// THINK ING. // Der Ingenieurberuf // Visionäre & Erfinder // Forscher der Moderne // Karlheinz Brandenburg // Fragebogen Karlheinz Brandenburg
Hier finden Sie den kompletten Fragebogen, den Professor Brandenburg für THINK ING. beantwortet hat:
1. Allgemeine Angaben
Name: Karlheinz Brandenburg
Jahrgang: 1954
Wohnort: Erlangen und Ilmenau
Familienstand: verheiratet
Hobbys: wandern, gut essen, Science-Fiction-Romane
2. Schilderung des beruflichen Werdegangs
Schulausbildung: Humanistisches Gymnasium in Erlangen, Abitur 1973
Studienrichtung: Elektrotechnik und Mathematik, Diplome in 1980 und 1982
Studienort: Erlangen
Abschluss: Dr.-Ing. für Elektrotechnik, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik, Dipl.-Mathematik
Berufliche Stationen:
1982 bis 1989 wissenschaftl. Mitarbeiter Uni Erlangen/Nürnberg
1989 bis 1990 AT&T Bell Laboratories in Murray Hill (USA)
1990 bis 1993 akadem. Rat auf Zeit an der Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen, ab dieser Zeit auch Lehrtätigkeit
1993 bis 2000 Abteilungsleiter für Audio- und Multimediatechnik am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Erlangen
seit 2000
Direktor des Instituts für Medientechnik an der Technischen Universität Ilmenau, Inhaber des Lehrstuhls für Elektronische Medientechnik
Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau (frühere Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT)
3. Bitte erläutern Sie, warum Sie Ingenieur geworden sind.
Schon als Kind habe ich die Schilderungen über Technik und Erfinder gerne gelesen. Als Elektronikbastler, der seine Stereoanlage selber baute und die Anfänge der Computertechnik sehr interessiert verfolgte, waren E-Technik, Informatik, Physik oder Mathematik die Fächer, die zur Wahl standen. Ich habe mich dann für ein Doppelstudium Elektrotechnik/Mathematik entschieden.
4. Wer sind Ihre Vorbilder?
Als Jugendlicher habe ich viel über Albert Schweitzer gehört. Die Verbindung von Wissenschaftler und Arzt zu sozialem Engagement fand ich ganz toll. Die Geschichten über Gauss, Edison und Co. waren auch interessant, aber viel zu weit weg, um wirklich als Vorbild zu dienen.
5. Welche persönlichen Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach hilfreich für den Ingenieurberuf?
Neugierde ist ganz wichtig, das „den Dingen auf den Grund gehen wollen“. Als weitere notwendige Eigenschaft sehe ich Kreativität, neue Ideen zu entwickeln und nicht einfach nur Altbekanntes nachzuvollziehen.
6. Bitte erklären Sie Ihre bedeutendste Erfindung.
Die Erfindung, die ich in meiner Laufbahn als am bedeutendsten einstufen möchte, ist zweifelsohne die Erfindung des MPEG Audio Layer-3, vielen wahrscheinlich besser bekannt als MP3. Ich muss jedoch dazu sagen, dass nicht ich allein diese Erfindung geschaffen habe, sondern dass dies zusammen mit einem Forscherteam zu meiner Zeit an der Universität in Erlangen mit einem Team am Fraunhofer-Institut in Erlangen geschehen ist.
Im Jahr 2000 habe ich gemeinsam mit meinen Erlanger Kollegen Bernhard Grill und Harald Popp für diese Erfindung und ihre wirtschaftliche Durchsetzung den Deutschen Zukunftspreis erhalten.
MP3 ist ein Verfahren zur Datenreduktion von Audiodateien ohne hörbare Verluste in der Soundqualität. Bei der Umwandlung von Audiodateien in MP3-Formate wird auf die begrenzte Wahrnehmung des Menschen gesetzt. Die Menge der Töne, die vom Menschen beispielsweise wegen ihrer Frequenz oder Lautstärke nicht wahrgenommen werden können, werden reduziert und nicht mitcodiert. Audiodaten können auf diese Weise extrem komprimiert werden, sodass der Speicherbedarf wesentlich geringer ist als bei der Originaldatei.
Der hohe Speicherbedarf unkomprimierter Daten, die mangelnden Übertragungsraten im digitalen Rundfunk und die Übertragung von Audiodateien via Internet haben eine solche Entwicklung einfach nötig gemacht und heute ist es längst Standard geworden.
7. An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?
Wir haben momentan ganz verschiedene interessante Projekte, an denen wir arbeiten. Vor allem an unserem Soundsystem IOSONO®, das basierend auf der Technologie der Wellenfeldsynthese (aus der TU Delft) eine realistische Klangwiedergabe ermöglicht, hängt unser ganzes Herzblut.
Mit IOSONO® sind wir mittlerweile in die aktive internationale Vermarktungsphase eingestiegen. Neben einem Kinosystem im Ilmenauer Kino »Linden Lichtspiele« wurde ein weiteres an der University of Surrey in Großbritannien aufgebaut. Außerdem wurde im Juli 2004 ein Tonstudio in Hollywood mit einem Soundsystem ausgestattet. Gemeinsam mit den Partnern Bregenzer Festspiele und Lawo AG hat unser Institut ein innovatives Beschallungskonzept für die Seebühne des Festivals entwickelt, das erstmals in der Sommerspielzeit 2005 zum Einsatz gekommen ist.
Des Weiteren arbeiten wir hier in Ilmenau intensiv an alternativen Ansätzen zu herkömmlichen Digital Rights Management-Verfahren für den sicheren Vertrieb virtueller Güter und zum Schutz digital übertragener Inhalte vor illegalem Zugriff. Wir entwickeln Vertriebssysteme, die unter Wahrung von Urheberrechten den »Fair Use«-Gedanken für die Nutzer ganz stark in den Vordergrund stellen.
Ein weiteres Thema rührt aus der Problematik immer weiter ansteigenden digitalen Contents her. Wie oft sucht man im Internet nach einem ganz bestimmten Titel? Wie oft muss man die heimische digitale Musiksammlung auf dem PC durchstöbern, bis man einen ganz bestimmten Titel findet? Wir arbeiten an Verfahren, mit denen digitale Inhalte wie Musik oder Videos automatisch erkannt und charakterisiert werden können. Im Besonderen wird bei uns an der Extraktion individueller, aber universell interpretierbarer Beschreibungen von multimedialen Daten geforscht.
Damit ist eine komfortablere Suche nach digitalen Inhalten möglich. Zur Erkennung werden Merkmale wie Tempo oder Rhythmus herangezogen. Zusätzlich wird an der Erkennung von Melodie, Harmonie und Gesangspassagen in Musikstücken gearbeitet.
So können mit unserer Melodieerkennungstechnologie »Query by Humming« Melodie- bzw. Musiktitel aufgrund der gesummten oder gesungenen Melodien erkannt werden. Unter http://www.musicline.de/de/melodiesuche kann jeder unsere Technologie ausprobieren.
Mit der Technologie »SoundsLike«, einer Art Musikempfehlungsmaschine, wird ein vorgegebenes Musikstück überprüft und dem User werden stilistisch ähnliche Musikstücke vorgeschlagen. Dafür analysiert die Maschine die Klangfarbe und den Höreindruck des vorgegebenen Musikstücks und schlägt automatisch Musiktitel mit vergleichbarem Sound vor. Testen kann man das System im Vergleich zu drei anderen Musikempfehlungsmaschinen übrigens auf http://www.musicline.de/de/recoengine04
Für Musikliebhaber haben wir zusammen mit der Ilmenauer Firma 4FriendsOnly.com das PotatoSystem geschaffen. Das ist eine interessante Lösung, um digitale Musik über das Internet zu bekommen. Bei diesem System wird bewusst auf Kopierschutz verzichtet und die Nutzer werden für die Weitergabe von Musik mit einer Art Provision belohnt. Nähere Informationen dazu findet man unter www.potatosystem.de
8. Gab es bestimmte Meilensteine (Projekte, Ereignisse) in Ihrem beruflichen Werdegang, die Sie dahin gebracht haben, wo Sie heute stehen?
Sicherlich gab es die. Der erste Meilenstein war, als mein Doktorvater Mitte der siebziger Jahre auf die Idee kam, dass man über ISDN statt Sprache auch Musik übertragen könnte. Der Patentprüfer reagierte jedoch ablehnend und sagte: „Es ist bekannt, dass das nicht funktioniert.“ Daraufhin suchte Professor Seitzer einen Doktoranden, der zeigen sollte, was wirklich entwickelt werden kann. Und der war ich. Im Ergebnis entstand meine Dissertation zum Thema: „Verfahren und Qualitätsbeurteilung für hochwertige Musikcodierung“, die die Grundlage für den heute weltweit bekannten MP3-Audiocodierstandard darstellt.
Ein weiterer Meilenstein meiner Karriere war, dass ich im Jahr 2000 dem Ruf an die TU Ilmenau gefolgt bin und seitdem Direktor des Instituts für Medientechnik bin. Ich habe die Möglichkeit bekommen, den neuen Studiengang Medientechnologie von Anfang an aktiv mitzugestalten, der bis heute in seiner interdisziplinären Konzeption deutschlandweit einzigartig ist.
Parallel dazu wurde ich im Jahr 2000 zum Leiter der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT in Ilmenau ernannt. Mir wurde die Aufgabe anvertraut, innerhalb von vier Jahren aus der Arbeitsgruppe ein eigenständiges Fraunhofer-Institut mit eigenen Forschungsschwerpunkten und individuellem Profil zu schaffen. Gemeinsam mit meinen mittlerweile über 50 festen Mitarbeitern und genauso vielen fleißigen Studenten haben wir dieses Ziel bereits ein Jahr früher als geplant erreicht. Seit dem 1. Januar dieses Jahres bin ich Direktor des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie, dem nunmehr 58. in Deutschland. Auf diesen Erfolg bin ich sehr stolz und würde sagen, dass die Institutsgründung den dritten Meilenstein meines beruflichen Werdegangs markiert.
9. Welche Tipps würden Sie Schülern geben, die sich für den Ingenieurberuf interessieren?
Wichtig ist die Begeisterung für Technik, wobei diese Begeisterung nicht unkritisch alles Technische für gut befinden muss. Gerade Ingenieure sollten auch wissen, was alles schief gehen kann und sind oft skeptisch gegenüber den eigenen Ergebnissen. Angst vor Mathematik ist ein schlechter Start, ansonsten zählen aber der Wille und das Interesse sich durchzubeißen.
1. Allgemeine Angaben
Name: Karlheinz Brandenburg
Jahrgang: 1954
Wohnort: Erlangen und Ilmenau
Familienstand: verheiratet
Hobbys: wandern, gut essen, Science-Fiction-Romane
2. Schilderung des beruflichen Werdegangs
Schulausbildung: Humanistisches Gymnasium in Erlangen, Abitur 1973
Studienrichtung: Elektrotechnik und Mathematik, Diplome in 1980 und 1982
Studienort: Erlangen
Abschluss: Dr.-Ing. für Elektrotechnik, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik, Dipl.-Mathematik
Berufliche Stationen:
1982 bis 1989 wissenschaftl. Mitarbeiter Uni Erlangen/Nürnberg
1989 bis 1990 AT&T Bell Laboratories in Murray Hill (USA)
1990 bis 1993 akadem. Rat auf Zeit an der Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen, ab dieser Zeit auch Lehrtätigkeit
1993 bis 2000 Abteilungsleiter für Audio- und Multimediatechnik am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Erlangen
seit 2000
Direktor des Instituts für Medientechnik an der Technischen Universität Ilmenau, Inhaber des Lehrstuhls für Elektronische Medientechnik
Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau (frühere Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT)
3. Bitte erläutern Sie, warum Sie Ingenieur geworden sind.
Schon als Kind habe ich die Schilderungen über Technik und Erfinder gerne gelesen. Als Elektronikbastler, der seine Stereoanlage selber baute und die Anfänge der Computertechnik sehr interessiert verfolgte, waren E-Technik, Informatik, Physik oder Mathematik die Fächer, die zur Wahl standen. Ich habe mich dann für ein Doppelstudium Elektrotechnik/Mathematik entschieden.
4. Wer sind Ihre Vorbilder?
Als Jugendlicher habe ich viel über Albert Schweitzer gehört. Die Verbindung von Wissenschaftler und Arzt zu sozialem Engagement fand ich ganz toll. Die Geschichten über Gauss, Edison und Co. waren auch interessant, aber viel zu weit weg, um wirklich als Vorbild zu dienen.
5. Welche persönlichen Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach hilfreich für den Ingenieurberuf?
Neugierde ist ganz wichtig, das „den Dingen auf den Grund gehen wollen“. Als weitere notwendige Eigenschaft sehe ich Kreativität, neue Ideen zu entwickeln und nicht einfach nur Altbekanntes nachzuvollziehen.
6. Bitte erklären Sie Ihre bedeutendste Erfindung.
Die Erfindung, die ich in meiner Laufbahn als am bedeutendsten einstufen möchte, ist zweifelsohne die Erfindung des MPEG Audio Layer-3, vielen wahrscheinlich besser bekannt als MP3. Ich muss jedoch dazu sagen, dass nicht ich allein diese Erfindung geschaffen habe, sondern dass dies zusammen mit einem Forscherteam zu meiner Zeit an der Universität in Erlangen mit einem Team am Fraunhofer-Institut in Erlangen geschehen ist.
Im Jahr 2000 habe ich gemeinsam mit meinen Erlanger Kollegen Bernhard Grill und Harald Popp für diese Erfindung und ihre wirtschaftliche Durchsetzung den Deutschen Zukunftspreis erhalten.
MP3 ist ein Verfahren zur Datenreduktion von Audiodateien ohne hörbare Verluste in der Soundqualität. Bei der Umwandlung von Audiodateien in MP3-Formate wird auf die begrenzte Wahrnehmung des Menschen gesetzt. Die Menge der Töne, die vom Menschen beispielsweise wegen ihrer Frequenz oder Lautstärke nicht wahrgenommen werden können, werden reduziert und nicht mitcodiert. Audiodaten können auf diese Weise extrem komprimiert werden, sodass der Speicherbedarf wesentlich geringer ist als bei der Originaldatei.
Der hohe Speicherbedarf unkomprimierter Daten, die mangelnden Übertragungsraten im digitalen Rundfunk und die Übertragung von Audiodateien via Internet haben eine solche Entwicklung einfach nötig gemacht und heute ist es längst Standard geworden.
7. An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?
Wir haben momentan ganz verschiedene interessante Projekte, an denen wir arbeiten. Vor allem an unserem Soundsystem IOSONO®, das basierend auf der Technologie der Wellenfeldsynthese (aus der TU Delft) eine realistische Klangwiedergabe ermöglicht, hängt unser ganzes Herzblut.
Mit IOSONO® sind wir mittlerweile in die aktive internationale Vermarktungsphase eingestiegen. Neben einem Kinosystem im Ilmenauer Kino »Linden Lichtspiele« wurde ein weiteres an der University of Surrey in Großbritannien aufgebaut. Außerdem wurde im Juli 2004 ein Tonstudio in Hollywood mit einem Soundsystem ausgestattet. Gemeinsam mit den Partnern Bregenzer Festspiele und Lawo AG hat unser Institut ein innovatives Beschallungskonzept für die Seebühne des Festivals entwickelt, das erstmals in der Sommerspielzeit 2005 zum Einsatz gekommen ist.
Des Weiteren arbeiten wir hier in Ilmenau intensiv an alternativen Ansätzen zu herkömmlichen Digital Rights Management-Verfahren für den sicheren Vertrieb virtueller Güter und zum Schutz digital übertragener Inhalte vor illegalem Zugriff. Wir entwickeln Vertriebssysteme, die unter Wahrung von Urheberrechten den »Fair Use«-Gedanken für die Nutzer ganz stark in den Vordergrund stellen.
Ein weiteres Thema rührt aus der Problematik immer weiter ansteigenden digitalen Contents her. Wie oft sucht man im Internet nach einem ganz bestimmten Titel? Wie oft muss man die heimische digitale Musiksammlung auf dem PC durchstöbern, bis man einen ganz bestimmten Titel findet? Wir arbeiten an Verfahren, mit denen digitale Inhalte wie Musik oder Videos automatisch erkannt und charakterisiert werden können. Im Besonderen wird bei uns an der Extraktion individueller, aber universell interpretierbarer Beschreibungen von multimedialen Daten geforscht.
Damit ist eine komfortablere Suche nach digitalen Inhalten möglich. Zur Erkennung werden Merkmale wie Tempo oder Rhythmus herangezogen. Zusätzlich wird an der Erkennung von Melodie, Harmonie und Gesangspassagen in Musikstücken gearbeitet.
So können mit unserer Melodieerkennungstechnologie »Query by Humming« Melodie- bzw. Musiktitel aufgrund der gesummten oder gesungenen Melodien erkannt werden. Unter http://www.musicline.de/de/melodiesuche kann jeder unsere Technologie ausprobieren.
Mit der Technologie »SoundsLike«, einer Art Musikempfehlungsmaschine, wird ein vorgegebenes Musikstück überprüft und dem User werden stilistisch ähnliche Musikstücke vorgeschlagen. Dafür analysiert die Maschine die Klangfarbe und den Höreindruck des vorgegebenen Musikstücks und schlägt automatisch Musiktitel mit vergleichbarem Sound vor. Testen kann man das System im Vergleich zu drei anderen Musikempfehlungsmaschinen übrigens auf http://www.musicline.de/de/recoengine04
Für Musikliebhaber haben wir zusammen mit der Ilmenauer Firma 4FriendsOnly.com das PotatoSystem geschaffen. Das ist eine interessante Lösung, um digitale Musik über das Internet zu bekommen. Bei diesem System wird bewusst auf Kopierschutz verzichtet und die Nutzer werden für die Weitergabe von Musik mit einer Art Provision belohnt. Nähere Informationen dazu findet man unter www.potatosystem.de
8. Gab es bestimmte Meilensteine (Projekte, Ereignisse) in Ihrem beruflichen Werdegang, die Sie dahin gebracht haben, wo Sie heute stehen?
Sicherlich gab es die. Der erste Meilenstein war, als mein Doktorvater Mitte der siebziger Jahre auf die Idee kam, dass man über ISDN statt Sprache auch Musik übertragen könnte. Der Patentprüfer reagierte jedoch ablehnend und sagte: „Es ist bekannt, dass das nicht funktioniert.“ Daraufhin suchte Professor Seitzer einen Doktoranden, der zeigen sollte, was wirklich entwickelt werden kann. Und der war ich. Im Ergebnis entstand meine Dissertation zum Thema: „Verfahren und Qualitätsbeurteilung für hochwertige Musikcodierung“, die die Grundlage für den heute weltweit bekannten MP3-Audiocodierstandard darstellt.
Ein weiterer Meilenstein meiner Karriere war, dass ich im Jahr 2000 dem Ruf an die TU Ilmenau gefolgt bin und seitdem Direktor des Instituts für Medientechnik bin. Ich habe die Möglichkeit bekommen, den neuen Studiengang Medientechnologie von Anfang an aktiv mitzugestalten, der bis heute in seiner interdisziplinären Konzeption deutschlandweit einzigartig ist.
Parallel dazu wurde ich im Jahr 2000 zum Leiter der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT in Ilmenau ernannt. Mir wurde die Aufgabe anvertraut, innerhalb von vier Jahren aus der Arbeitsgruppe ein eigenständiges Fraunhofer-Institut mit eigenen Forschungsschwerpunkten und individuellem Profil zu schaffen. Gemeinsam mit meinen mittlerweile über 50 festen Mitarbeitern und genauso vielen fleißigen Studenten haben wir dieses Ziel bereits ein Jahr früher als geplant erreicht. Seit dem 1. Januar dieses Jahres bin ich Direktor des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie, dem nunmehr 58. in Deutschland. Auf diesen Erfolg bin ich sehr stolz und würde sagen, dass die Institutsgründung den dritten Meilenstein meines beruflichen Werdegangs markiert.
9. Welche Tipps würden Sie Schülern geben, die sich für den Ingenieurberuf interessieren?
Wichtig ist die Begeisterung für Technik, wobei diese Begeisterung nicht unkritisch alles Technische für gut befinden muss. Gerade Ingenieure sollten auch wissen, was alles schief gehen kann und sind oft skeptisch gegenüber den eigenen Ergebnissen. Angst vor Mathematik ist ein schlechter Start, ansonsten zählen aber der Wille und das Interesse sich durchzubeißen.

