INGenius: Michael Dietrich
Leiter Entwicklung bei der Terex GmbH (Dortmund)
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© christoph blum, terex
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Nicht kleckern, sondern klotzen. Vielleicht täuscht der Eindruck, doch wenn Michael Dietrich auf „seinen“ Baggern herumklettert, mag man glauben, dass Terex in Dortmund keine halben Sachen macht. Einen Teil der Verantwortung für einen gewissen Gigantismus im Unternehmen trägt der Maschinenbauingenieur, denn er ist Chefentwickler und für die Konstruktion der weltgrößten Hydraulikbagger verantwortlich. Hinter dem unspektakulären Namen Terex O&K RH 400 verbirgt sich dabei ein Ungetüm mit rund 1.000 Tonnen Gewicht, das mit seiner Schaufel bis zu 90 Tonnen Erde auf einmal bewegen kann. Und wenn die beiden Motoren anspringen, bringen entfesselte 4400 PS die Luft zum Zittern. Ganz normal für Michael Dietrich, denn schließlich will er es so.
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Dass der immer agil und konzentriert wirkende 42 Jährige zum Ingenieur tendierte, hatte sich schon im zarten Kindesalter abgezeichnet: „Als ich drei oder vier Jahre alt war, hat mir mein Vater erzählt, es gebe Autos, die sowohl auf Straßen als auch auf Schienen fahren können. Wie das funktionieren soll, hat mich total beschäftigt. Oder wie man Spielzeugautos so bauen kann, dass das Türscharnier nicht außen heraussteht“, erinnert er sich. Keine Frage, Michael Dietrich war offenbar schon immer akribisch, wenn es um technische Dinge geht. Den eigentlichen Entschluss für seine Berufswahl fällte er jedoch erst später in der Schule. Dabei interessierte ihn die Physik mehr als die Mathematik, denn schon immer suchte der Pragmatiker lieber nach greifbaren Lösungen anstatt Zahlen hin und her zu schieben. Sein Maschinenbaustudium absolvierte Dietrich an der Uni Bochum und fing nach dem Abschluss 1994 zunächst als Lehrer an einer Fortbildungsschule für Erwachsenenbildung an. Eine Notlösung, denn damals waren die Jobangebote für Ingenieure im Gegensatz zu heute noch rar. Ein Jahr später klappte es dann mit dem ersten Job in der Industrie. Bei Stromag, Hersteller für Antriebstechnik, konstruierte er fortan Bauteile für elektrische und hydraulische Antriebe, unter anderem für Aufzüge und Hebebühnen. Sein Erfindergeist weht auch heute noch bisweilen durch die Hallen seines ersten Arbeitgebers, denn verschiedene Patente, von denen das Unternehmen heute noch profitiert, entwickelte Michael Dietrich in dieser Zeit.
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© www.heinerhebbelmann.de
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© christoph blum
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Nicht selten und oft unerwartet ruft man Michael Dietrich in entlegene Regionen rund um den Globus. Seine Baustellen befinden sich dabei auf allen fünf Kontinenten. Lediglich Südamerika sei die einzige Region, die er für Terex noch nicht bereist habe. Rund 20 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit verbringt er so im Ausland. Wenn bei einem Bagger die Hydraulik verrückt spielt oder eine Schaufel bricht, muss er oft als „Feuerwehr“ Lösungen vor Ort finden. „Feldlösungen“ nennt er dies. Dabei geht es darum, mit möglichst einfachen, dennoch aber professionellen Mitteln, dem Kunden zu helfen und die Produktion wieder in Gang zu bringen. Mit diesen Erfahrungen im Koffer, macht er sich mit seinem Dortmunder Team daran, Konstruktionslösungen zu ersinnen, damit die Probleme von vorn herein nicht mehr auftreten können. Er mag das Reisen, weil er Dinge erlebt, die sich jenseits der üblichen Urlaubserlebnisse abspielen und ihn in Gegenden führen, die er sonst nicht betreten würde. Er findet es spannend, gemeinsame Ziele mit unterschiedlichen Mentalitäten zu erreichen. Präferenzen hat er dabei eigentlich keine, weil er alle Charaktere akzeptiert, wie sie sind. Doch auch er muss zugeben, dass das globale Arbeiten nicht überall leicht fällt: „Manchmal sind es einfach banale äußere Umstände, die es etwas kompliziert machen. So haben Nordasiaten beispielsweise ein anderes Lachen. Sie drücken dies nicht so mit den Augen aus, wie wir Europäer. Aufgrund ihrer Physis lachen sie mehr mit dem Mund und die Augen bewegen sich kaum dabei. Das verwirrt ein wenig und zunächst weiß man nicht, was man davon halten soll.“ Typisch für Michael Dietrich: Bevor er etwas verurteilt, sucht er eine wissenschaftliche Erklärung, damit er die Umstände versteht. Bei aller Reiselust zieht er jedoch eine klare Grenze: „Wenn das Sozialleben leidet, hört es auf. Das ist die Sache nicht Wert. Man muss ein gesundes Maß finden.“ Hier profitiert der Arbeitgeber sicherlich davon, dass der Ingenieur Junggeselle ist und ziemlich unkompliziert, wenn es darum geht, sich auf Neues und Ungewohntes einzustellen.
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Flexibilität, schnelles Handeln und Entwickeln improvisierter Lösungen liegen ihm – auch in der Freizeit. So kommt er als begeisterter Radsportler häufig in Situationen, in denen seine technische Kreativität gefragt ist. Vor Kurzem erst brach ihm mitten im Wald der Rahmen des Mountainbikes - Weiterfahren unmöglich. Mit Schnüren und Ästen wurden die Rohre wieder geflickt und die Tour konnte immerhin leidlich fortgesetzt werden. Das Radfahren beschreibt er als eine Möglichkeit, losgelöst vom Büroalltag über Problemlösungen nachzudenken. „Gute Ideen kommen mir, wenn ich mich entspanne, zum Beispiel beim Radfahren oder manchmal träume ich sie auch nachts.“ Er wirkt zufrieden und hoch motiviert. Und anscheinend hat Michael Dietrich den Beruf, der zu ihm passt. Fragt man ihn jedoch danach, ob die Aufgabe bei Terex sein Traumjob ist, erhält man eine überraschende Antwort: „Ich bin sehr zufrieden. Es ist aber für mich nicht möglich, irgendeinen Job als Traumjob zu bezeichnen. Einfach deshalb, weil ich zu viele unterschiedliche Leidenschaften habe.“ Lesen ist eine davon. In seiner Freizeit verschlingt er historische Reiseberichte: Die Logbücher von James Cook, die Werke von Jules Verne oder Alexander von Humboldt, sie erklären zumindest seinen Spaß am Reisen. Dabei liegt für ihn die Erfüllung noch nicht einmal in den entfernten Winkeln der Erde: „Deutschland hat viel zu bieten. Man kennt eigentlich nur wenig davon, weil man immer möglichst weit weg reisen will. Für mich gibt es hierzulande zukünftig noch eine Menge zu entdecken.“
Auch Bagger müssen es in ferner Zukunft nicht zwingend sein. Und seine Aussage hierzu überrascht aufs Neue: „Bagger interessieren mich eigentlich nicht sehr. Mich interessieren vielmehr die Mechanik dahinter und die Vielfältigkeit unterschiedlicher Herausforderungen. Deshalb werde ich mein Leben lang mit Maschinen zu tun haben.“ Auch das glaubt man ihm gerne...

