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INGenius: Prof. Dr. Roland Baar
Ehemaliger Weltklasse-Ruderer ist Chefentwickler für Turbolader bei der Voith AG
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Er war höchst erfolgreich im Sport, und auch sein Karriereweg als Ingenieur führte steil nach oben: Roland Baar fuhr als Schlagmann des Ruder-Achters von Sieg zu Sieg, aber auch als promovierter Maschinenbauingenieur, zunächst bei der Volkswagen AG und jetzt bei der Voith AG, zündete er so manchen Turbo. Schließlich ist die Entwicklung von Turboladern, die höhere Motorleistungen bei gleichzeitiger Verbrauchsreduzierung ermöglichen, sein beruflicher Schwerpunkt.
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Prof. Dr. Roland Baar an einem Prüfstand für Turbolader.
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Von 1989 bis 1996 führte Baar den Deutschland-Achter als Schlagmann an. Er wurde mit dem Flaggschiff des Deutschen Rudersports fünfmal Weltmeister, gewann bei Olympia die Silber- und Bronzemedaille. Parallel dazu absolvierte er an der Universität Hannover sein Maschinenbaustudium und ließ diesem eine Promotion am Institut für Turbomaschinen folgen. Es war eine Zeit, die ihn geprägt hat. Studium in Hannover, Training am Stützpunkt in Dortmund, dazu noch Trainingslager und Wettkämpfe weltweit. „Das Leben damals hat mir viele Freiräume gegeben und meine Frau hat mir dabei den Rücken frei gehalten. Ich habe versucht, meine Möglichkeiten ausgewogen zu nutzen. Sport und Studium haben sich optimal befruchtet. Lief es im Sport nicht gut, hatte ich Ablenkung im Studium, und umgekehrt.“, erinnert sich Baar.
„Als Sportler musst du leistungsfähig, flexibel und belastbar sein. Im Mannschaftssport ist zudem noch Teamfähigkeit nötig, um erfolgreich zu sein. Diese Eigenschaften werden auch im Berufsleben benötigt. Als Sportler bringt man hier also etwas mit, was der Nicht-Sportler nicht unbedingt erlernt hat, wenn man in den Beruf wechselt. Doch ein erfolgreicher Sportler entwickelt sich nicht automatisch ebenso gut im Beruf“, erzählt Baar, für den Glück eine ganz entscheidende Rolle spielte, als Sportler wie auch im späteren Berufsleben. „Talent und Wille sind Voraussetzungen, aber ohne Glück kommt kein Erfolg. Ich hatte schon als Ruderer eine Menge Glück. Ich hatte eine optimale Unterstützung im Dortmunder Ruderleistungszentrum, einen exzellenten Trainer und natürlich leistungsstarke Mitruderer, die mir zudem sehr ans Herz gewachsen sind. Auch im späteren Berufsleben hatte ich manch glücklichem Umstand viel zu verdanken. Ich war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
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Training auf dem Dortmund-Ems-Kanal Anfang der 90er Jahre: Schlagmann Roland Baar im Deutschland-Achter (2.v.l.).
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Gleich zu Beginn seines beruflichen Werdegangs wurde Roland Baar auf die erste harte Probe gestellt. Als olympischer Silbermedaillengewinner von Atlanta 1996 und frisch promoviert fing er bei VW als internationaler Trainee an. „Ich war es gewohnt, an der Spitze zu stehen, und nun hatte ich in gewisser Weise die Stellung eines Praktikanten. Da habe ich jeden Tag mit mir gehadert, ob das denn der richtige Schritt gewesen war.“ Schließlich stellte es sich aber als geradezu ideal heraus, in das Unternehmen mit seinen verschiedenen Geschäftsfeldern aus diesem Blickwinkel hineinzuwachsen. „Ich konnte das Unternehmen fundiert kennenlernen und mir zudem ein Netzwerk aufbauen, das mir später sehr geholfen hat.“
Er nennt zwei weitere Schlüsselmomente, die seine berufliche Entwicklung entscheidend beeinflusst haben. Nach kurzer Tätigkeit als Sachbearbeiter in der Motorenentwicklung bekam er unerwartet - dank seiner an der Uni erworbenen Kompetenz im Bereich Turbomaschinen - die Möglichkeit, als Projektleiter ein eigenes Produkt zu entwickeln. „In einem großen Konzern wie VW ist es wichtig, sich zeigen zu können, im positiven Sinn auffällig zu werden.“ Baar hat diese Chance genutzt. Später bekam er eine weitere entscheidende Gelegenheit zum Karrieresprung, ein Auswahlprogramm, ein internes Assessment-Center, bei dem potenzielle Nachwuchskräfte zweieinhalb Tage lang auf ihre Managementfähigkeiten geprüft wurden. Roland Baar erinnert sich gut an diese Tage: „Ich bekam freitags Bescheid, dass ich am darauf folgenden Montag an dem Assessment teilnehmen konnte, weil jemand anderes ausgefallen war. Im Nachhinein betrachtet war es leichtsinnig, weil das Ergebnis wie auf der Stirn eintätowiert deinen weiteren Karriereweg maßgeblich beeinflusst. Aber ich war selbstbewusst genug, um die Herausforderung anzunehmen.“
Assessment-Center mit Startschwierigkeiten
Doch es lief anfangs gar nicht rund, seine Mitstreiter in dem Auswahlverfahren, nicht unbedingt Ingenieure, sondern eher Betriebswirte und Marketingfachleute, waren besser vorbereitet und zudem gewohnt, auch sich zu verkaufen. „Ich habe gemerkt, wie die anderen zur Höchstform auflaufen und ich in einem Loch festsitze. Es war so wie bei einem 100-Meter-Lauf, die anderen sind schon losgesprintet, während ich noch in den Startblöcken sitze.“ Was tun? Während die anderen die Mittagspause mit der Vorbereitung der nächsten Aufgabe verbrachten, entdeckte Sportler Baar sein Kämpferherz: Er zog sich seine Laufschuhe an, ging im Wald joggen und trat anschließend befreit von jedem Zweifel die zwei weiteren Tage im Assessment-Center an. Das Ergebnis: Er bestand mit Maximalbewertung - und dem weiteren Karriereweg bei VW stand nichts mehr im Wege. Im Jahr 2003 wurde er Führungskraft und leitete danach verschiedene Abteilungen.
Doch es lief anfangs gar nicht rund, seine Mitstreiter in dem Auswahlverfahren, nicht unbedingt Ingenieure, sondern eher Betriebswirte und Marketingfachleute, waren besser vorbereitet und zudem gewohnt, auch sich zu verkaufen. „Ich habe gemerkt, wie die anderen zur Höchstform auflaufen und ich in einem Loch festsitze. Es war so wie bei einem 100-Meter-Lauf, die anderen sind schon losgesprintet, während ich noch in den Startblöcken sitze.“ Was tun? Während die anderen die Mittagspause mit der Vorbereitung der nächsten Aufgabe verbrachten, entdeckte Sportler Baar sein Kämpferherz: Er zog sich seine Laufschuhe an, ging im Wald joggen und trat anschließend befreit von jedem Zweifel die zwei weiteren Tage im Assessment-Center an. Das Ergebnis: Er bestand mit Maximalbewertung - und dem weiteren Karriereweg bei VW stand nichts mehr im Wege. Im Jahr 2003 wurde er Führungskraft und leitete danach verschiedene Abteilungen.
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Roland Baar unter den olympischen Ringen: Er war fünf Jahre lang IOC-Mitglied.
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Doch die Liebe zum Turbolader („Das Zusammenwirken der oszillierenden Verbrennungsmaschine mit dem hochtourig rotierenden Turbolader fasziniert mich“) führte ihn schließlich Ende 2006 zur Voith AG, die ein neues Geschäftsfeld für Turbolader im Bereich der Nutzfahrzeuge aufbaute. Als Chefentwickler für Turbolader ist er seitdem Leiter der Forschung und Entwicklung mit 30 Mitarbeitern, die vorwiegend ebenfalls Ingenieure sind. Zur Abstimmung von Projekten ist er viel in Deutschland, Europa und auch Übersee unterwegs und umschreibt seine eigentliche Stärke so: „Gilt es, knifflige Probleme zu lösen, macht mir mein Job am meisten Spaß. Das ist wie früher beim Rudern, wenn ein Achter nicht richtig rund läuft.“
Der Sport hat ihn auch nach Beendigung seiner aktiven Karriere 1996 weiter auf Trab gehalten: weniger durch eigene sportliche Betätigung („Im Gegensatz zu zwei Trainingseinheiten täglich, laufe ich jetzt nur noch gerade einmal pro Woche“), als vielmehr in der Rolle eines Funktionärs. Von 1999 bis 2004 war er beispielsweise Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), ist heute noch in der Sport- und Umweltkommission des IOC tätig, berichtet für das ZDF als Co-Kommentator von wichtigen Ruderregatten wie zuletzt den Olympischen Spielen in Peking, als es nicht gerade erfolgreich lief, und leitet jüngst auch beim Deutschen Ruderverband eine Expertenkommission. „Mir liegen die Sportler am Herzen, und da sehe ich mich als ehemaliger Ruderer in der Verantwortung, dem Verband in der jetzigen, schwierigen Situation zu helfen.“
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© Carsten Oberhagemann
Als Co-Kommentator fürs ZDF in Peking: Roland Baar (rechts) mit Moderator Yorck Polus.
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Heute 43 Jahre alt hat der Familienvater von zwei Kindern noch ein weiteres Betätigungsfeld: die Lehre. Seit 2000 hält er als Lehrbeauftragter an der Universität Hannover zwei Vorlesungen („Turbolader“ und „Verbrennungsmotor 1“). „Mir ist es wichtig, den Kontakt zu den Hochschulen zu halten. Einerseits, um die Ausbildung der Studenten praxisnah zu beeinflussen und guten Nachwuchs auch für unser Unternehmen zu finden, und andererseits, um durch Nähe zur Forschung Hintergrundwissen zu vertiefen und eine Basis für Innovationen zu schaffen“, sagt Baar, der Anfang des Jahres von der Leibniz-Universität in Hannover zum Honorarprofessor in der Fakultät für Maschinenbau ernannt wurde.

