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Das Studium des Strahlenschutzingenieurwesens

Das Studium des Strahlenschutzingenieurwesens
Zugegeben, das Wort Strahlung ist negativ belegt und wirkt ein wenig unheimlich und angsteinflößend. Sofort denkt man an piepsende Geigerzähler, unsichere Atomreaktoren, die Katastrophe in Fukushima, die Tragödie von Hiroshima oder eine mögliche Überdosis beim Röntgen. Egal, welche geteilte Meinungen in Bezug auf die nukleare Energienutzung und angesichts des weltweiten Atomwaffen-Arsenals bestehen, für den sinnvollen Einsatz von Strahlung gibt es ebenfalls genügend Beispiele. An Kernforschungszentren wird mit radioaktiven Strahlen den Grundprinzipien der Physik und den kleinsten Teilchen nachgespürt, mit der C-14-Radiocarbonmethode kann man das Alter von Ötzi und Co. exakt datieren, bei Materialprüfungen an wichtigen Bauteilen sind Untersuchungen per Röntgen nicht mehr wegzudenken und innerhalb der Medizin ist die Radiologie unabdingbar geworden, um zerbrochene Knochen sichtbar zu machen oder Krebspatienten eine Therapie zu ermöglichen.

Im Job wird gesichert, gemessen, geprüft und geforscht
Wenn eine Technik auf der einen Seite einen so hohen Nutzen hat, auf der anderen Seite aber auch große Gefahren entfesseln kann, ahnt man schon, wie wichtig es ist, entsprechend gut ausgebildete Ingenieure zu haben, die das Ganze kontrollieren. Arbeitsvorgänge mit oder unter Strahlung müssen vorausschauend organisiert und geplant werden, Abstände und Abschirmungen müssen eingerichtet, Strahlungsintensitäten permanent gemessen werden, Normen und Verordnungen müssen befolgt werden und der Schutz der mit der Strahlung arbeitenden Personen steht ohnehin im Vordergrund.

In der beruflichen Praxis sind Strahlenschutzingenieure also sowohl Physik-, als auch Medizin-Experten. Die Jobbezeichnungen dieser Spezial-Ingenieure können dann Strahlenschutzbeauftragter, Medizin-Physik-Experte, Strahlenschutzingenieur, Prüfer, Gutachter, Berater, Entwicklungs- oder Laboringenieur sowie Sicherheitsingenieur oder Umweltbeauftragter lauten. Tätigkeitsfelder finden sich in Radiologischen Kliniken, in der Forschung und Entwicklung, in kerntechnischen Anlagen, bei Gutachtern, Überwachungsinstitutionen, Fachbehörden, Dienstleistern oder Geräteherstellern.

Ein Job für Naturwissenschaftler und Ingenieure
So speziell diese Ausbildung unter den bekannten Ingenieur-Fachrichtungen ist, so schwierig gestaltet sich auch die Suche nach entsprechenden eigenständigen Studiengängen. Sicherlich wird es viele Physik-Studenten geben, die sich aufgrund ihres Studienwissens für den Job als Strahlenschutzingenieur eignen. Und auch die Verfahrens-, Elektro- und Umwelttechnik sowie die Medizintechnik und der Maschinenbau bieten Teilbereiche, die Wissen aus dem Strahlenschutz vermitteln. Inhaltlich richtig konkret wird’s allerdings erst bei der Studienfachrichtung Sicherheitstechnik, darunter ordnen sich dann auch die noch spezielleren Inhalte zum Strahlenschutz ein.

Vor allem Berufsakademien bieten den Studiengang an
Vollwertig und im eigenständigen Studiengang kann man in Deutschland zurzeit nur an einigen Berufsakademien zum Strahlenschutzingenieur ausgebildet werden. Die Berufsakademie Sachsen in Riesa und die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe wären hier zu nennen. Berufsakademien unterscheiden sich in einem Punkt grundlegend vom klassischen Studium: Man studiert nämlich dual, das heißt: Wer an eine BA will, muss zuerst einen Ausbildungsplatz in einem geeigneten Unternehmen ergattern. Neben einem festen Gehalt hat man natürlich auch eine Riesenportion Praxisbezug, dafür gibt’s keine Semesterferien und der Zeit- und Lernaufwand ist rund ums Jahr hoch.

Hat man einen dieser wenigen Studienplätze sicher, startet man in den ersten Semestern der Strahlenschutztechnik oder des Strahlenschutzingenieurwesens erstmal mit der Theorie aus Mathematik, Physik, Biologie und Chemie. Auch die allgemeinen Ingenieurwissenschaften mit den Themenfeldern Apparatebau, Elektrotechnik, Elektronik und Verfahrenstechnik sind zu diesem Zeitpunkt zu pauken. Gerade bei den naturwissenschaftlichen Lehrgebieten werden vertiefende Kenntnisse durch begleitende Laborübungen vermittelt. Ist man so weit fit, geht’s in die weiterführenden Semester. Und da warten dann Spezialisierungen wie Strahlenmedizin, Diagnose- und Therapietechnik, Strahlenmess- und Analysetechnik, Kerntechnik, Energietechnik, kerntechnische Kleinanlagen, Sicherheitstechnik und -Management sowie Störfallvorsorge und Technische Strategien und Szenarien auf die Studierenden. Auch Betriebswirtschaft wie Ökonomie und Qualität sowie rechtliche Aspekte aus Atom- und Strahlenschutzrecht sind von großer Bedeutung. Ebenso angewandte EDV, CAD, Fachenglisch und Präsentationstechniken.

Die Berufsaussichten sind nicht schlecht
Ist man dann endlich einer der wenigen fertig ausgebildeten Strahlenschutzingenieure muss man ja nicht gerade im berühmten amerikanischen Los Alamos forschen, sondern kann getrost in der Heimat bleiben. Denn die Fehler der Vergangenheit im Umgang mit der Kerntechnik steigern jetzt und in Zukunft die Nachfrage nach fachkundigen Ingenieuren. Durch die bis zum Jahr 2022 geplante bundesweite Außerbetriebnahme von Atomkraftwerken und -anlagen und die daraus resultierende Rückbau- und Entsorgungsproblematik wird in etwa die 20- bis 30fache Anzahl an Strahlenschutzingenieuren benötigt, als zurzeit ausgebildet werden.

22.05.2012 | 09:36:56

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