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Informatik

Das Studium der Computervisualistik

Das Studium der Computervisualistik
Schon jetzt gibt es ja die ersten Filme, die komplett ohne Schauspieler auskommen und zu 100 Prozent animiert sind – trotzdem sind sie täuschend echt und schön anzuschauen. Mit Software wie Google Earth kann man unseren blauen Planeten rein visuell aus dem Weltraum betrachten und sich dann in wildem Sturzflug in den eigenen Vorgarten zoomen. Neue Automodelle konstruieren Designer und Entwicklungsingenieure zuerst auf ihren PC-Bildschirmen, bevor ein echter Prototyp auf die Teststrecke geht. Computertomografie ermöglicht Ärzten einen Blick ins Körperinnere, weil ein Rechner eine Vielzahl einzelner Röntgenaufnahmen zu einem dreidimensionalen Bild zusammensetzen kann. Piloten trainieren erst einmal in der Virtual Reality eines Flugsimulators, ehe sie mit Hunderten von Passagieren an Bord in ein echtes Cockpit steigen.

All das sind spannende Anwendungsfelder der Computervisualistik. Sie schafft das, was das menschliche Gehirn aufgrund der Datenmengen und der komplexen Zusammenhänge oftmals nicht zu leisten vermag. Nur mithilfe des Computers können riesige Bilderfluten, Daten von Wettersatelliten, Luftbildaufnahmen oder komplexe Messreihen sichtbar – und vor allem – verständlich gemacht werden.
In zwei große Hauptbereiche lässt sich dieses spezielle Feld der Informatik in jedem Fall einteilen: Zum einen die Bildanalyse und Bildsynthese, zum anderen die Computergrafik und die Erschaffung von 3D-Welten auf dem Bildschirm.

Die informatische Kunst der Visualisierung
In der Berufswelt sind Computervisualisten überall dort zu finden, wo Bilder per Rechner verarbeitet und Daten sowie Sachverhalte bildhaft dargestellt werden müssen. In der Lern- und Spielesoftware-Industrie, bei Filmproduktionen, in Medien- und Grafikagenturen, im Bereich Multimedia, Architektur, Design, der Fernerkundung der Erde, in der Medizintechnik oder bei Forschungseinrichtungen für Materialprüfungen.
Die Bandbreite der nötigen Kenntnisse im konkreten Job umfasst zwar auch interdisziplinäre Themen wie Produktdesign, Wahrnehmungspsychologie und Audiovisuelle Kommunikation, wer aber meint, die Computervisualistik bestehe ausschließlich aus Ästhetik und Medienwissenschaft, der liegt falsch und sollte lieber Grafiker oder Mediendesigner werden. Um per Computervisualistik das Visuelle mit dem Computer zu verbinden, kann ein gewisses künstlerisches Grundverständnis zwar nicht schaden, handfeste Informatikkenntnisse, Kompetenz im Umgang mit Computern, Programmiersprachen und Software sowie das Interesse an mathematisch-logischen Themen stehen aber immer absolut im Vordergrund. Für Computervisualisten ist ein digitales Bild, und das was daraus wird, letztlich immer eine Datenstruktur.

Interdisziplinäres Studium mit logisch-abstraktem Denken
Die Universität Koblenz ist neben der Universität Magdeburg die einzige Hochschule in Deutschland, an der man Computervisualistik gezielt und eigenständig studieren kann. Als Vertiefungsrichtung ist das Fach aber auch an vielen Hochschulen im Bereich der Informatik wählbar. Letztlich sind Studierende der Computervisualistik sowieso ziemlich nah dran am Beruf des Informatikers und können diesen nach dem Studium auch in vollem Umfang ausüben. Da wundert es nicht, dass man in den ersten Semestern folgende Kerngebiete kennenlernt: Datenbanken, Programmierung, Datenstrukturen, Architektur von Rechnern und Rechnernetzen, Programmierparadigmen, Systemprogrammierung, Software-Engineering und Theoretische Informatik. Nicht zu unterschätzen sind auch die vielen Mathematikvorlesungen gleich zu Studienbeginn. Dabei muss man sich neben dem schulisch-mathematischen Wissen auch in die überaus wichtigen logisch-abstrakten Denkweisen einarbeiten.

In den weiterführenden Semestern geht’s dann los mit Medientechnik und den bildbezogenen Teilgebieten der Informatik. Nun stehen Computergrafik, Bildverarbeitung, Visualisierung und algorithmische Geometrie auf dem Lehrplan. Ergänzt wird das Ganze durch interdisziplinäre Ausflüge in geisteswissenschaftliche und künstlerische Fächer wie Psychologie, visuelle Gestaltung, Philosophie, Pädagogik und Kreativitätstechnik.
Richtig ingenieurwissenschaftlich wird’s in den Anwendungsfächern. In Vorlesungen zur Bildinformationstechnik lernt man, wie Bildaufnahme und -wiedergabe funktionieren, im Bereich Konstruktion und Design werden Konstruktionselemente, CAD/CAM-Grundlagen und Produktentwicklungen vorgestellt, in Seminaren zur Werkstoffwissenschaft sucht man mit visuellen Methoden optimale Werkstoffe und im Themenkomplex Medizin diskutiert man computerunterstützte Methoden in Diagnose und Therapie.

Insgesamt sind die Studieninhalte sehr praxisorientiert und interdisziplinär ausgerichtet, Anwendungsbezug spielt eine wichtige Rolle. Bis endgültig der Bachelor- oder Mastertitel winkt, müssen aber auch Computervisualisten den richtigen Durchblick behalten. Sollten sie den mal verlieren, sind sie ja aufgrund ihrer Kompetenzen durchaus in der Lage, sich von ihrem Studienplan eine dreidimensional animierte Computergrafik zu erstellen.

20.05.2012 | 20:00:23

Mai Dang-Goy • Experten-Foren

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