - agiert auch Markus Lingemann. Dabei spielt sich seine Hauptarbeit in Düsseldorf Oberkassel ab und beginnt, wie viele Jobs: Mit dem Lesen und Beantworten von Emails. Die liegen morgens deshalb so zahlreich in seinem Postfach, weil TRW als weltweit agierendes Unternehmen rund um die Uhr aktiv ist. So erhält Lingemann interne Berichte von laufenden Projekten, Informationen aus den Produktionsstätten und der Lieferanten. Vielfach steuert und kontrolliert er Versuche, in denen „seine“ Teile eine entscheidende Rolle spielen. Dabei gilt es, den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht zu werden. So muss eine Lenkung nicht nur fehlerfrei funktionieren und dem vorhandenen Raumangebot unter der Motorhaube entsprechen, sie soll in ihrer Abstimmung vor allem zum Charakter des Automobils passen. Mitunter ziehen sich Test und Entwicklung einer einzigen Lenkung über Monate hin - im Nacken immer Termine und Deadlines der Automobilhersteller, denn ein lang angekündigtes Auto muss pünktlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Markus Lingemann fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Marke, Lieferanten und Produktionsstätten. Diese unter einen Hut zu bringen, ist nach seinen eigenen Worten „nicht immer ganz so leicht“.
Verantwortung Motorsport

Wenn es einmal nicht um „normale“ Autos geht, dreht sich die Arbeit des 37 jährigen Bochumers häufig um Rennwagen. Seine größte berufliche Herausforderung war hier die eigenverantwortliche Entwicklung einer Lenkung für einen DTM-Boliden. Die Anforderungen, die diese Aufgabe stellt, kann man kaum mit der routinemäßigen Arbeit an einem gewöhnlichen Straßenfahrzeug vergleichen. Obwohl das Prinzip das gleiche ist, spielen hier ganz besondere Bedingungen eine entscheidende Rolle. Vor allem die Leichtbauweise, erhöhte Materialbelastungen und die speziellen geometrischen Anforderungen eines Rennwagens machen die Aufgabe höchst anspruchsvoll. Hinzu kommt, dass im Motorsport vor allem schnelle Reaktion gefragt ist - nicht nur auf der Piste, sondern auch in der Entwicklung und Konstruktion von Einbauteilen. So gesehen kommt diese Aufgabe Markus Lingemanns Traum der „idealen Aufgabe“ schon sehr nahe. Denn der begeisterte Radfahrer, der am liebsten schnell bergab fährt, liebt die spektakulären Dinge. Andere würden sagen, „die den Adrenalinkick bringen“. Daher würde ihn die Konstruktion des „idealen Mountainbikes“ ganz besonders reizen.
Hydraulik
„Made in Germany“ – nicht zeitgemäß

Fragt man Markus Lingemann nach seiner Meinung zur zunehmenden Globalisierung, stellt man fest, dass er interessante Ansichten vertritt. So stellen für ihn bei der Zusammenarbeit mit verschiedenen Ländern weniger die unterschiedlichen Ausbildungswege für Ingenieure das Problem dar. Die häufigsten Diskrepanzen sind seiner Meinung nach in der Mentalität begründet. „In Deutschland strebt man geregelte Prozessabläufe an. Südliche Länder improvisieren viel mehr und sind auch auf diese Weise erfolgreich. Eine Zusammenarbeit ist jedoch oft schwierig, weil jeder auf seiner Arbeitsweise beharrt“, findet Lingemann, der nicht nur beruflich oft rund im die Welt reist, sondern auch privat mit Vorliebe fremde Länder und Kulturen kennenlernt. Ob Indien oder China – für Markus Lingemann ist durch den zunehmenden Automatisierungsgrad heute jedes Land in der Lage, bei Großserienteilen perfekte Qualität zu produzieren. Entsprechend plädiert er für eine Modifikation überholter Qualitätsnormen: „ ‚Made in Germany’ hat heute deutlich an Aussagekraft verloren. Niedriglohnländer können genauso gut produzieren. Entscheidend ist die Qualität der Entwicklungen. Viel mehr sollte man also das Gütesiegel ‚Engineered in Germany’ forcieren.“ Eine klare Aussage eines Mannes, der sich selbst in ferner Zukunft als Teil eines globalen Systems sieht: Entweder im Bereich Forschung und Entwicklung zukunftsorientierter Technologien oder auf einer langen Weltreise.

17.06.2013 | 11:46:07

Praktikum im Ausland • Ausland: Praktikum - Studium - Arbeiten

Thema: Irland Praktikum- Stellen

Text: Hallo liebe Irland-Freunde, ich schreibe jetzt das erste Mal in ein Forum und hoffe, dass ihr mir helfen könnt :). Ich möchte gerne dieses Jahr im...

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