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© Frank0972 / Photocase.com
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Impressionen zum Berufsfeld aus:
THINK ING.-DVD 'Ingenieurberufe in Bewegung' |
Verfahrensingenieure sind Verwandlungskünstler. Sie beherrschen die Wissenschaft von der Stoffumwandlung. Alle Moleküle, physikalischen Teilchen und Bioorganismen gehen Verbindungen miteinander ein. Leider nicht immer so, wie wir Menschen es gern hätten. Essig mit Öl zu einer guten Vinaigrette für den Salat zu verquirlen, mag dem Hobbykoch ja noch problemlos gelingen, aber wie wird Erdöl zu Benzin, wie fügen sich Molekülstrukturen zu einem ultraharten Metallic-Lack zusammen, wie stellt man eine nicht fettende Handcreme her oder wie werden aus Maiskörnern knackige Frühstücks-Cornflakes gemacht? Der Verfahrensingenieur muss wissen wie es geht. Er kann die notwendigen Reaktionen mit Hilfe von ausgeklügelter Technik und Kenntnissen über chemische Prozesse einleiten.
"Verfahrensingenieure entwickeln, realisieren und betreiben Herstellungsverfahren, in denen mittels chemischer, biologischer und physikalischer Prozesse hochwertige Produkte mit den gewünschten Eigenschaften aus Rohstoffen erzeugt werden", sagt Peter Plegnière, zuständig für den Bereich Ausbildung Verfahrenstechnik innerhalb der Gesellschaft für Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI-GVC).
Die Arbeitsfelder sind unglaublich weit gestreut. Zum einen sind viele Alltags-Waren wie Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente und Kunststoffe Produkte der Verfahrenstechnik, zum anderen ergeben sich aufgrund der industriellen Nachfrage viele Anwendungsgebiete in der Pharmazie, Bio- und Umwelttechnik oder in der Petrochemie, Lebensmittelindustrie, der Recyclingtechnik und im Anlagen- und Apparatebau.
Als Verwandlungskünstler nicht nur von Stoffen muss sich der Verfahrensingenieur auch den zukünftigen Anforderungen von Industrie und Markt anpassen. Ob Brennstoffzellen-Antriebe für das Automobil der Zukunft, Sprit aus Biomasse, die ultimative Anti-Falten-Creme oder neuartige Flugzeugtragflächen mit Kenntnissen aus der Bionik, der Verfahrensingenieur macht Vorversuche, Tests und Analysen, strukturiert Arbeitsabläufe und wacht über die Einhaltung der bestehenden Richtlinien und Abläufe. Die Liste ließe sich noch lange fortführen, denn kaum ein Hersteller kann auf das Know-how der Verfahrenstechniker verzichten. Auch im Ein- und Verkauf, im Unternehmensmanagement, in Behörden und Verwaltungen und als freiberufliche Gutachter oder in der Beratung ergeben sich Job-Perspektiven. So verwundert es nicht, dass der VDI-GVC die folgende Zahl präsentiert: Die Umsätze aller Industriezweige zusammengezählt, vereint die Verfahrenstechnik mehr als die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf sich. Eine beachtliche Bilanz!
Damit der Verfahrenstechniker in der Industrie auf so vielen Hochzeiten tanzen kann, ist die Ausbildung stark interdisziplinär ausgelegt. Selbst die Chemie ist dabei nur ein Fach unter vielen. Mathematik, Physik, Thermodynamik, Mechanik, Werkstoffkunde und Konstruktionslehre spielen genau so eine Rolle wie Anlagenbau, Bio- und Nanotechnologie, Prozess-, Anlagen- und Umweltschutztechnik. Dazu kommen noch die viel gepriesenen Soft-skills und sprachliche Kompetenzen. Ohne diese Zusatzqualifikationen kommt ein Verfahrensingenieur nicht über den deutschen Tellerrand hinaus, da in vielen Branchen die Produktionsstätten ins Ausland verlegt werden oder in internationalen Teams gearbeitet wird.
Durchschnittliche 40.000 Euro brutto für Berufseinsteiger, die große Branchenvielfalt und damit auch eine relative Krisensicherheit sind sicherlich gute Argumente für das Berufsfeld Verfahrensingenieurwesen. In Zahlen fassen lässt sich die Arbeitsmarkt- und Absolventenentwicklung allerdings nur schwer, da die Verfahrensingenieure in den Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit zusammengefasst werden mit den Maschinenbauern. Gemessen an ihrem Stellenwert für die deutsche Wirtschaft hätten sie nun wirklich eine eigene Kategorie verdient …
