Mechatronik
Drachenroboter - Der Robo-Riese
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Hybrid aus Kunststoff und Stahl: Den grünbraunen Panzer aus 800 Schuppen hat die Münchner Special-Effects-Firma Magicon entworfen, die von Hollywood regelmäßig für Blockbuster wie „Der Patriot" von Roland Emmerich engagiert wird. Sie muss auch der sechs Meter weiten Drachenflamme standhalten. Uber vier Funkfernsteuerungen und neun Steuergeräte wird das Monster von vier Experten in Gang gesetzt. 20 geregelte Beinachsen richten den Drachen auf. Die Sensorik wurde bei Pferden abgeschaut, die Mechanik bei einem Schweizer Gebirgsbagger.
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Deutschlands ältestes Volksschauspiel ist ab sofort auch das modernste - der Further Drachenstich. Seit 500 Jahren wird im oberpfälzischen Furth im Wald der Drache gestochen. Jahr für Jahr kämpft Ritter Udo gegen das Ungeheuer, das die Stadt bedroht und Tod und Venwüstung mit sich bringt. In spektakulärem Schauspiel besiegt er es schließlich mit einem Lanzenstich. Ursprünglich war der Lindwurm von Volksschauspielern in abenteuerlichen Drachenkostümen dargestellt worden. Die vergangenen 35 Jahre diente ein 20 Meter langes, wenig bewegliches Stahlrohr-Gummi-Konstrukt auf einem Gabelstapler als Hauptdarsteller - für viele Zuschauer antiquiert angesichts der Spezialeffekte, die Film und Fernsehen mittlerweile zu bieten haben.
Nun hat das Zandter Elektronik- und Mechatronik-Unternehmen Zollner im Auftrag der Stadt den weltweit größten, auf vier Beinen laufenden Drachen-Roboter gebaut. Viele Unternehmen des Mechatronik-Clusters Ostbayern haben seit dem Projektstart im Februar 2007 ihr Knowhow eingebracht, bevor der Hightech-Riese „Tradinno" beim Further Drachenstich Ende Juli erstmals zum Angriff schreitet - mit 1,8 km/h. Das ist durchaus enorm, ist der Drachenroboter doch elf Tonnen schwer, 4,50 Meter hoch, 3,80 Meter breit und 15,50 Meter lang.
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Stahlskelett mit Adern aus Kabelsträngen: 1.300 Meter elektrische Leitungen; 300 Meter Hydraulikleitungen und 110 Pneumatikleitungen sind von Zollner im Drachen verkabelt worden. Im Bauch befinden sich zudem 80 Liter Kunstblut, 1,6 Kilo Lycopodium, elf Kilo Flüssiggas, 165 Liter Hydrauliköl, 315 Hydraulikventile, 50 hydraulische Antriebe, zehn pneumatische Antriebe, zwölf elektrische Antriebe, vier Hydraulikpumpen, ein Pneumatikkompressor und drei Stromgeneratoren.
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Die beweglichen Flügel haben eine Spannweite von zwölf Metern. Der sechs Meter lange, geschuppte Schwanz kann in alle Richtungen geschlagen werden und dabei rollt der Koloss mit den Augen, fletscht die Zähne und bläht die Nüstern. Natürlich speit er auch Feuer - bis zu sechs Meter züngelnde Flammen.
2,3 Millionen Euro hat der Robo-Riese gekostet - finanziert aus EU-Mitteln und Sponsorengeldern. Für Roboter-Enthusiasten aus der ganzen Welt ist die Kleinstadt an der Grenze zu Tschechien damit zum Begriff geworden. Vor allem der Lauf auf vier Roboter-Beinen gilt als technologische Herausforderung - nur Forscher der US-Army haben in diesem Bereich bisher nennenswerte Erfolge mit elektronischen Lasteneseln vorzuweisen. „Die gegenläufigen Bewegungen von Kopf, Schwanz und Flügeln, die unabhängigen Bewegungen der vier Beine - das ist eine grandiose Ingenieursleistung", lobt der international angesehene deutsche Robotiker, DLR-Ingenieur Professor Gerd Hirzinger, der Zollner auch beratend zur Seite stand.
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In diesem Drachen stecken zehn Tonnen Hightech aus Ostbayern, eingehüllt in eine Tonne Polyurethan- Haut: Er ist der größte selbstständig laufende Roboter der Welt auf vier Beinen, entstanden in einer Produktionshalle der Zollner Elektronik AG in Zandt bei Cham. Angetrieben wird er von einem 2,0-Liter-Turbo- diesel mit 140 PS. 65 beweglich-animierte Achsen und 94 Sensoren sorgen für lebensechte Bewegungen.
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Möglich wurde das ostbayerische Vorzeigeprojekt nicht nur durch das 13- köpfige Team um Konstrukteur Sandro Bauer, das Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Zollner und Entwickler- und Technikvorstand Dr. Josef Weber extra für Entwicklung und Bau des Drachenroboters freigestellt hatten, sondern auch durch dieTeamarbeit der gesamten Zollner Elektronik AG. „Motivator war für uns nicht in erster Linie das Drachenspiel", gibt Dr. Weber zu, „sondern die Herausforderung, mechatronische Lösungen in einer neuartigen Komplexität zu schaffen, aus der wir für unsere Kunden schöpfen können." Und die kommen aus unterschiedlichsten Branchen wie Medizin, Raumfahrt, Bahntechnik oder Robotik. Unter anderem wird auch die Autoindustrie von der Drachenentwicklung profitieren - in Sachen mechatronische Lösungen zum Beispiel für Antriebe, Lenkung und Bremsen. Bleibt nur eine Frage: Wird der Further Drache irgendwann auch fliegen können?

