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Als Studentin

Die Tausendsassarin

Debora Ramona Rieser (33) hat in ihrer Jugend weder an ihrem Fahrrad geschraubt, noch Lautsprecher gebaut. Dafür war sie in der Schule eher schlecht in Mathe. Hört sich nicht nach Ingenieurkompetenz an. Weit gefehlt.

Bis zur elften Klasse hatte Debora Rieser keinen klaren Berufswunsch. Nichts ungewöhnliches – wer weiß schon mit etwa 17 Jahren, was er werden will. Dann, in der 12ten, keimte plötzlich das Interesse an der Ingenieurwissenschaft auf. Insbesondere die Physik und die mathematischen Herleitungen physikalischer Formeln beeindruckten die damalige Wiesbadener Schülerin. Obwohl sie ausgerechnet in Mathe in die Abi-Nachprüfung musste – und bestand –, hielt Rieser an ihrem Entschluss fest.

Nach dem durchwachsenen Mathe-Musik-Abitur machte die gebürtige Frankfurterin zunächst eine dreijährige Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung. "In der Ausbildung habe ich nicht nur Programmieren gelernt, sondern auch das wissenschaftliche Arbeiten, was später im Studium vorausgesetzt wurde." Direkt nach der Ausbildung startete sie 2005 den Diplomstudiengang Informations- und Kommunikationstechnik an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Friedberg.

Die Mathematik ging ihr nun wesentlich leichter von der Hand als damals in der Schule, und so belegte sie im ersten Semester parallel zu Mathe I bereits den Folgekurs aus dem zweiten Semester. Überhaupt wagte sie sich im ersten Semester statt an die erforderlichen sechs Fächer direkt an zehn heran – und bestand im ersten Anlauf acht Klausuren. Ein Wahnsinnspensum für einen Studienanfänger. Tatsächlich gingen ihr die sozial- und kulturwissenschaftlichen Fächer mithilfe des Skripts ohne großen Aufwand von der Hand, und die technischen Fächer sagten ihr wegen des Bezugs zur Mathematik sowieso zu. "Man stellt die gegebenen Formeln einfach um und kommt so zur Lösung." So einfach kann es manchmal sein. Nur drei Fächer der Elektrotechnik bestand sie nicht auf Anhieb. "Hierbei ging es darum, Schaltungen zu erkennen. Das konnte ich zunächst nicht so gut." Letztendlich bestand Rieser Elektrotechnik 1 und 3 und Hochfrequenztechnik im Zweitversuch ohne Probleme. Dank ihres enormen Einstiegstempos eine nahezu irritierende Leistung.

Vielfältiges Engagement

"Insgesamt musste ich wenig Zeit ins Lernen investieren", erklärt sie beinahe abwiegelnd. Es scheint ihr fast unangenehm zu sein, aber bei manchen Studenten entwickelt es sich eben so: Wer in der Schule ein Held war, muss dies nicht zwingend im Studium sein, und wer ein mittelmäßiger Schüler war (oder schlechter) entpuppt sich mitunter als Glanzlicht an der Hochschule. Und so absolvierte Rieser zusätzlich zu ihrem Präsenzstudium noch den zweisemestrigen Kurs Gewerblicher Rechtsschutz an der Fernuni Hagen und setzte sich zudem im Studentenparlament, Senat, Asta und in der Fachschaft für studentische Interessen ein. Während ihres sozialen Engagements lernte sie die Organisation einer Hochschule und zeitgleich endlich auch die think ING.-Initiative kennen. Sie verbreitete die Materialien schon damals an die Studierenden und liest die Porträts und Interviews der vorgestellten Ingenieure bis heute. "Sie zeigen die vielfältigen Berufsbilder von Ingenieuren wie kein anderes Medium."

Didaktische Richtung

Dank ihrer Diplomarbeit zum Thema Abbildung von Wissensprozessen auf Lernplattformen schlug Rieser eine didaktische Richtung ein und entschloss sich daher zum Master für Berufsschul-Lehramt an der TU Darmstadt. Während der folgenden Jahre stellte die Ingenieurin endgültig fest, dass sie lieber mit Studenten als mit Schülern arbeiten würde und bewarb sich schließlich an diversen Hochschulen.

Seit April 2012 ist Rieser nun an der Hochschule Fulda für die Qualifikation von E-Tutoren zuständig, die Online-Studiengänge und das Lernen mit digitalen Medien betreuen. Für die Ausbildung dieser Tutoren bietet sie Schulungen an und organisiert wiederum Onlinekurse. Dabei ist sie sowohl an der Produktion von Lehrmaterialien (Folien, Informatik-Lehrfilme etc.) beteiligt, kümmert sich aber auch um organisatorische Aufgaben wie die Anmeldungen der Studierenden. Darüber hinaus ist sie Ansprechpartnerin für die Tutoren bei Fragen zur Wissensvermittlung. Und last but not least hat Rieser einen Lehrauftrag für Physik im Fachbereich Oecotrophologie und damit eine weitere Möglichkeit, ihre pädagogischen und fachdidaktischen Kenntnisse einzusetzen. Wie lautet eigentlich die weibliche Form des Wortes "Tausendsassa"?

Michael Bokelmann
Die Ingenieurin nutzt das think ING. Netzwerk für ihr Tutorium
Michael Bokelmann
Rieser ist zuständig für die Qualifikation von E-Tutoren
Michael Bokelmann
Rieser ist an der Produktion Lehrmaterialien beteiligt
think ING.
Debora Ramona Rieser über think ING.
Michael Bokelmann
Rieser ist Lehrbeauftragte für den Fachbereich Oecotrophologie