Bauingenieurwesen
Baubetrieb
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© Claus Mikosch - Fotolia.com
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Wer schon mal eine Großbaustelle für einen Bahnhof, eine Autobahnbrücke oder ein Einkaufszentrum genauer betrachtet hat, der wird sich gefragt haben: „Wie bekommen die das nur auf die Reihe?“ Da wuseln hunderte Bauarbeiter herum, Lkw bringen Baumaterialien, andere transportieren Erdreich ab, Betonlaster stehen Schlange vor der Zufahrt, eine Baugrube ist vom letzten Platzregen überflutet. Auf der einen Seite werden noch die Fundamente gegossen, auf der anderen wird schon das Dach gedeckt, irgendwo dazwischen werden Stahlträger verschweißt und mittendrin stehen ein paar behelmte Männer und Frauen mit Plänen in der Hand und debattieren aufgeregt.
Die Strippenzieher
Das reine Chaos. Trotzdem ist irgendwann das Bauwerk fertig – in der Regel sogar zum geplanten Termin – und jedes Bauteil sitzt da, wo es hingehört, jedes Detail sieht so aus, wie es in den Plänen vorgesehen ist. Bauherr und Bauunternehmer freuen sich und die künftigen Bewohner oder Nutzer des Bauwerks feiern fröhlich Einweihung. Verantwortlich dafür ist ein Spezialist, der im Hintergrund gekonnt die Strippen zieht und das vermeintliche Chaos auf der Baustelle in geordnete Bahnen bringt. Es ist der Ingenieur mit der Vertiefungsrichtung Baubetrieb, auch Baubetriebler genannt.
Diese Fachleute sind gestandene Bauingenieure wie ihre Kollegen, die für Entwurf, Planung und Berechnung des Bauwerks zuständig sind. Sie beschäftigen sich aber weniger mit der technischen Seite, sondern vor allem mit dem Management von Bauvorhaben jeder Art. Und je größer dieses ist, desto anspruchvoller wird ihr Job.
Bauabläufe planen und koordinieren
Bei einem Einfamilienhaus lässt sich noch leicht nachvollziehen, dass erst das Fundament, dann die Wände und schließlich das Dach gebaut werden müssen, denn andersherum geht es nicht. Doch selbst hier kann einiges schiefgehen, wenn die Bauleitung nicht aufpasst. Kommt der Fliesenleger vor dem Elektriker, darf er danach gleich noch mal anrücken. Im Einfamilienhaus führt dieser Fehler zu einem zwar ärgerlichen, aber überschaubaren Mehraufwand. Bei großen Bauprojekten kann er jedoch einen Millionenschaden verursachen.
Tücken der Terminplanung
Die Verantwortung des Baubetrieblers beginnt nicht erst bei der Grundsteinlegung, sondern bereits bei den ersten Vorentwürfen. Er organisiert die Planung, die bei großen Projekten viele Jahre dauern kann, kalkuliert die Kosten für das Bauwerk, legt den Bauablauf fest und plant den Personal- und Maschineneinsatz. Und er regelt die Termine. Das funktioniert im Prinzip wie die aus der Schule bekannte Rechenaufgabe: Wenn ein Bagger drei Wochen für den Aushub einer Baugrube benötigt, wie viele schaffen es dann in einer Woche? Die Aufgabe lautet, zwischen Kostenaufwand und Schnelligkeit abzuwägen, realistische Terminpläne aufzustellen und Fehler möglichst schon bei der Planung zu erkennen, denn dann können sie noch korrigiert werden.
Später auf der Baustelle wird das schwierig – und teuer. Das zeigen spektakuläre Einzelfälle aus der Vergangenheit. Da wurde schon mal eine Autobahnanschlussstelle gebaut, bevor die zugehörige Straße genehmigt war – und nie genehmigt wurde. Es gibt ein Haus mit vielen Balkonen – aber leider gab es keine Balkontüren. Oder eine Kläranlage für 10.000 Einwohner, obwohl nur 1.000 Menschen in der Gegend wohnen.
Alle müssen unter einen Hut
Zu den wichtigsten Aufgaben gehört deshalb die Koordination aller Beteiligten. Das können ganz schön viele sein. Neben dem Bauherrn gibt es Dutzende ausführende Firmen, Planungsingenieure für Statik, Fassade, Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektrotechnik sowie Innenausbau und nicht zuletzt die Behörden, die alles genehmigen müssen. Ändert sich während der Planung ein Detail, beispielweise die Anzahl der Stockwerke oder die Position von Fenstern, müssen alle informiert werden und ihre Planung darauf abstimmen. Bei vielen Tausend Detailplänen, die für ein großes Bauwerk angefertigt werden, eine durchaus logistische Herausforderung.
Die Arbeit eines Baubetrieblers wird oft von zwei Faktoren bestimmt: Kosten und Termine, denn die müssen eingehalten werden. Läuft alles rund, klappt das in der Regel. Gibt es aber Probleme, ist das Eingreifen des Ingenieurs gefragt. Was, wenn die Arbeiten durch anhaltend schlechtes Wetter verzögert werden? Wenn Baumaterial zu spät geliefert wird oder ein beteiligtes Bauunternehmen pleite geht? Da braucht es neben Erfahrung und Fachwissen eine ganze Menge Improvisationstalent.
Und auch nach der Fertigstellung eines Bauwerks sind Ingenieure des Baubetriebs die Fachleute der Wahl, denn die ganzheitliche, ökonomisch und ökologisch sinnvolle Bewirtschaftung der Gebäude gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das Schlagwort lautet Facility Management, das mittlerweile als eigenständiger Studiengang an einigen Hochschulen angeboten wird.
Mehr Manager als Techniker
Baubetriebler sind also durchaus Führungskräfte im gehobenen Management, die das technische Know-how eines Bauingenieurs mit dem betriebswirtschaftlichen Wissen eines Managers verbinden. Sie finden sowohl in der Bauleitung als auch in der Führung von Bauunternehmen, Behörden, Ingenieurbüros, Immobilienunternehmen und Projektentwicklern ihren Platz.
Die Ausbildung ist entsprechend geprägt von einem Mix aus technischen und wirtschaftlichen Fächern. Das naturwissenschaftliche Basiswissen und die grundlegenden Fächer des Bauingenieurwesens werden im Grundstudium vermittelt. Im Vertiefungsstudium stehen dann Themen wie Kalkulation und Abrechnung, Controlling, Baumaschinenkunde, Bauverfahrenstechnik, Unternehmensführung und Projektmanagement im Mittelpunkt.
Weitere Fächer können Bau- und Vertragsrecht sein, schlüsselfertiges Bauen, Facility Management oder Arbeitsschutz. Ergänzt wird das Studium durch Exkursionen zu Großbaustellen und Baumaschinenherstellern. Beste Voraussetzungen, um später im Beruf Führungsverantwortung in einem Team von Ingenieuren unterschiedlicher Fachrichtungen zu übernehmen und Herr oder Herrin auf Zeit über eine Großbaustelle mit Tausenden Mitarbeitern und einem Bauvolumen von vielen Millionen Euro zu werden.
Die Strippenzieher
Das reine Chaos. Trotzdem ist irgendwann das Bauwerk fertig – in der Regel sogar zum geplanten Termin – und jedes Bauteil sitzt da, wo es hingehört, jedes Detail sieht so aus, wie es in den Plänen vorgesehen ist. Bauherr und Bauunternehmer freuen sich und die künftigen Bewohner oder Nutzer des Bauwerks feiern fröhlich Einweihung. Verantwortlich dafür ist ein Spezialist, der im Hintergrund gekonnt die Strippen zieht und das vermeintliche Chaos auf der Baustelle in geordnete Bahnen bringt. Es ist der Ingenieur mit der Vertiefungsrichtung Baubetrieb, auch Baubetriebler genannt.
Diese Fachleute sind gestandene Bauingenieure wie ihre Kollegen, die für Entwurf, Planung und Berechnung des Bauwerks zuständig sind. Sie beschäftigen sich aber weniger mit der technischen Seite, sondern vor allem mit dem Management von Bauvorhaben jeder Art. Und je größer dieses ist, desto anspruchvoller wird ihr Job.
Bauabläufe planen und koordinieren
Bei einem Einfamilienhaus lässt sich noch leicht nachvollziehen, dass erst das Fundament, dann die Wände und schließlich das Dach gebaut werden müssen, denn andersherum geht es nicht. Doch selbst hier kann einiges schiefgehen, wenn die Bauleitung nicht aufpasst. Kommt der Fliesenleger vor dem Elektriker, darf er danach gleich noch mal anrücken. Im Einfamilienhaus führt dieser Fehler zu einem zwar ärgerlichen, aber überschaubaren Mehraufwand. Bei großen Bauprojekten kann er jedoch einen Millionenschaden verursachen.
Tücken der Terminplanung
Die Verantwortung des Baubetrieblers beginnt nicht erst bei der Grundsteinlegung, sondern bereits bei den ersten Vorentwürfen. Er organisiert die Planung, die bei großen Projekten viele Jahre dauern kann, kalkuliert die Kosten für das Bauwerk, legt den Bauablauf fest und plant den Personal- und Maschineneinsatz. Und er regelt die Termine. Das funktioniert im Prinzip wie die aus der Schule bekannte Rechenaufgabe: Wenn ein Bagger drei Wochen für den Aushub einer Baugrube benötigt, wie viele schaffen es dann in einer Woche? Die Aufgabe lautet, zwischen Kostenaufwand und Schnelligkeit abzuwägen, realistische Terminpläne aufzustellen und Fehler möglichst schon bei der Planung zu erkennen, denn dann können sie noch korrigiert werden.
Später auf der Baustelle wird das schwierig – und teuer. Das zeigen spektakuläre Einzelfälle aus der Vergangenheit. Da wurde schon mal eine Autobahnanschlussstelle gebaut, bevor die zugehörige Straße genehmigt war – und nie genehmigt wurde. Es gibt ein Haus mit vielen Balkonen – aber leider gab es keine Balkontüren. Oder eine Kläranlage für 10.000 Einwohner, obwohl nur 1.000 Menschen in der Gegend wohnen.
Alle müssen unter einen Hut
Zu den wichtigsten Aufgaben gehört deshalb die Koordination aller Beteiligten. Das können ganz schön viele sein. Neben dem Bauherrn gibt es Dutzende ausführende Firmen, Planungsingenieure für Statik, Fassade, Heizung, Sanitär, Lüftung, Elektrotechnik sowie Innenausbau und nicht zuletzt die Behörden, die alles genehmigen müssen. Ändert sich während der Planung ein Detail, beispielweise die Anzahl der Stockwerke oder die Position von Fenstern, müssen alle informiert werden und ihre Planung darauf abstimmen. Bei vielen Tausend Detailplänen, die für ein großes Bauwerk angefertigt werden, eine durchaus logistische Herausforderung.
Die Arbeit eines Baubetrieblers wird oft von zwei Faktoren bestimmt: Kosten und Termine, denn die müssen eingehalten werden. Läuft alles rund, klappt das in der Regel. Gibt es aber Probleme, ist das Eingreifen des Ingenieurs gefragt. Was, wenn die Arbeiten durch anhaltend schlechtes Wetter verzögert werden? Wenn Baumaterial zu spät geliefert wird oder ein beteiligtes Bauunternehmen pleite geht? Da braucht es neben Erfahrung und Fachwissen eine ganze Menge Improvisationstalent.
Und auch nach der Fertigstellung eines Bauwerks sind Ingenieure des Baubetriebs die Fachleute der Wahl, denn die ganzheitliche, ökonomisch und ökologisch sinnvolle Bewirtschaftung der Gebäude gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das Schlagwort lautet Facility Management, das mittlerweile als eigenständiger Studiengang an einigen Hochschulen angeboten wird.
Mehr Manager als Techniker
Baubetriebler sind also durchaus Führungskräfte im gehobenen Management, die das technische Know-how eines Bauingenieurs mit dem betriebswirtschaftlichen Wissen eines Managers verbinden. Sie finden sowohl in der Bauleitung als auch in der Führung von Bauunternehmen, Behörden, Ingenieurbüros, Immobilienunternehmen und Projektentwicklern ihren Platz.
Die Ausbildung ist entsprechend geprägt von einem Mix aus technischen und wirtschaftlichen Fächern. Das naturwissenschaftliche Basiswissen und die grundlegenden Fächer des Bauingenieurwesens werden im Grundstudium vermittelt. Im Vertiefungsstudium stehen dann Themen wie Kalkulation und Abrechnung, Controlling, Baumaschinenkunde, Bauverfahrenstechnik, Unternehmensführung und Projektmanagement im Mittelpunkt.
Weitere Fächer können Bau- und Vertragsrecht sein, schlüsselfertiges Bauen, Facility Management oder Arbeitsschutz. Ergänzt wird das Studium durch Exkursionen zu Großbaustellen und Baumaschinenherstellern. Beste Voraussetzungen, um später im Beruf Führungsverantwortung in einem Team von Ingenieuren unterschiedlicher Fachrichtungen zu übernehmen und Herr oder Herrin auf Zeit über eine Großbaustelle mit Tausenden Mitarbeitern und einem Bauvolumen von vielen Millionen Euro zu werden.

