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INGenius: Dipl.-Ing. Udo Gurgel

Der 71-Jährige ist ein gefragter Planer beim Bau von Bob- und Rodelbahnen

Eigentlich ist Udo Gurgel nicht der Mann, der in der Öffentlichkeit steht. Der 71 Jahre alte Ingenieur plant im Hintergrund. Doch der tragische Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili auf der Olympiabahn in Whistler hat das geändert. In Gurgels Ingenieurbüro in Leipzig wurde die Bahn entworfen. Plötzlich war er ein gefragter Mann. TV-Sender, Rundfunkanstalten und Zeitungen wollten alles über ihn und seine Bahn wissen.
Dipl.-Ing. Udo Gurgel auf einer Fahrrinne im Rohbau
Verkettung unglücklicher Umstände

„Der Unfall tut mir unendlich leid“, sagt Gurgel. Es müsse eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen sein. „So etwas kann man nicht vorhersehen“, sagt er. Dabei rechnen die Ingenieure akribisch nahezu alle Möglichkeiten am Computer durch. Fahrfehler, Stürze, höhere Geschwindigkeiten. Offiziell ist die Olympiabahn in Whistler mit 137 Stundenkilometern angegeben. Im realen Rodel-Wettbewerb wurden in der Eisrinne aber schon Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 154 km/h gemessen. Deshalb musste sich Gurgel in den vergangenen Wochen gegen Kritiker verteidigen, die ihm vorwarfen, falsche Berechnungen angestellt zu haben.

Zu schnell, zu gefährlich – so der Tenor. „Erstens: Die Bahn ist sicher. Zweitens: Die Bahn ist schnell. Nur wenn man schnell als gefährlich bezeichnet, ist diese Bahn gefährlich“, sagt Gurgel. Seit 2004 hatte sein Ingenieurteam an der Bahn gearbeitet. Im Rennsport ist das ein langer Zeitraum. Da können sich die Rahmenbedingungen noch einmal deutlich verschieben. Schnellere Schlitten, bessere Kufen, athletischere Sportler. Faktoren, die bei der Planung nicht berechnet werden können. „Niemand gibt uns die neuesten technischen Entwicklungen“, sagt Gurgel. Er klagt nicht darüber. Stattdessen rechnen die Ingenieure mit einem Sicherheitsfaktor von acht bis zehn Prozent. „Bei der Bahn in Whistler gibt es bis Tempo 161 theoretisch keine Probleme“, sagt Gurgel.
Ein Blick auf die Zielkurve und Bremsstrecke auf der Olympiastrecke in Whistler
Schalungsfreies Spritzverfahren entwickelt

Vor mehr als 50 Jahren hat er sein Ingenieurstudium in Cottbus begonnen. Drei Jahre später setzte er es in Weimar fort. „Konstruktiver Ingenieurbau“ war seine Fachrichtung. Zufällig rutschte er in das Team, das 1966 mit der Planung einer Kunsteisbahn für Oberhof beauftragt wurde. Weil die damalige Bundesrepublik Deutschland gerade in Königssee eine Kunstbahn gebaut hatte, durfte auch die DDR nicht nachstehen. "Weil es natürlich keine Einsicht in die Planungsunterlagen gab, habe man das Rad neu erfinden müssen", sagt Gurgel.

Dabei gab es durchaus einige Probleme zu überwinden. Während in Königssee die Kurvengeometrie mit Holzlatten eingeschalt wurde, mussten die DDR-Ingenieure einen anderen Weg finden. „So viel Holz hätte es bei uns gar nicht gegeben“, erinnert sich Gurgel. Er und seine Kollegen entwickelten ein schalungsfreies Spritzverfahren, das heute noch eingesetzt wird. Und es gab noch eine Neuerung: „Die Bahn in Oberhof war die erste komplett am Computer berechnete Bahn der Welt.“ Damals bediente sich das junge Team eines Großrechners in Dresden, inzwischen übernehmen die Berechnungen eigene Computer.
Gefälle von bis zu 14 Prozent

Seit der ersten Bahn in Oberhof ist Gurgel zu einem echten Spezialisten für den Bau der Eisrinnen geworden. Aus seinen Computern stammen die Pläne für sechs Olympiabahnen. Und obwohl er insgesamt schon neun Bahnen gebaut hat, ist er bei der Abnahme durch die Verbände immer noch aufgeregt. Dann muss sich schließlich zeigen, ob das, was er vorausgerechnet hat, auch wirklich stimmt. Mit der Abnahme werden die Ingenieure aus dem Projekt entlassen. Auch deshalb versteht er die Kritik an seiner Arbeit in Kanada nicht. „Wir haben in Whistler, wie sonst übrigens auch, alles ganz eng mit den Verbänden abgestimmt. Kritik gab es nie“, sagt er. Die Verantwortlichen wollten die schnellste Bahn der Welt und sie haben sie bekommen. Kein Wunder bei einem Gefälle im Gelände von bis zu 14 Prozent.

Leben kann man vom Bau der Eiskanäle nicht. Dafür gibt es zu wenige Möglichkeiten, solche Projekte zu realisieren. Deshalb plant Gurgel im Alltag auch Einfamilienhäuser oder kleinere Brücken. Auch wie man Bobbahn-Planer wird, kann Gurgel nicht sagen. „So etwas kann man nicht lernen. Man braucht eine Menge Erfahrung“, sagt er. Diese hat er inzwischen an sein Team weitergeben. Er hat es eingeweiht in die unterschiedlichen Arbeitsschritte. Von der Deutung der Geländepläne, über die Ortsbesichtigung bis hin zum ersten Entwurf am Rechner. "Gutes analytisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen und ein ausgeprägtes Interesse an der Arbeit seien vonnöten, um auf diesem Gebiet Erfolg zu haben", sagt er.
Kurve 15 und Eingang in die Zielkurve in Whistler

Bahn für 2014 in Sotschi schon in Planung

In den Leipziger Büroräumen arbeiten die Ingenieure schon wieder an einer neuen Bahn. 2014 sind die Olympischen Winterspiele in Sotschi. „Wir werden keine schnellere Bahn planen. Das macht keinen Sinn“, sagt Gurgel. Aber auch bei Tempo 130 könnten Unfälle passieren. Langsamer als in Whistler, aber komplizierter in der Kurvenführung – so sehen die ersten Pläne für Sotschi aus. „Jede Bahn soll ihren eigenen Charakter haben“, sagt Gurgel. Bei zwei Bahnen hat er diesen übrigens am eigenen Körper erfahren. In Altenberg und Lillehammer hat er sich selbst den Eiskanal hinuntergestürzt. Er wollte wissen, welchen Kräften die Sportler ausgesetzt sind. Seine überraschendste Erkenntnis: „Wenn das Gefälle zunimmt, beschleunigt der Schlitten wie ein Auto bei Vollgas.“

18.05.2013 | 15:10:57

Maschinenbauingenieur/in • Maschinenbau

Thema: Tragvorrichtung für große Lasten/kleine Aufnahmepunkte

Text: Hallo zusammen, Zuerst ein paar Fakten: Wir (4 Maschinenbaustudenten) müssen im Rahmen einer konstruktiven Projektarbeit eine Vorrichtung bauen, bei...

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